Bildung

Das Lernen der Zukunft

Bildung muss auf die raschen Veränderungen einer globalisierten Welt reagieren, fordert die Rektorin der PH Kärnten, Prof. Marlies Krainz-Dürr. (Anzeige)

Interview mit der Rektorin der Pädagogischen Hochschule Kärnten – Viktor Frankl Hochschule, Prof. Dr. Marlies Krainz-Dürr:

Der Begriff Nachhaltigkeit ist mittlerweile in allen Lebensbereichen angekommen, auch in der Bildung. Was heißt „nachhaltiges Lernen“?

Dieser Begriff bedeutet, Schülerinnen und Schüler vorzubereiten auf ein Leben in einer globalisierten, unübersichtlich gewordenen Welt und auf das neue Wirtschaften unter Beachtung des Klimaproblems. Die Menschen sollten in der Lage sein, aufgrund ihres erworbenen Wissens selbstständig zu urteilen, selbständig Entscheidungen zu treffen und bei diesen Entscheidungen nicht nur den eigenen Vorteil zu sehen. Das ist für mich Lernen für die Zukunft.

Welche Fähigkeiten werden in dieser Zukunft gebraucht?

Ich kann mich nicht mehr darauf verlassen, dass Hans morgen brauchen wird, was Hänschen heute lernt. Alles verändert sich immer schneller. Schule und Bildung müssen da mithalten. Für die nächste Generation wird primär wichtig sein, offen zu sein, aktiv und selbst bewusst auf Neues zuzugehen, kreativ und flexibel zu werden. Dazu müssen wir im Unterricht knifflige Aufgaben stellen, die vernetztes Denken fordern und für die es nicht nur eine, sondern verschiedenen Lösungsmöglichkeiten gibt. Ein wichtiges Thema wird in diesem Zusammenhang auch sein, künftig keine ICH-AGs auszubilden, sondern Menschen mit Verantwortung für sich und andere.

Was kann Bildung da leisten?

Wir sollten den jungen Menschen ausreichend Wissen vermitteln, damit sie ein Bewusstsein für die Auswirkungen ihres Handelns entwickeln können. Es wird künftig stärker darum gehen, Rücksicht zu nehmen auf die Umwelt und auf andere, aber auch auf sich selbst – und mit Ressourcen sorgsam umzugehen. Ich hoffe, dass die „neue Normalität“, die uns in für die Post-COVID-Zeit angekündigt wurde, eine sein wird, in der wir die Klimakrise gut bewältigen.

Wie kann man diese großen Herausforderungen in konkreten Unterricht umsetzen?

Es geht um das große Ganze, um Interdisziplinarität, um vernetztes Denken. Ich brauche umfassendes Grundwissen in vielen Bereichen und ich muss diese Disziplinen miteinander verknüpfen können. Mathematik beispielsweise ist nicht reines Rechnen, sondern das Suchen nach unterschiedlichen Lösungswegen. Komplexe Aufgaben werden im Zusammenspiel verschiedener naturwissenschaftlicher Fächer gelöst. Und ich brauche Sprache, um sie zu artikulieren. Es ist erschreckend, wenn man liest, dass eine Million Menschen in unserem Land funktionale Analphabeten sind. Das heißt, sie können den Sinn eines komplexen Textes nicht erfassen.

Die Zukunft geht also in Richtung Stärkung der kognitiven Fähigkeiten?

Nicht nur, praktische Fähigkeiten sind ebenfalls wichtig. Bildung sollte auch an das Alltagsleben anknüpfen, beispielsweise wie man sorgsam mit Lebensmitteln umgeht oder etwas selbst reparieren kann. Ganz wichtig ist die verstärkte Förderung von individuellen Interessen und Begabungen und von Kreativität. Ich messe bildnerischem Gestalten, Werken und Musik, forschendem Lernen in den Naturwissenschaften große Bedeutung bei. Aber auch soziale Verantwortung, Empathie spielen eine Rolle, wie wir in der Pandemie gesehen haben. Wir wissen nicht, welche Kompetenzen wir in Zukunft verstärkt brauchen werden, wir sollten daher auf vieles vorbereitet sein.

Prof. Dr. Marlies Krainz-Dürr, Rektorin der Pädagogischen Hochschule Kärnten, Viktor Frankl Hochschule. © PHK/fotofurgler
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