LHStv.in Gaby Schaunig
© Helge Bauer
62 Tage lang – vom 31. Oktober bis zum Jahresende – arbeiten Frauen in Kärnten statistisch gesehen ohne Bezahlung. Der Equal Pay Day soll Bewusstsein für das Ungleichgewicht in der Entlohnung schaffen. Aktuell beträgt der Gender Pay Gap in Kärnten noch immer 17 Prozent, und die Einkommensschere schließt sich nur langsam. Statistik Austria zufolge lassen sich zwei Drittel der Unterschiede zwischen den Einkommen von Frauen und Männern nicht auf strukturelle Faktoren wie Branche, Beruf oder Arbeitszeit zurückführen.
Lohntransparenz für mehr Fairness
Frauenreferentin LHStv.in Gaby Schaunig ruft daher zu konkreten Schritten in Richtung Transparenz und Gerechtigkeit auf – und unterstreicht, wie entscheidend die EU-Richtlinie zur Lohntransparenz ist, die bis 2026 umgesetzt werden soll. „Zwei Drittel des Einkommensunterschieds sind schlicht nicht erklärbar. Das ist nichts anderes als Lohndiskriminierung. Solange Frauen für die gleiche Arbeit weniger verdienen, ist Gleichstellung nur ein Lippenbekenntnis. Die EU-Lohntransparenzrichtlinie ist ein historischer Fortschritt. Sie kann das Tabu rund ums Gehalt brechen und endlich Licht in die dunklen Lohngefälle bringen. Dass sich die Bundesregierung im Regierungsprogramm klar zu ihr bekennt, ist ein wichtiges Signal – denn Lohngerechtigkeit ist keine Kür, sondern ein Recht“, so Schaunig.
LHStv.in Gaby Schaunig
© Helge Bauer
Wissen macht unabhängig
Begleitend zum Equal Pay Day führen das Referat für Frauen und Gleichstellung und der Fachbereich Frauengesundheit die Workshopreihe „Finanzielle Zukunft ohne Lücken“ weiter. Bereits 18 Gemeinden haben teilgenommen, zehn weitere Workshops finden noch heuer statt – acht folgen im Frühjahr. „Finanzielle Bildung ersetzt keine gerechte Bezahlung – aber sie stärkt Frauen in ihrer Selbstbestimmung“, betont Gesundheitsreferentin Beate Prettner die Wichtigkeit dieser Initiative. „Wer weiß, wie Geld funktioniert, trifft bessere Entscheidungen für die eigene Gesundheit, Sicherheit und Zukunft. Finanzielle Unabhängigkeit ist auch ein Gesundheitsfaktor – denn Armut macht krank, und Absicherung entlastet.“
Zugleich weist Schaunig darauf hin, dass individuelle Finanzbildung allein strukturelle Benachteiligungen nicht beseitigt. „Es ist nicht die Aufgabe einzelner Frauen, ein ungerechtes System zu korrigieren. Es ist die Aufgabe der Gesellschaft, gleiche Chancen und gleiche Bezahlung zu garantieren. Frauen leisten mehr unbezahlte Arbeit, verdienen weniger und haben am Ende des Lebens die kleineren Pensionen – das ist ein Systemfehler, kein Einzelschicksal. Gleichstellung braucht Gesetze, Mut und Solidarität.“
Praxisnahes Finanzwissen aus erster Hand
Martina Gabriel, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Landes Kärnten, unterstreicht die Bedeutung von Wissen als Grundlage für Unabhängigkeit und Selbstbestimmung: „Schon kleine Veränderungen können große Wirkung entfalten. Die Finanzworkshops vermitteln Wissen und Werkzeuge, um gute finanzielle Entscheidungen zu treffen – ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu mehr Unabhängigkeit und Sicherheit.“ In den Workshops vermittelt Unternehmens- und Steuerberaterin Ingrid Gritschacher praxisnahes Wissen zu Finanzen, Verhandlung und Vorsorge – mit dem Ziel, Frauen zu stärken und Altersarmut vorzubeugen. Die Teilnahme ist kostenlos, Termine und Anmeldung sind auf frauen.ktn.gv.at zu finden.