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Bildung
20.10.2025

70 Jahre lebens­langes Lernen

In einem Festakt mit zahlreichen Ehrengästen feierten die Kärntner Volkshochschulen im St. Veiter Rathaus ihr 70-jähriges Jubiläum.

Unter dem Motto „Stolz auf die Vergangenheit, kraftvoll in die Zukunft“ fand kürzlich im St. Veiter Rathaus ein Festakt zur Feier der Kärntner Volkshochschulen (VHS) statt. Die Bildungsinstitution wurde 1955 gegründet und wird heuer 70 Jahre alt. Unter den zahlreichen Gästen befanden sich auch der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer, Landesrat Daniel Fellner, Bürgermeister Martin Kulmer, Rektor:innen der Kärntner Hochschulen und die Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweis.

„Die Bildungsinstitution hat den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg nach dem Zweiten Weltkrieg und in den letzten Jahrzehnten entscheidend mitgestaltet.“

Heinz Fischer, ehemaliger Bundespräsident

„Die Gründung der Kärntner Volkshochschulen erfolgte in einer Zeit enormen Aufbruchs, getragen von der Überzeugung, dass Demokratie nur dort gedeiht, wo Bildung allen offensteht. Die Bildungsinstitution hat den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg nach dem Zweiten Weltkrieg und in den letzten Jahrzehnten entscheidend mitgestaltet“, so der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer.

Orte der Begegnung und des Lernens

Auch Landesrat Fellner betonte die Bedeutung der Bildungsinstitution: „Die Kärntner Volkshochschulen stehen seit 70 Jahren für das, was Bildung im besten Sinn bedeutet: Offenheit, Teilhabe und lebenslanges Lernen. Sie schaffen Orte der Begegnung, an denen Menschen unabhängig von Alter oder Bildungsstand ihre Chancen erweitern und gemeinsam wachsen können. Bildung ist der Schlüssel zu Selbstbestimmung und sozialer Gerechtigkeit – und die Volkshochschule Kärnten zeigt seit sieben Jahrzehnten, wie dieser Schlüssel in der Praxis wirkt: mit Herz, ganz viel Engagement und Mut. Ich gratuliere den Kärntner Volkshochschulen ganz herzlich zu 70 Jahren motivierter Bildungsarbeit!“, so Fellner.

„Die Kärntner Volkshochschulen stehen seit 70 Jahren für das, was Bildung im besten Sinn bedeutet: Offenheit, Teilhabe und lebenslanges Lernen.“

Landesrat Daniel Fellner

Die Kärntner Volkshochschulen zeichnen dabei auch Besonderheiten aus: „Die umtriebige und unkonventionelle Art in der Konzeption und Planung, aber auch in den Partnerschaften, ist es, die die Kärntner im Kanon aller österreichischen Volkshochschulen einzigartig machen“, so Gerwin Müller, Vorstandsvorsitzender des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen und der Kärntner Volkshochschulen.

Mit dem EU-Beitritt erweiterten die Kärntner VHS 1995 ihren Arbeitsbereich um das Standbein EU-Projekte. Beliefen sich die Mittel zur Umsetzung von regionalen, nationalen und internationalen Projekten im Jahr 2003 noch auf rund eine Million Euro, wurden 2023 bereits über vier Millionen Euro (davon 19 Prozent EU-Mittel) zur Umsetzung von Bildungs- und Beratungsprojekten für Kärnten lukriert. So wurden nicht zuletzt attraktive, oft kostenlose Angebote für die Gemeinden möglich gemacht.

Bildung als Genuss

Das Interesse am Bildungsangebot der Kärntner Volkshochschulen hat über die Jahre hinweg kontinuierlich zugenommen. Geschäftsführerin Beate Gfrerer berichtet von steigenden Zahlen: „Aktuell laufen 3.000 Kurse mit mehr als 25.000 Teilnehmer:innen an 80 Kursorten in ganz Kärnten. Unsere Formkurve weist stark nach oben – 2025 wird ein Rekordjahr für die Kärntner Volkshochschulen werden, bisher verzeichnen wir ein Plus von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr.“

„Mein Anspruch ist es, ein breites Spektrum an Menschen mit unterschiedlichen Interessen zu erreichen.“

Beate Gfrerer, Geschäftsführerin der Kärntner Volkshochschulen

Dabei verweist Gfrerer auf das umfang- und facettenreiche Portfolio an Veranstaltungen, Exkursionen und exklusiven Formaten im Jubiläumsjahr. „Mein Anspruch ist es, ein breites Spektrum an Menschen mit unterschiedlichen Interessen zu erreichen: Ob Führungen in nicht allgemein zugänglichen interessanten Bauwerken Kärntens, Gespräche mit herausragenden Persönlichkeiten in intimeren Rahmen oder on- und offline-Angebote zu aktuellen Themenstellungen – Bildung ist etwas Lustvolles. So lebe ich Bildung und so vermittle ich Bildung,“ betonte Gfrerer, die seit 1995 in den Kärntner Volkshochschulen und seit 2015 deren Geschäftsführerin ist.

Basisbildung als Herzensangelegenheit

Besonders am Herzen liegt der VHS-Geschäftsführerin die Basisbildung – also die Vermittlung grundlegender Lese-, Schreib-, Rechen- und EDV-Kenntnisse an Erwachsene. „Bildung darf nicht elitär, sie muss inklusiv sein. Wir holen Menschen da ab, wo sie stehen und begleiten sie ihr Leben lang bei ihren Bildungsbedarfen. Dabei antizipieren wir wirtschaftliche, gesellschaftspolitische und persönliche Bedarfe und gießen sie in maßgeschneiderte individuelle Bildungsangebote. Besonderes Augenmerk legen wir auf die ländlichen Regionen, aus denen sich die meisten Anbieter schon verabschiedet haben: Wir machen Bildung für Jede und Jeden finanziell leistbar zugänglich“, so Gfrerer.

„Bildung darf nicht elitär, sie muss inklusiv sein.“

Beate Gfrerer, Geschäftsführerin der Kärntner Volkshochschulen

Laut einer OECD-Studie des letzten Jahres hätten 30 Prozent der Bevölkerung, unabhängig von ihren sprachlichen Wurzeln, Probleme mit dem sinnerfassenden Lesen, so Gfrerer. Dies bestätige, dass Basisbildung kein Randthema sei. Die Kärntner Volkshochschulen hätten bereits ab dem Ende der 90er Jahre eine Vorreiterrolle bei der Fokussierung bildungsbenachteiligter Menschen eingenommen: „In Kärnten wurde die österreichweit einzige ‚VHS-Grundbildung‘ als fachspezifische, landesweit tätige und nicht regional gebundene VHS geschaffen,“ ergänzte Gerwin Müller.

Familie aus Menschen

Bürgermeister Martin Kulmer betonte seine Freude über den neuen Standort der VHS am St. Veiter Hauptplatz: „Dort entstehen neue Möglichkeiten für Wissenserweiterung, Inspiration und gemeinsames Lernen. Mit diesem Standort bringen wir auch neues Leben in die Altstadt. Bildung und Wirtschaft arbeiten hier Hand in Hand. Davon profitiert das Stadtzentrum deutlich. Das zeigt: Bildung gehört mitten ins Leben – dorthin, wo Menschen wohnen, arbeiten und ihre Zukunft gestalten,“ so Kulmer.

Als inspirierender Keynote sprach der Autor und Verleger Lojze Wieser über Chancen, eine sichere Welt als eine „Familie aus Menschen“ zu bauen. Mit Wieser und seiner Botschaft seien zahlreiche Wesensmerkmale der Kärntner Volkshochschulen erfüllt, betonte Gfrerer. „Die Kärntner Volkshochschulen setzen mit ihrer inklusiven Bildungsarbeit gesellschaftspolitische Akzente, die individuelle Potenziale fördern, den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und die demokratische Mitbestimmung ermöglichen,“ schloss die Geschäftsführerin.

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