„Bei einer Übernahme gibt es bereits Kunden, Umsätze und funktionierende Abläufe. Man startet nicht bei null."
Betriebsnachfolge mit Perspektive
Beim „Forum Betriebsnachfolge“ der Wirtschaftskammer Kärnten trafen erfahrene Unternehmer:innen auf potenzielle Nachfolger:innen. Im Mittelpunkt standen konkrete Chancen, wirtschaftliche Kontinuität und der Erhalt regionaler Betriebe. Rund 50 Betriebsübergeber:innen und 65 Interessent:innen nutzten das Forum Anfang Mai, um in kompakten Gesprächen erste Kontakte zu knüpfen. Ziel war es, bestehende Unternehmen in neue Hände zu übergeben und damit Know-how, Arbeitsplätze und gewachsene Strukturen langfristig zu sichern.
Übernahme statt Gründung
Für Thomas Knapp könnte die Übernahme eines Betriebs der nächste berufliche Schritt sein. Nach mehreren Jahren beruflicher Tätigkeit in Wien möchte der Kärntner wieder in seiner Heimat arbeiten und beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Selbstständigkeit. „Bei einer Übernahme gibt es bereits Kunden, Umsätze und funktionierende Abläufe. Man startet nicht bei null und kann sich von Beginn an auf die Weiterentwicklung konzentrieren“, sagt Knapp. Auf das Angebot der Wirtschaftskammer wurde er über eine Radiokampagne aufmerksam. Mittlerweile ist er in der Nachfolgebörse registriert und hat erste Gespräche geführt.
„Wer ein gut aufgestelltes Unternehmen übernimmt, kann auf Bestehendem aufbauen und eigene Ideen einbringen.“
Das Lebenswerk übergeben
Erich Kloss sucht aktiv nach einer Nachfolge für seine Liesertaler Herdmanufaktur – die Kloss Wohnherde GmbH. Der 77-Jährige führt das Unternehmen seit mehr als fünf Jahrzehnten und möchte den Betrieb bewusst weitergeben, statt ihn zu schließen. „Es wäre schade, das einfach aufzugeben. Wir haben die Marke über Jahrzehnte aufgebaut, die Produkte sind gefragt und das Unternehmen hat großes Potenzial“, betont Kloss. Für ihn liegt der Vorteil einer Übernahme auf der Hand: „Man muss das Rad nicht neu erfinden. Wer ein gut aufgestelltes Unternehmen übernimmt, kann auf Bestehendem aufbauen und eigene Ideen einbringen.“ Besonders wichtig ist es ihm, jemanden zu finden, der technisches Verständnis und Tatendrang mitbringt sowie zum Betrieb und den 15 Mitarbeiter:innen passt.
Nachfolgeservice der WKK
Mit ihrem breiten Serviceangebot unterstützt die Wirtschaftskammer Kärnten Unternehmen bei allen Schritten der Betriebsübergabe und -übernahme. „Wir bieten umfassende Beratung, bringen passende Partner zusammen und stellen bei Bedarf Expert:innen aus den Bereichen Recht, Steuern und Finanzierung zur Verfügung,“ erklärt Lucija Wakounig, Leiterin des Gründerservice der Wirtschaftskammer Kärnten. Bei vertiefenden Expert:innengesprächen begleiten Unternehmensberater die Übergabe bis zur Umsetzung einer zukunftsfähigen Geschäftsstrategie. Sie unterstützen bei Themen wie Übernahmekonzept, strategische Neuausrichtung, Prozess- und Geschäftsmodelldigitalisierung, Vertrieb und Marketing sowie Mediation und Konfliktlösung. Ergänzend erleichtern Formate wie das „Forum Betriebsnachfolge“, die WKO-Nachfolgebörse sowie kostenlose Inserate in der „Kärntner Wirtschaft“ und auf Social Media die Vernetzung zwischen Unternehmen und Interessent:innen.