© AK Kärnten | Helge Bauer
Wirtschaft
05.11.2025

AK Konjunktur­umfrage: Unzu­friedenheit trotz zaghafter Er­holung

Eine Umfrage von Arbeiterkammer Kärnten und Joanneum Research gibt Einblick in aktuelle Sorgen und Herausforderungen für Kärntner Arbeitnehmer:innen.

Betriebsrät:innen aus 217 Kärntner Unternehmen nahmen an der Konjunkturumfrage teil, die die Arbeiterkammer Kärnten kürzlich in Zusammenarbeit mit Joanneum Research durchführte. Sie repräsentieren rund 62.000 Arbeitnehmer:innen aus allen Branchen und damit 29 Prozent der Beschäftigten in Kärnten. Hohe Energiepreise sind für die Arbeitnehmer:innen ebenso Thema wie geopolitische Unsicherheiten, Fachkräftemangel und der demografische Wandel. „Die anhaltenden Kaufkraftverluste und der draus resultierende Wettbewerbsdruck zeigen, dass wir dringend Maßnahmen für ein leistbares Leben und einen attraktiven Standort brauchen“, fasst AK-Präsident Günther Goach zusammen.

„Die anhaltenden Kaufkraftverluste und der draus resultierende Wettbewerbsdruck zeigen, dass wir dringend Maßnahmen für ein leistbares Leben und einen attraktiven Standort brauchen.“

AK-Präsident Günther Goach

Zwar kann von einer zaghaften Erholung der heimischen Wirtschaft gesprochen werden, diese ist jedoch vor allem auf die Erholung der Weltkonjunktur zurückzuführen: „Nach einer zweijährigen Rezessionsphase wird für die österreichische Wirtschaft im Jahr 2025 ein leichtes Wachstum von +0,3 Prozent erwartet. Das WIFO prognostiziert für 2026 eine weitere Beschleunigung auf +1,1 Prozent, angetrieben durch eine anziehende Weltkonjunktur, die so wohl Exporte als auch die inländische Nachfrage beleben sollte. Dennoch ist nicht von einer starken Wachstumsdynamik die Rede, und erhebliche Unsicherheiten, insbesondere auf grund der US-Zollpolitik, bestehen weiterhin“, so Joanneum-Studienautor Eric Kirschner.

Fachkräftemangel beschäftigt Unternehmen

Jürgen Kopeinig, Leiter der AK-Abteilung Wirtschafts- & Steuerpolitik betont: „Der Fachkräftemangel ist ein Problem, das schon sehr lange besteht. Laut den Umfrageergebnissen wird weiterhin Personal gesucht, es werden weiterhin Lehrlinge ausgebildet und Investitionen getätigt – obwohl die Unternehmen gerade unsichere Zeiten erleben.“

„Laut den Umfrageergebnissen wird weiterhin Personal gesucht, es werden weiterhin Lehrlinge ausgebildet und Investitionen getätigt – obwohl die Unternehmen gerade unsichere Zeiten erleben.“

Jürgen Kopeinig, Leiter der AK-Abteilung Wirtschafts- & Steuerpolitik

Die Konjunktur wird weiterhin durch hohe Energiepreise und Kaufkraftverluste der privaten Haushalte belastet. Auch wenn sich die Stimmung in der heimischen Industrie langsam aufhellt, bleibt der Kostendruck in der Produktion, begünstigt durch anhaltend hohe Energiepreise, eine wesentliche Herausforderung für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes. Besonders energieintensive (Industrie-)Unternehmen sind wesentlich härter von der Inflation betroffen als Dienstleistungsunternehmen. In Kärnten beläuft sich der Anteil der Bruttowertschöpfung im industriellen Umfeld (Industrie inkl. industrienaher Dienstleistungen) auf mittlerweile 59 Prozent.

Lebenserhaltungskosten nach wie vor hoch

„Nach dem massiven Einbruch 2020 erlebte die Wirtschaft zwar in den Folgejahren eine leichte Erholung, steckt aber seither in der längsten Rezession seit dem Kriegsende. Lieferengpässe, hohe Energiepreise und Gewinn-Preis-Spiralen haben die Inflation angeheizt und die Kaufkraft geschwächt. Ohne politische Gegenmaßnahmen drohen wachsende Unsicherheit in der Bevölkerung und weitere Verluste in der Wirtschaft“, betont AK-Präsident Goach.

„Nach dem massiven Einbruch 2020 erlebte die Wirtschaft zwar in den Folgejahren eine leichte Erholung, steckt aber seither in der längsten Rezession seit dem Kriegsende.“

AK-Präsident Günther Goach

Die Inflation ist in Österreich nach wie vor hoch – und mit vier Prozent deutlich höher als der Eurozonenschnitt von 2,2 Prozent. In den letzten vier Jahren haben sich die Lebensmittelpreise um 25 Prozent erhöht. Viele Hersteller setzen dabei auf versteckte Erhöhungen wie „Shrinkflation“ und „Skimpflation“, die aufgrund fehlender gesetzlicher Regelungen nicht gekennzeichnet werden müssen. „Der Staat muss die Menschen vor diesen irreführenden Geschäftspraktiken schützen, Preissteigerungen rechtzeitig bremsen und die Grundversorgung erschwinglich halten, mit dem Ziel, den Menschen wieder ein leistbares Leben zu ermöglichen“, so Goach.

Auch gestiegene Strompreise machen vielen Haushalten zu schaffen. Die AK setzt sich daher kritisch mit dem neuen Elektrizitäts-Wirtschaftsgesetzes (ElWG) auseinander: „Wir nehmen die einseitigen Preisanpassungen, die Verteilung der Netzentgelte und begünstigte Sozialtarife genau unter die Lupe. Das Ziel ist eine wirksame Entlastung der Bevölkerung“, so AK-Direktorin Susannes Kißlinger und AK-Direktorin Stellvertreterin Irene Hochstetter-Lackner.

Weniger Investitionsbereitschaft

Nach wie vor suchen zahlreiche Kärntner Unternehmen nach Arbeitskräften: „Während im Vorjahresvergleich eine leichte Eintrübung beim Personalaufbau zu beobachten ist, geht auch der geplante Personalabbau leicht zurück“, zitiert Goach ein weiteres Ergebnis aus der Umfrage und betont: „Wir brauchen mehr denn je ein finanziell und personell top aufgestelltes Arbeitsmarktservice, um allen Arbeitsuchenden eine gute Beratung zu gewährleisten und längerfristige Qualifizierungsmaßnahmen sicherzustellen. Nur so können Betriebe dabei unterstützt werden, qualifiziertes Personal zu finden und den Fachkräftemangel zu minimieren.“

Die Investitionsbereitschaft von Kärntner Unternehmen ist laut Konjunkturumfrage leicht rückläufig, Investitionen in bauliche Maßnahmen (50 Prozent) und Maschinen/Anlagen (38 Prozent) dominieren. Auch in den Klimaschutz wird investiert. Kopeinig: „Die Motive verschieben sich: Ersatzinvestitionen werden wichtiger als der Kapazitätsausbau. Dies deutet darauf hin, dass andere Standorte für Neuinvestitionen attraktiver werden. Zusammen mit dem zunehmenden Wechsel von Zulieferern steigen die negativen Auswirkungen auf den Standort.“

„Die Motive verschieben sich: Ersatzinvestitionen werden wichtiger als der Kapazitätsausbau.“

Jürgen Kopeinig, Leiter der AK-Abteilung Wirtschafts- & Steuerpolitik

Die Umfrage zeigt, dass Künstliche Intelligenz (KI) und Digitalisierung für die befragten Unternehmen derzeit eine untergeordnete Rolle spielen, auch wenn der allgemeine Trend in der Wirtschaft eine andere Richtung weist. Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass 77 Prozent der Befragten keinen steigenden Leistungsdruck für Beschäftigte durch diese Entwicklungen erwarten.

Einen besonders positiven Beitrag zur Steigerung der Produktivität, Wirtschaftsleistung und Wertschöpfung könnte der Studie zufolge ein verbessertes Kinderbetreuungsangebot leisten: „Die Forcierung eines qualitativ hochwertigen und flächendeckenden Kinderbetreuungsangebots, beginnend mit der frühkindlichen Förderung bis hin zum ganztägigen Schulangebot mit warmem Mittagstisch, soll nicht nur die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen, sondern auch die soziale Ungleichheit bereits im (frühen) Kindesalter ausgleichen.“

Wissenswert

Die vollständige Konjunkturumfrage kann auf der Website der Arbeiterkammer heruntergeladen werden.

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