© Florian Wieser
Wirtschaft
01.10.2025

AREA SÜD als gemein­same Zu­kunft für Kärnten und Steier­mark

In einem wirtschaftspolitischen Schulterschluss präsentierten die Wirtschaftskammern der beiden Bundesländer den Süden als neue Wirtschaftsregion mit viel Potenzial.

Nur noch rund zweieinhalb Monate sind es bis zur Eröffnung der Koralmbahn – und damit bis zum offiziellen Zusammenwachsen der AREA SÜD. Diese neu verbundene Lebens- und Wirtschaftsregion umfasst ein knappes Drittel der Fläche Österreichs. 1,8 Mio. Menschen leben in diesem Gebiet, auf dem mehr als 150.000 Betriebe mit 770.000 Beschäftigten eine Wirtschaftsleistung von rund 70 Mil. EUR erbringen.

Präsentation in der Bundeshauptstadt

Um das österreichweite Bewusstsein für diese neue, dynamische Region zu stärken, luden die Wirtschaftskammern Steiermark und Kärnten kürzlich in Wien zu einem gemeinsamen Austausch. Unter den zahlreichen Gästen aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Sozialpartnerschaft waren auch ÖBB-Vorständin Manuela Waldner und die Landesräte Willibald Ehrenhöfer (Steiermark) und Sebastian Schuschnig (Kärnten).

„Nun gilt es, eine gemeinsame regionalpolitische Agenda umzusetzen, um den Wirt-schaftsraum zu einem Vorzeigestandort in Europa zu machen.“

Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark

„Für den Süden Österreichs ergibt sich durch die Koralmbahn eine Jahrhundertchance. Schließlich entsteht entlang der Achse Graz-Klagenfurt der – neben Wien – zweitgrößte Ballungsraum des Landes, der auch im internationalen Maßstab eine Größenordnung dar-stellt. Nun gilt es, eine gemeinsame regionalpolitische Agenda umzusetzen, um den Wirt-schaftsraum zu einem Vorzeigestandort in Europa zu machen. Diese Agenda beginnt beim Arbeitsmarkt – Stichwort Skills – und führt über den weiteren Infrastrukturausbau sowie den F&E- und Innovationsbereich bis hin zu einer gemeinsamen Vermarktung mit der neuen Dachmarke AREA SÜD“, so Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark.

„Für Kärnten ist das ein echter Quantensprung – wir sind nicht länger peripher, sondern mittendrin in einem neuen Zentrum wirtschaftlicher Dynamik.“

Jürgen Mandl, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten

Und Jürgen Mandl, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten ergänzte: „Mit der Koralmbahn wächst zusammen, was zusammengehört. Kärnten und die Steiermark bilden künftig einen wirtschaftlichen Ballungsraum, der in dieser Form einzigartig in Österreich ist. Das schafft neue Chancen für Kooperationen, für Betriebsansiedlungen, für Innovation. Für Kärnten ist das ein echter Quantensprung – wir sind nicht länger peripher, sondern mittendrin in einem neuen Zentrum wirtschaftlicher Dynamik. Darum sehen wir in der Koralmbahn mehr als ein Verkehrsprojekt: Sie ist ein Standortimpuls mit enormem Potenzial.“

Positive Wahrnehmung bei Unternehmen

In einer kürzlich von den beiden Wirtschaftskammern durchgeführten Umfrage unter 1.085 Mitgliedsbetrieben zeigte sich eine weitgehende Befürwortung der verstärkten Zusammenarbeit. 90 Prozent der Unternehmen bewerteten die Kooperation zwischen den beiden Bundesländern „positiv“ oder „überwiegend positiv“. Als Chancen ergeben sich in der Wahrnehmung der Betriebe vor allem die höhere Arbeitskräftemobilität (61 Prozent), die bessere Erreichbarkeit des jeweiligen Bezirks (59 Prozent) und dessen wirtschaftlicher Bedeutungsgewinn (52 Prozent). Vor allem in den Bereichen Wirtschaft (75 Prozent), Bildung (64 Prozent), Verwaltung (60 Prozent) und Gesundheitsvorsorge (55 Prozent) wird eine engere Zusammenarbeit für sinnvoll befunden.

Besonders gewünscht werden von den Unternehmen politische Maßnahmen im Bereich der Infrastruktur – insbesondere, was Breitbandausbau, Photovoltaik und Pumpspeicherkraftwerke betrifft. 57 Prozent plädieren zudem für eine Vereinheitlichung von Landesgesetzen und 51 Prozent für einen gemeinsamen Markenauftritt. Eine Bestätigung für die beiden Wirtschaftskammern, die bereits im Vorfeld die Dachmarke AREA SÜD ins Leben gerufen hatten, die für internationales Standortmarketing ebenso dienen soll wie für die Institutionalisierung eines strategischen und operativen Austauschs auf Politik-, Verwaltungs- und Wirtschaftsebene.

„Die Steiermark und Kärnten arbeiten bereits seit vielen Jahren in den unterschiedlichsten Bereichen eng zusammen – in der Wirtschaft ebenso wie in der Wissenschaft und Forschung. Diese Kooperationen gilt es für die Zukunft weiter zu forcieren, da unsere beiden Länder durch die Fertigstellung der Koralmbahn noch stärker zusammenwachsen. Wir können damit neue gemeinsame Projekte auf den Weg bringen, mit denen wir auch die internationale Sichtbarkeit des Wirtschaftsraums sowie der Forschungsregion Südösterreich erhöhen wollen“, betonte Willibald Ehrenhöfer, Wirtschaftslandesrat der Steiermark.

Infrastrukturprojekte im Fokus

Der Umfrage zufolge werden einzelne Infrastrukturprojekte besonders von den Unternehmen gewünscht. Dazu zählen der der neue Bosruck-Eisenbahntunnel (für 50 Prozent sehr dringlich bzw. dringlich), die Weiterentwicklung bzw. der Ausbau von Güterverkehrszentren (ebenfalls 50 Prozent), eine neue Güterverkehrstraße zur Wörthersee-Umfahrung (42 Prozent), der viergleisige Bahnausbau zwischen Graz und Bruck an der Mur (44 Prozent) sowie Lärmschutzmaßnahmen entlang der Wörthersee-Trasse (37 Prozent). Expert:innen der Wirtschaftskammern Kärnten und Steiermark haben infolge im Austausch mit Unternehmer:innen eine Maßnahmenagenda erarbeitet. Sie berücksichtigt nicht nur die AREA SÜD, sondern auch weitere umliegende Regionen und soll als wichtige Grundlage für den Austausch zwischen den Spitzenvertreter:innen der Wirtschaft und der Politik dienen.

„Diese Hochleistungsstrecke ist die Verbindung zweier Lebens- und Wirtschaftsräume und eröffnet neue Chancen für unsere beiden Bundesländer.“

Sebastian Schuschnig, Kärntner Wirtschaftslandesrat

„Diese Hochleistungsstrecke ist weit mehr als nur eine Verkehrsachse. Sie ist die Verbindung zweier Lebens- und Wirtschaftsräume und eröffnet neue Chancen für unsere beiden Bundesländer. Die Koralmbahn wird ein kräftiger Impuls für unsere wirtschaftliche Entwicklung, für den öffentlichen Verkehr und für unseren Tourismus. Wir haben in Kärnten wichtige Vorarbeiten geleistet – jetzt gilt es, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, um den Impuls der Koralmbahn in spürbare Erfolge umzusetzen. Die AREA Süd ist eine sehr wichtige Initiative, die genau jene Zusammenarbeit beinhaltet, die es jetzt braucht“, so der Kärntner Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig abschließend.

Die wichtigsten 10 Punkte der Maßnahmenagenda für die AREA SÜD:

Infrastrukturmaßnahmen:

  • Ausbau der wichtigsten Schienenbereiche entlang der Koralmbahn: Abschnitt Graz – Bruck & Gütertrasse Klagenfurt- Villach
  • Ausbau der zentralen Bahnstrecken abseits der Koralmbahn: InterRegio-Verbindung Klagenfurt – Bruck/Mur
  • Ausbau der Neben- und Zubringerverbindungen zur Koralmbahn: ÖV-Ausbau im Be-reich Oberkärnten & Ausbau der Schienenbahnen in der Süd-/Oststeiermark
  • Ausbau bundeslandübergreifender Straßeninfrastruktur: Sicherheitsausbau S36/37
  • Anbindung Flughafen Graz an Koralmbahn & Erhalt bzw. Revitalisierung der Güter-verladestation Kühnsdorf

Attraktivierung des Wirtschafts- und Lebensstandorts:

  • Deregulierungsoffensive auf Länderebene
  • Energiepreise & Energieinfrastruktur am Puls der Zeit: Netztarife senken & Ausbau Energienetze
  • Ausbau des schulischen Angebots im Bereich HTL & Kooperation im Hochschulbe-reich
  • Vereinbarkeit Familie & Beruf: flächendeckendes Betreuungsangebot in Stadt und Land
  • Gemeinsame Vermarktung des touristischen Angebots der AREA SÜD

© Florian Wieser

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