„Wenn die Rahmenbedingungen bei Wohnen, Mobilität und Ausbildung nicht angepasst werden, droht dem Land die Abwanderung weiterer junger Talente.“
AK Jugendstudie: Hohe Kosten belasten junge Generation
Die im Zeitraum von Mitte Jänner bis Ende Februar 2026 durchgeführte digitale Befragung liefert tiefgründige Einblicke in die Lebensrealität der 14- bis 25-Jährigen im Bundesland Kärnten. Dabei zeichnet sich ein klares Bild ab: Grundsätzlich ist die Lebenszufriedenheit der jungen Kärntner:innen hoch – neun von zehn Befragten leben gerne im Land. Doch der Blick ins Detail offenbart eine tiefe Kluft, wie AK-Präsident Günther Goach betont: „Die Jugend lebt zwar gerne in Kärnten, blickt aber mit großen finanziellen Zukunftssorgen nach vorne. Wenn die Rahmenbedingungen bei Wohnen, Mobilität und Ausbildung nicht angepasst werden, droht dem Land die Abwanderung weiterer junger Talente.“
Jugend unter finanziellem Druck
„Ganze 35 Prozent sind mit ihrer aktuellen finanziellen Situation unzufrieden; bei fast jeder und jedem Fünften reicht das Einkommen nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken. Zufriedenheit muss man sich leisten können“, fasst Studienleiterin Martina Zandonella vom Foresight Institut zusammen. Die Folgen der Teuerung sind deutlich spürbar: So gaben 48 Prozent der Befragten geben an, durch Lebensmittelkosten stark belastet zu sein. Dahinter folgen die Kosten für Heizen und Strom (46 Prozent) sowie die Wohnkosten (40 Prozent). Folgerichtig rangieren die allgemeinen Lebenshaltungskosten (34 Prozent) und individuelle Zukunftssorgen (29 Prozent) auf den vordersten Plätzen der größten Sorgenfresser, noch vor Prüfungs- und Leistungsdruck (19 Prozent).
Existenzfragen im Vordergrund
Globale Themen wie Klimawandel (vier Prozent) oder Zuwanderung (ein Prozent) spielen im Alltag der befragten Jugendlichen laut Studie eher eine untergeordnete Rolle. Die Erklärung der Studienleitung dafür ist gleichermaßen pragmatisch wie alarmierend: „Wenn man kaum genug Geld zum Leben hat, werden andere, globale Themen zwangsläufig zweitrangig.“ Diese permanente finanzielle Anspannung hinterlässt auch gesundheitliche Spuren. 30 Prozent der Jugendlichen berichten, dass es ihnen psychisch derzeit nicht gut geht. Es zeigt sich: Psychische Gesundheit ist untrennbar mit finanzieller und sozialer Sicherheit verbunden.
Abwanderung bleibt ein Thema
Trotz hoher Heimatverbundenheit plant jede zehnte befragte Person, den Wohnort zu verlassen. Besonders häufig betrifft dies Studierende und junge Frauen. Die Mehrheit der Wegzugswilligen will Kärnten sogar ganz verlassen. Die Gründe dafür sind struktureller Natur, weiß AK-Präsident Goach: „Gesucht werden bessere Zukunftsaussichten bei Ausbildung und Arbeit sowie eine modernere Infrastruktur.“ Besonders beim Thema Pendeln wird die Belastung spürbar: Zwei Drittel der Befragten müssen zur Ausbildung oder Arbeit in eine andere Gemeinde pendeln. Gleichzeitig gibt es eine enorme Unzufriedenheit mit dem regionalen Freizeitangebot, den Weiterbildungsmöglichkeiten und dem Mangel an leistbarem Wohnraum.
Motiviert und zukunftsorientiert
Die Studie widerlegt das Klischee einer trägen Generation deutlich: Junge Erwerbstätige zeigen eine hohe Bereitschaft zur Weiterbildung und persönlichen Entwicklung: So möchten sich 70 Prozent der Befragten beruflich fortbilden. Daniel Weidlitsch, Abteilungsleiter Bildungspolitik, Jugend und Kultur: „Die AK Kärnten unterstützt diesen Wissensdurst. Mit der AK-Akademie, maßgeschneiderten Bildungsberatungen sowie der Jugendmarke AK Young bieten wir den Menschen genau die Werkzeuge, die sie für die Arbeitswelt in Kärnten brauchen.“
„Ganze 35 Prozent sind mit ihrer aktuellen finanziellen Situation unzufrieden; bei fast jeder und jedem Fünften reicht das Einkommen nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken.“
Wunsch nach echter Mitsprache
Auch das Vorurteil einer politikverdrossenen Jugend wird durch die Studienergebnisse widerlegt. Die Jugend ist stark an der Mitgestaltung der Gesellschaft interessiert – es fehlt ihr bloß an Foren und gelebter Demokratie im Alltag. Wie groß der Gestaltungswille ist, zeigt das enorme soziale Engagement: Ob in Sport-, Kultur- und religiösen Vereinen, in der Schule oder bei Blaulichtorganisationen – Kärntens Jugend packt an. Goach hebt hervor: „Das Engagement in Gewerkschaften, Betriebsräten und als Jugendvertrauensrat liegt mit zehn Prozent der Befragten hoch. Unsere Jugendlichen beweisen tagtäglich in Betrieben und Organisationen Verantwortung. Sie verdienen es, dass man ihr auf Augenhöhe begegnet und echte Mitbestimmungsräume schafft.“
Hohe Vertrauenswerte für die AK
In Zeiten wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Unsicherheit gewinnt Verlässlichkeit an Bedeutung. Die AK wird von den 14- bis 25-Jährigen als starke, vertrauenswürdige Interessenvertretung wahrgenommen. Dies deckt sich mit den Ergebnissen des jährlichen OGM-Vertrauensindex, in dem die AK auf dem hervorragenden 5. Platz landet. Die Botschaft ist klar, so Goach: „Wir haben euch gehört. Die Studien-Ergebnisse sind für uns kein theoretisches Papier, sondern ein konkreter Arbeitsauftrag an die Politik und an uns selbst, Kärnten für die nächste Generation zukunftsfit und leistbar zu machen.“
Die AK fordert daher den Ausbau des öffentlichen Wohnbaus und die Schaffung leistbarer Starterwohnungen, bessere öffentliche Verkehrsangebote sowie den Erhalt regionaler Bildungsmöglichkeiten. Zudem sollen psychosoziale Unterstützungsangebote ausgebaut und die Mitsprache junger Menschen durch stärkere Beteiligungsmöglichkeiten und weniger Hürden bei Jugendvertrauensratswahlen gefördert werden.