Herausforderung Unternehmensnachfolge in der Hotellerie bewältigen

(v.l.) Puff, Singer, Domenig, Schöffmann, Hoffmann, Nungesser, Moderation Bergauer. Foto: FH Kärnten
Das Thema Unternehmensnachfolge ist nicht neu, beschäftigt jedoch seit Jahren zahlreiche klein- und mittelständische Betriebe, auch im Tourismus. Über die Anzahl der zur Übergabe anstehenden Betriebe werden oftmals Mutmaßungen angestellt, konkrete Erhebungen gibt es nur wenige.
Dies war Anlass, dass der Studienzweig Hotel Management der Fachhochschule Kärnten in Kooperation mit der Sparte Hotellerie der Wirtschaftskammer Kärnten eine breit angelegte Online-Befragung unter den meist gewerblichen Hotelleriebetrieben (Hotels, Hotels garni, Ferienwohnungsanbieter, Gasthöfe) durchgeführt hat. Die Ziele waren, sich einen Überblick über die Anzahl der zur Übergabe anstehenden Betriebe zu verschaffen sowie die konkreten Herausforderungen, mit denen sich die Hoteliers konfrontiert sehen, zu eruieren.
Im Rahmen der Veranstaltung „Herausforderung Unternehmensnachfolge in der Hotellerie bewältigen“ am 21.5.2012 am Standort Villach der Fachhochschule Kärnten wurden die Ergebnisse der Befragung vorgestellt und mit Experten aus den Bereichen Steuerrecht, notarielle Aspekte, Unternehmensberatung, Förderungen etc. mögliche Lösungsansätze diskutiert. Zahlreiche Hoteliers aus Kärnten folgten der Einladung.
Eckdaten der Befragung:
• Erhebungsmethode: Online-Befragung
• Untersuchungszeitraum: März – Mai 2012
• Fallzahl: Insgesamt wurden 1.898 Betriebe der Sparte Hotellerie befragt, teilgenommen haben davon 12,2 % (155)
• Studienleiter: Dipl.-BW (FH) Stefan Nungesser, Programmleiter Studienzweig Hotel Management
Kernergebnisse der Befragung:
Im Wesentlichen wurden Fragen zu den Strukturdaten und Eigentumsverhältnissen der Betriebe gestellt sowie zur Regelung der Unternehmensnachfolge und den damit zusammenhängenden Herausforderungen und Problembereichen.
Bei den befragten Betrieben steht bisher nur bei 1/3 eine Nachfolgeregelung fest, 2/3 haben keine Nachfolgeregelung. Von diesen 2/3 wird auch jeder 5. Betrieb aufgelöst werden. Das betrifft 33 Betriebe mit rund 1100 Betten. Bei knapp der Hälfte ist zwar eine Weiterführung des Betriebes geplant, wie die Regelung aussieht, ist jedoch unklar. Hier sprechen wir von 71 Betrieben mit etwa 3.300 Betten. Für ein Tourismusland wie Kärnten hat dies erhebliche Auswirkungen auf die Beherbergungsinfrastruktur. Studienleiter Stefan Nungesser interpretiert die Ergebnisse so: „Viele kleine Familienbetriebe wird es zukünftig nicht mehr geben. Sie haben keine Nachfolger und sind auf Grund ihrer Größe und ihres derzeitigen Angebots wirtschaftlich nicht überlebensfähig.“
Ist eine Betriebsnachfolge geplant, wollen rund 85 % diesen innerhalb der Familie übergeben. Allerdings existieren hier zum Großteil keine vertraglichen Regelungen bzw. ist auch unklar, in welcher Form der Betrieb übergeben werden kann. Stefan Nungesser rät daher, „selbst bei Übergaben innerhalb der Familie klare vertragliche Regelungen zu treffen.“
Die größten Herausforderungen der Unternehmensnachfolge sehen die Unternehmer in den steuerrechtlichen Aspekten (42,1 %), dass kein Nachfolger vorhanden ist (34,7 %), die gesetzlichen Vorgaben (32,2 %), familieninterne Uneinigkeiten (26,4 %) sowie die Verbindlichkeiten des Unternehmens (23,1 %).
Es wird deutlich, dass es zum Thema der Nachfolgeregelung in den Hotelleriebetrieben einen intensiven Beratungsbedarf hat. Die Unsicherheiten spiegeln sich in den Antworten zur konkreten Ausgestaltung wider. Studienleiter Stefan Nungesser dazu: „Wesentliche Erfolgsfaktoren bei der Regelung der Nachfolge ist der frühzeitige Beginn der Planungen, um so einen kontinuierlichen Übergabeprozess zu gewährleisten. Übergeber und Übernehmer können in dieser Zeit ihre zukünftigen Rollen finden.“
Bei der anschließenden Podiumsrunde diskutierten Dipl-BW (FH) Stefan Nungesser, Mag. Eva Hoffmann (Sprecherin der Fachgruppe Hotellerie), Dr. Martin Domenig (Unternehmensberater im Tourismus), Mag. Alfred Puff (Gründer- und Unternehmerservice Wirtschaftskammer Kärnten), Mag. Klaus Schöffmann (Notar) sowie Mag. Michael Singer (Steuerberater) über mögliche Lösungsansätze. Kernaussagen: frühzeitige Planung, gerade bei innerfamiliären Übergaben Klarheit schaffen, Experten wie Steuerberater, Notare etc. hinzuziehen und Privat-Vermögen von beruflichem Vermögen trennen.

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