Gesundheit

Birgit Treven: "Pflegeberuf braucht einen Imagewechsel"

Was muss passieren, dass der Pflegeberuf attraktiver wird? Birgit Treven, Pflegedienstleitung beim Roten Kreuz, im Interview.

advantage: Im Pflege-Bereich herrscht Fachkräftemangel. Was ist notwendig, um gegenzusteuern?

Birgit Treven: Der Pflegeberuf braucht dringend einen Imagewechsel und muss attraktiver werden. Einerseits muss es langjährigen Mitarbeitern – trotz auftretender „Alterserscheinungen“ – ermöglicht werden, im Beruf zu bleiben, andererseits sind Möglichkeiten für die jüngere Generation zu schaffen, um die „Work-Life-Balance“ mit dem Pflegeberuf vereinbaren zu können. Umfragen zeigen: Sehr wichtig sind Freizeitplanung und somit Dienstplan-Sicherheit, zusätzlich flache Hierarchien im Arbeitsumfeld und Mitbestimmung. Geld spielt natürlich auch eine Rolle – jedoch nicht mehr in dem Umfang wie in der Vergangenheit. Wobei die Motivation bereits seit jeher alleine durch überdurchschnittliche Entlohnung in den meisten Fällen nicht von langfristiger Dauer war.

Ein weiterer Punkt ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hier haben wir in der mobilen Pflege und Betreuung einen Vorteil zum stationären Bereich, etwa durch flexiblere Dienstplan-Gestaltung. Maßnahmen, durch die wir Klienten in ihrem Zuhause unterstützen, müssen in vielen Fällen nicht speziell zum Beispiel am frühen Morgen durchgeführt werden. So können Mitarbeiter, die auf die Öffnungszeiten von Kinderbetreuungsstätten angewiesen sind, auch zu einem späteren Zeitpunkt den Dienst starten. Hier wird auch eine höhere Flexibilität seitens der Arbeitgeber nötig sein.

Wichtiger wird auch das Employer Branding: Es muss „cool“ sein, zum Beispiel beim Roten Kreuz zu arbeiten. Der Vorteil beim Roten Kreuz: Die Marke ist weltweit bekannt und wir können durch professionelles Marketing sämtliche Kanäle nutzen. Da wir flächendeckend präsent sind, müssen Mitarbeiter bei einem Wohnort-Wechsel den Arbeitgeber nicht wechseln. Das gibt Sicherheit. Außerdem legen wir großen Wert auf bestens ausgebildete Führungskräfte, die laufend bemüht sind, Faktoren, die sich positiv auf die Mitarbeiterzufriedenheit auswirken, in die Arbeitsabläufe einzubauen. Dadurch wird versucht, die Mitarbeiter-Fluktuation zu reduzieren, was sich wiederum positiv auf die Qualität der Klientenbetreuung auswirkt, da es dem Großteil unserer Klienten wichtig ist, von vertrauten Mitarbeitern unterstützt und gepflegt zu werden, und Informationsverluste verhindert werden können.  

Ihre Meinung zu der heiß diskutierten Pflege-Lehre?

Einen Versuch ist es meiner Meinung nach wert. Es gibt Länder, in denen diese Möglichkeit seit Jahren besteht. Einen kritischen Punkt stellt das junge Eintrittsalter der Auszubildenden dar. Betreuung und Pflege können physisch und psychisch sehr belastend sein. Davor müssen vor allem Jugendliche geschützt werden bzw. ein Rahmen geboten, in dem sie nicht überlastet werden. Momentan gibt es überdurchschnittlich viele Arbeitslose. Hier könnten Möglichkeiten für zweite Bildungswege im Pflegebereich geschaffen werden.

Was sind die Gründe für das Image-Problem der Pflege? Zu geringe Bezahlung, die Arbeitzeiten, zu viel Stress?

Alles von Ihnen Erwähnte. Es muss an vielen Ecken und Kanten „geschliffen“ werden, um das Image „aufzupolieren“.

Was sind die positiven Seiten des Pflegeberufes?

Unendlich viele Möglichkeiten: intra- oder extramural, stationär oder mobil, im Angestelltenverhältnis oder selbständig, Führungsposition oder Bereiche mit geringerer Eigenverantwortung, verschiedene Fachrichtungen, ständige Weiterentwicklungsmöglichkeiten und vor allem ganz aktuell: Der Pflegebruf ist ein absolut krisensicherer Job.

Birgit Treven ist Pflegedienstleitung beim Roten Kreuz. – Foto: Rotes Kreuz Kärnten
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