Wirtschaft

advantage Umfrage 2021: Digitalisierung - Fluch oder Segen?

Die Digitalisierung betrifft uns alle: ob im Alltag, im Beruf oder auch bei den täglichen Erledigungen – die Digitalisierung hat unser Leben verändert. Wir haben mit bekannten Kärntner Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik über die fortschreitende Digitalisierung gesprochen.

Walter Liebhart, CEO von ILOGS

„15 Prozent aller Pflege- und Betreuungsleistungen könnten digital erbracht werden“

„ILOGS ist ein IT-Unternehmen, welches Digitalisierung seit Jahren lebt und dieses Wissen an seine Kunden weitergibt. Es ist uns daher ein großes Anliegen, die Digitalisierung des Pflege- und Gesundheitssektors durch unsere Expertise voranzutreiben. Leider sind die Rahmenbedingungen seitens der Fördergeber für eine stärkere Digitalisierung im Bereich der Telebetreuung / Telemedizin noch nicht ausreichend vorhanden. Aufgrund von Corona ist hier jedoch eine Verbesserung zu erwarten – Arztvisiten, Pflege und Betreuung sollen zukünftig auch digital möglich sein. Hierbei spielt die Videotelefonie eine große Rolle. Seit Covid hat sich die Nachfrage nach AAL-zentrierten Produkten deutlich erhöht. Viele Leistungserbringer (Pflegedienste, Ärzte) können durch neue Technologien wie z. B. Videokommunikation – einen Teil ihrer Leistung digital erbringen. Dies wirkt sich insbesondere innerhalb des Pflegesektors positiv auf die Personalsituation und Kosten aus: rund 15 Prozent aller Pflege- und Betreuungsleistungen könnten unserer Ansicht nach digital erbracht werden. Das Einsparungspotenzial ist signifikant und gleichzeitig könnten mehr Personen zu Hause betreut werden.“

Fluch oder Segen? – „Eine Chance!“ „Für ILOGS ist die voranschreitende Digitalisierung die Chance, sowohl den Workflow als auch Alltag des Pflege- und Gesundheitsbereichs zu optimieren.“

Herta Stockbauer, Vorstands­vorsitzende der BKS Bank:

„Digitalisierung prägt den Alltag im Bankgeschäft“

„Im Bankgeschäft prägt die Digitalisierung den Alltag unserer Kunden und Mitarbeiter stark. Viele Kunden nutzen unsere digitalen Kundenportale My-Net und BizzNet für ihre Bankgeschäfte. Sie schließen über unseren Online- Shop Produkte wie Kredite, Konten oder Wertpapiersparpläne ab, bezahlen mit ApplePay, BlueCode oder Garmin Pay. Mit BKS Bank Connect haben wir im Vorjahr eine digitale Bank in der Bank gestartet, die auf reges Kundeninteresse stößt. Auch unsere internen Abläufe sind stark digitalisiert. So unterstützt die digitale Vertriebsassistentin Vera unsere Filialmitarbeiter, digitale Workflows und Softwareroboter übernehmen Routineaufgaben, eine Lernmanagementsoftware ist Kernelement bei unseren Aus- und Weiterbildungen, Videokonferenzen sind mittlerweile Alltag für unsere Mitarbeiter.“

Fluch oder Segen? – „Das Positive überwiegt“
„Innovative digitale Lösungen schaffen neue Kundenerlebnisse, vereinfachen den Zugang zu Bankprodukten und erleichtern den Arbeitsalltag für Bankmitarbeiter. Das Positive überwiegt bei weitem. Wo viel Licht ist, gibt es aber auch Schatten. Die ständige Erreichbarkeit erhöht den Arbeits-
druck und verkürzt Erholungs­phasen. Daher rate ich jedem, im wahrsten Sinne des Wortes auch einmal abzuschalten.“

Johannes Eder, Geschäftsführer Humanomed

„Enorme Entlastung für die Mitarbeiter im Arbeitsalltag“

„Mittlerweile wird in unseren Privatkliniken und im Kur- und Rehazentrum Althofen unsere selbst entwickelte Softwarelösung ebody eingesetzt. Dabei wird vom ärztlichen Aufnahmegespräch, der Dokumentation von Pflegemaßnahmen bis hin zur Entlassung des Patienten alles in einem System digital erfasst. Damit arbeiten alle Mitarbeiter in einem System und können je nach Berechtigung Informationen sehen, die für die Behandlung nötig sind.“

Fluch oder Segen? – „Mehr Zeit für individuelle Bedürfnisse“
„Unser System ebody entlastet unsere Mitarbeiter im Arbeitsalltag enorm. Jeder hat die Information, die er braucht auf einen Klick. Keine doppelte Dokumentation und kein Informationsverlust. Dadurch verkürzt sich der gesamte Arbeitsprozess immens. Was bleibt, ist mehr Zeit für die individuellen Bedürfnisse unserer Patienten.“

Dieter Jandl, addIT-Geschäftsführer

„Wir sehen einen klaren „Mind Change“ bei Entscheidungsträgern“

„Digitalisierung ist für uns als Technologie- Unternehmen der Kern unseres Geschäfts. Wir sehen einen klaren „Mind Change“ bei Entscheidungsträgern und dass Digitalisierung bei unseren Kunden zum Kernbestandteil Ihrer Tätigkeit wird. Ob digitale Services für Kunden, effizientere Abläufe in der Produktion, im Lager und im Einkauf, die Ausstattung der eigenen Mitarbeiter mit modernen mobilen Arbeitsplätzen oder die Automatisierung von Arbeitsabläufen: Ohne Digitalisierung kann heute keine Behörde, kein Unternehmen und keine Institution mehr zur Zufriedenheit ihrer Kunden ihre Service erbringen.“

Fluch oder Segen? – „Segen!“ „Richtig eingesetzt, sicherlich ein Segen. Wer Digitalisierung aber nur als notwendiges Übel oder als Kostenfaktor sieht, für den wir sie ein Fluch bleiben.“

Günther Vallant, Präsident des Kärntner Gemeindebundes

„Corona-Kontaktbeschränkungen waren ein wesentlicher Treiber für die Digitalisierung“

„Die Gemeindebediensteten und -mandatare bilden ihre Prozesse im Sinne des Wissensmanagements digital ab, tauschen sich mittels Videokonferenz aus und auch Bürger werden beim Einrichten der Handysignatur unterstützt. Gerade die Kontaktbeschränkungen durch die Corona-Pandemie waren ein wesentlicher Treiber für die Digitalisierung. Mittlerweile wurden sogar formelle Prüfungen per Videokonferenz abgehalten und ist Telearbeit in zahlreichen Gemeinden regelmäßiger Teil der Arbeit. Die meisten Gemeinden verwalten ihre Daten in einem Rechenzentrum, dies bedeutet auch ein höheres Maß an Ausfallsicherheit als noch vor der Pandemie – vorausgesetzt, es gibt keinen Blackout.“

Fluch oder Segen? – „Fluch und Segen zugleich“ „Die Digitalisierung hat das Kommunikations- und Arbeitsverhalten verändert – in Ämtern, im Privatleben und auch in Wirtschaftsbetrieben. Es gab bereits den elektronischen Rechtsverkehr, der elektronische Akt wird in vielen Verwaltungen umgesetzt, die Unterstützungserklärungen per Volksbegehren werden öfter digital eingebracht, (Selbstbedienungs-)Kassen kommunizieren direkt mit der Warenwirtschaft von Supermärkten und auch Banken kommunizieren per App mit ihren Kunden. Dies bedeutet Effizienzsteigerung auf der einen Seite, den Wegfall von Arbeitsplätzen auf der anderen Seite. Wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung.“

 

Reimhold Wurzinger, Regionalleiter Süd, Kausch BusinessCom

„Prognosen sagen, dass im Jahr 2025 80 Prozent der B2B-Kunden­interaktionen digital sein werden“

„Wir beschäftigen uns schon seit längerem intensiv damit, wie wir standardisierte interne Prozesse digitalisieren und automatisieren können. Einiges haben wir beispielsweise auf Basis von Robotic auch schon umgesetzt. Wenn einfache, repetitive Prozesse nicht mehr manuell ausgeführt werden müssen, können wir unsere Mitarbeiter stärker dort einsetzen, wo ihr Fach- und Prozesswissen benötigt wird. Ein weiteres Thema sind digital customer touchpoints. Prognosen sagen, dass im Jahr 2025 80 Prozent der B2B-Kundeninteraktionen digital sein werden. Das bedingt eine große Änderung in der Kundensprache, im Vertriebs- oder im Post-Salesprozess. Wir arbeiten hier gerade an einem Framework, das diesem Trend gerecht wird und gleichzeitig den individuellen Kunden­kontakt, der uns ausmacht, wahrt.“

Fluch oder Segen? – „Klarer Wettbewerbsvorteil“
„Durch Digitalisierung können sich Unternehmen einen klaren Wettbewerbsvorteil verschaffen. Auf Basis von Al oder Robotic werden Prozesse automatisiert und beschleunigt. Aber digitale Transformation ist nichts, was nebenbei oder abgeschottet in der IT-Abteilung passiert. Bei solchen Vorhaben sollte immer das Prozess-Know-how der jeweiligen Abteilung miteinbezogen werden. Außerdem braucht es entsprechende Digitalisierungs-Expertise. Diese kann intern aufgebaut oder extern herangezogen werden, durch einen starken Partner, der Orientierung und Hands-on-Unterstützung bietet.“

Claudia Mischensky, Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung Kärnten

„Archillesferse der digitalen Evolution ist das nicht in gleichem Tempo mitwachsende Bewusstsein für Datensicherheit“

„Digitalisierung vereinfacht die Kommunikation, beschleunigt Produktionsprozesse bzw. macht sie effizienter und sie stößt Türen zu neuen Geschäftsmodellen auf, die man bisher nicht für möglich gehalten hätte. Denken wir nur an Online-Shopping und daran, wie raffiniert inzwischen die Methoden sind, dem gläsernen Kunden genau jene Produkte zu präsentieren, die er sich schon immer gewünscht hat. In der Industrie ist die Digitalisierung dabei, Prozesse von der Beschaffung über die Herstellung selbst und die Wartung bis hin zur Logistik zu revolutionieren. Über immer komplexere Schnittstellen greifen hier Systeme voll automatisch ineinander. Die langweiligen Routinetätigkeiten erledigt die Maschine, der Mensch kümmert sich um das Kreative und Innovative. Die Archillesferse der digitalen Evolution ist das leider nicht in gleichem Tempo mitwachsende Bewusstsein für Datensicherheit und mögliche Angriffsflächen.“

Fluch oder Segen? – „Ein Faktum!“
„Die Frage, ob Digitalisierung Fluch oder Segen ist, hat kaum Relevanz. Sie ist ein Faktum, und wer sich nicht darauf einstellen kann oder will, verschwindet mittelfristig aus der Geschäftswelt.“

 

Arnold Gabriel, KABEG-Vorstand

„Die Sicherheit der Systeme ist essenziell“

„Die Pandemie hat die Bedeutung der Digitalisierung auch im Krankenhausumfeld weiter verstärkt. Dies betrifft einerseits den verstärkten Einsatz von Videokonferenzen oder die zunehmende Möglichkeit zur Telearbeit. Aber auch die Telemedizin hat schneller an Bedeutung gewonnen. Die Befundung – vor allem im Bereich der Radiologie – wurde ebenso vorangetrieben wie zukunftsorientierte Ansätze. Dazu zählen etwa die elektronische Terminvergabe oder die Umsetzung von virtuellen Ambulanzen.“

Fluch oder Segen? – „Eine Erleichterung“
„Da es sich bei allen Daten um sensible Gesundheitsdaten handelt, ist aber gerade im Krankenhausumfeld die Sicherheit der Systeme essenziell. Was die Pandemie aber auch gezeigt hat: die digitalen Systeme können zwar die Prozesse erleichtern und optimieren, aber nicht die persön­lichen Kontakte – Stichwort Video­konferenzen – zur Gänze ersetzen.“

Christian Scheider, Bürgermeister der Stadt Klagenfurt

„New Work hält nach und nach Einzug“

„Corona hat hinsichtlich Digitalisierung und Homeoffice in der Landeshauptstadt den digitalen Wandel sicherlich beschleunigt. Auch in der Stadt Klagenfurt hält „New Work“ nach und nach Einzug. Die nahtlose digitale Transformation und Evolution stellt die Stadt aber auch vor große Hürden, die es zu meistern gilt. Wir müssen zweigleisig fahren, da selbstverständlich auch jene Bürger, die den digitalen Wandel nicht mitmachen können nicht auf der Strecke bleiben dürfen. Ziel ist eine reformorientierte Performance­steigerung durch die Digitalisierung bei gleichzeitiger effizienzorientierter Prozessoptimierung, die auch den Workflow und die Work-Life-Balance der Mitarbeiter der Stadt begünstigt. Klagenfurt befindet sich generell Schritt für Schritt auf dem Weg zur „smart city“. Digitalisierung spielt dabei eine Schlüsselrolle. Den heterogenen Anforderungen der umfassenden Aufgabenbereiche, die die Stadtverwaltung zu meistern hat, versucht Klagenfurt referatsübergreifend gerecht zu werden. Digitalisierung bietet die Chance einer barrierefreien Prozessoptimierung. Diese sollte im Rahmen der anstehenden Reformprozesse bestmöglich genutzt werden.“
Fluch oder Segen? – „Chance einer barrierefreien Prozessoptimierung“

„Klagenfurt befindet sich generell Schritt für Schritt auf dem Weg zur „smart city“. Digitalisierung spielt dabei eine Schlüsselrolle. Den heterogenen Anforderungen der umfassenden Aufgabenbereiche, die die Stadtverwaltung zu meistern hat, versucht Klagenfurt referatsübergreifend gerecht zu werden. Digitalisierung bietet die Chance einer barrierefreien Prozessoptimierung. Diese sollte im Rahmen der anstehenden Reformprozesse bestmöglich genutzt werden.“

Foto: Pixabay/Gert Altmann
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