Mag. Josef Sibitz im Interview

AMS Sibitz.jpg
Mag. Josef Sibitz ist Geschäftsführer des AMS Kärnten und spricht im advantage-Interview über das Thema Berufsorientierung der Jugend.
Foto: AMS/KK
Herr Mag. Sibitz, vor kurzem fand die BeSt, die Messe für Beruf, Studium u. Weiterbildung statt. Wie ist das Resumée?
Die BeSt wird von der Jugend sehr gut angenommen, weil sie informativ ist und sich dem Thema Berufsorientierung widmet. Im heurigen Jahr war die Universität mit ihrem Programm sehr stark vertreten, hier sollte auch die breite Palette der Lehrausbildungsmöglichkeiten besser präsentiert sein. Man muss bedenken, dass die Arbeitslosenquote derjenigen, die nur die Pflichtschule absolviert haben, mit 19,2 Prozent zu Buche schlägt, derjenigen aber, die auch eine Lehre absoviert haben, nur noch 7,9 Prozent beträgt. Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg und der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit. Die Jugendlichen müssen sich frühzeitig für die richtige Ausbildung entscheiden. Dementsprechend klar muss das Bildungs- und Berufsangebot definiert werden.

Jugend gegen die drohende Arbeitslosigkeit wappnen – können die Sozialpartner durch die gemeinsamen Berufsorientierungs-Maßnahmen tatsächlich gegensteuern?
Die Jugend muss lernen, die eigenen Stärken, Interessen, Potentiale zu erkennen und sich über Chancen, Risken und Angebote der Berufswelt zu informieren. Betriebe sollen eingebunden werden, um das Angebot erlebbar und greifbar zu machen. Außerdem ist es wichtig, dass sich auch die Eltern mit den Ausbildungsmöglichkeiten für ihre Kinder beschäftigen. Die Berufsinformationszentren BIZ des AMS werden jährlich von 50.000 Jugendlichen besucht, die sich über den Arbeitsmarkt informieren, Einblick in die Berufswelt erhalten und Eignungs- bzw. Talente-Checks absolvieren können.

Viele junge Menschen entscheiden sich für eine falsche Ausbildung, gehen z.B. nach der 9. Klasse noch ein, zwei Jahre in eine höhere Schule, bevor sie dann doch in einen Lehrberuf wechseln.
Es sollte für die Schüler eine Art Orientierungsjahr zur Intensivierung und Festlegung des Berufsbildes mit Alternativmöglichkeiten geben. Wahrscheinlich lassen sich dadurch viele Fehlentscheidungen vermeiden. Ich bin ein Verfechter der Gesamtschule bzw. der Neuen Mittelschule und glaube, dass für ein Heranreifen von Entscheidungen und der Differenzierungsfähigkeit eines Jugendlichen Zeit genug vorhanden sein soll. Von vielen wird der etwas längere Ausbildungsweg, nämlich die Lehrausbildung nach der absolvierten Matura, auch bewusst beschritten.

Bis wohin reicht der Zuständigkeitsbereich des AMS?
Dem Arbeitsmarktservice kommt in erster Linie eine „Feuerwehrfunktion“ zu. Die Kräfte des AMS müssen konzentriert sein auf diejenigen Arbeitslosen, die tatsächlich Hilfestellung benötigen. Daneben ist es aber vor allem in Zeiten wie diesen unumgänglich, vorausschauende Arbeitsmarktpolitik zu betreiben und rechtzeitig mit Maßnahmen gegenzusteuern. Das kann man folgendermaßen veranschaulichen: Von der österreichweit neuen Personalzuteilung des AMS von 200 Servicekräften, sind vorerst 30, wenn nötig auch mehr, für die Berufsinformationszentren BIZ eingesetzt.

In den letzten Jahren gab es eine Gründungsoffensive, vor allem Ein-Mann/Frau-Betriebe wurden gegründet. Soll auch die Jugend diesen Weg beschreiten?
Schulabgängern, die noch keine Praxis haben, ist dieser Weg nicht zu empfehlen, da ihnen die Erfahrung fehlt und sie in diesem Alter persönlich noch zu wenig gefestigt sind. Aus dem Arbeitslosenprogramm sind jedoch bereits 2.000 Betriebsgründer hervorgegangen. Ein prominentes Beispiel ist Robert Kanduth mit GREEN ONE TEC.

Fort-/Bildungsmaßnahmen sollten nicht nur für Arbeitgeber, sondern auch für Eltern forciert werden. Gibt es Schulungsmaßnahmen, in denen man lernt, mit Krisensituationen umzugehen?
Seitens des AMS gibt es als Alternativ-Programme „Kurzarbeit + ev. Ausbildung im Betrieb“ ( die Ausbildungskosten werden zu 60 Prozent vom AMS übernommen ), „Bildungskarenz“ ( es gibt ein erhöhtes Arbeitslosengeld ). Wichtig ist es, Arbeitslose in Bewegung zu halten, sie durch zumindest kurzfristige Dienstverhältnisse und Trainingsmaßnahmen zu motivieren und zu beschäftigen.


Bookmark and Share

« zurück
  





DETAIL