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Wirtschaft
03.09.2025

25 Jahre Euro – Zeit für Reformen?

Geld- und Fiskal­politik sind eng mit­einander verwoben, insbe­sondere in einer Währungs­union wie der Eurozone.

Der Euro hat viele Krisen überstanden, die bei seiner Gründung bis Ende 2024 unvorstellbar waren. Ökonom Klaus Masuch – bis Ende 2024 Principal Adviser bei der EZB – spricht im Interview mit advantage über Herausforderungen, Entwicklung und Zukunft des Euro.

advantage: Was hat der Euro Menschen und Wirtschaft in der EU gebracht?

Klaus Masuch: Die Länder haben alles in allem wirtschaftlich profitiert vom Euro. Die Frage ist: Was wäre die Alternative? Denn ohne den Euro hätte es – gerade, wenn es Krisen gibt – große Wechselkursverwerfungen gegeben und die hätten wiederum politische Konsequenzen gehabt. Insgesamt bin ich überzeugt, dass der Euro und auch die EU wunderbare Institutionen sind. Europa hätte nichts Besseres passieren können nach dem Zweiten Weltkrieg, als die EU zu bekommen und dann auch den Euro.

Vor welchen Herausforderungen stehen wir aktuell?

Es gibt noch eine ganze Reihe von Reformen und politischen Entscheidungen auf EU­Ebene, die notwendig sind, um den Euro dauerhaft besser abzusichern und krisenfester zu machen. Zentral ist aber, dass der Wohlstand der Menschen in Europa ganz maßgeblich von anderen Faktoren als dem Euro allein abhängt. Wichtige Fragen sind: Wie flexibel sind unsere Märkte? Wird die Marktwirtschaft und damit unser Wohlstand durch zu viel Bürokratie und zu hohe Steuern behindert? Ist es für junge Menschen möglich, Unternehmen aufzubauen oder werden zu viele Hindernisse in den Weg gelegt? Und da muss man schon sagen, dass wir in der EU bzw. in den europäischen Ländern von der Struktur her zu viel Regulierung und zu viele staatliche Gesetze haben, die die Wirtschaft, das Gründen von Unternehmen und das Schaffen neuer Arbeitsplätze behindern.

„Europa hätte nichts Besseres passieren können nach dem Zweiten Weltkrieg, als die EU zu bekommen und dann auch den Euro.“

Klaus Masuch

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Was sind die Vorteile einer gemeinsamen Währung?

Jeder kann mit dem Euro in 20 Ländern der EU zahlen. Das hilft den Bürger:innen, das hilft den Unternehmen – weniger Transaktionskosten, weniger Umtauschkosten, weniger Währungssicherungskosten, keine Wechselkursrisiken innerhalb des Euro-Raumes. Zudem ist der Euro auch ein immens wichtiges politisches Projekt. Der Euro hilft, den freien Warenaustausch, den Binnenmarkt abzusichern.

Worum geht es in Ihrem Buch?

Mit dem Buch wollen wir helfen, Euro und EU zu verbessern sowie zur Diskussion institutioneller Reformen beizutragen. Es wird spezifisch auf die Interaktion zwischen der Geldpolitik der EZB und der staatlichen Finanzpolitik eingegangen. Ein wichtiges Thema ist, dass es nicht auf Dauer durchhaltbar ist, dass die EZB Anleihen kauft von Mitgliedsstaaten mit hohen Schulden und finanziellen Problemen, bzw. solche Käufe in Aussicht stellt, und damit die Regierung und Investoren rettet. Das setzt falsche Anreize. In einer funktionierenden Demokratie müssten solche Entscheidungen stattdessen von den Parlamenten, Finanzministern und Regierungschefs der Mitgliedstaaten bzw. der EU gefällt werden, und nicht von der EZB. Dafür wurde der ESM (EU-­Rettungsschirm) gegründet.

WISSENSWERT

Am 1. Januar 1999 wurde der Euro – zunächst als Buchgeld – ins Leben gerufen. Münzen und Banknoten wurden am 1. Januar 2002 eingeführt. Der Euro (€) ist aktuell die offzielle Währung von 20 der 27 Mitgliedsländer der Europäischen Union. Diese bilden den Euro-Raum.

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