„Die Menschen sehen eine konkrete Chance und arbeiten gemeinsam an länderübergreifenden Plänen.“
Das Potenzial für Synergien nutzen
Im Interview mit advantage spricht Meinrad Höfferer, Direktor der Wirtschaftskammer Kärnten, über die Innovationskraft, die durch die neue Verkehrsachse im Süden entsteht.
advantage: Im Kontext der Koralmbahn-Eröff nung fällt häufig das Wort „Jahrhundertchance“. Was muss getan werden, damit die große Chance auch wirklich genutzt werden kann?
Meinrad Höfferer: Jetzt ist es an der Zeit, die letzte Meile zu organisieren und weiter das Potenzial für Synergien zwischen Kärnten und der Steiermark zu nutzen. Es geht darum, die Region attraktiver zu machen. Durch einen ausgebauten Standort muss es uns gelingen, zu verhindern, dass Menschen die Bundesländer verlassen. Der Fokus muss auf den Standorten entlang der Koralmbahn liegen und vorhandene Gewerbefl ächen sollten nutzbar sein.
Die Wirtschaftskammer Kärnten hat gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Steiermark die Dachmarke AREA SÜD ins Leben gerufen. Wie kam es zu dem Begriff?
Im sorgfältigen Abwägungsprozess zwischen den Fragen „Worum geht es?“ und „Welche Aussage soll vermittelt werden?“ wurde der Begriff AREA SÜD entwickelt. Die Entwicklung der Marke erfolgte unter Einbeziehung von Expert:innen, um eine prägnante und international vermarktbare Bezeichnung zu schaff en. Es wurde ein Begriff etabliert, der sowohl im Inland als auch international erfolgreich positioniert werden kann.
Was ist hier das strategische Ziel? Welche standortpolitische Bedeutung hat diese Marke aus Ihrer Sicht?
AREA SÜD war von Anfang an eine gemeinsame Marke. Es geht darum, was der Koralmtunnel schafft. Die Strecke ist Teil der baltisch-adriatischen Achse und wir hoffen, uns zukünftig auch im AlpenAdria-Raum besser vernetzen zu können.
Die Koralmbahn verbindet nicht nur Kärnten und die Steiermark, sie ist auch Teil der Südstrecke und, in weiterer Folge, des baltisch-adriatischen Korridors. Welche Bedeutung kommt Kärnten hier zu?
Einerseits sind wir in diesem langen Eisenbahnkorridor von Ravenna bis an die Ostsee eingebunden. Außerdem wurde die Tauernstrecke ertüchtigt, sodass künftig mehr Tonnagen über die Strecke gefahren werden können. Künftig wird Kärnten mit der Schaff ung des SüdwestBalkan-Korridors an der Schnittstelle von zwei Eisenbahnkorridoren liegen. Somit wird der Bahnhof in Fürnitz einer der vier Hauptverschiebepunkte Österreichs. Bisher waren das Wien, Wels und Graz. Es ist gelungen, Fürnitz durch einen Beschluss im Parlament in Brüssel denselben Stellenwert zuzuweisen wie diesen Bahnhöfen. Das bedeutet, Fürnitz hat höhere Ansprüche auf Förderungen und europäische Investitionsmittel. Deshalb muss hier unbedingt weiter ausgebaut werden. Es braucht Investitionen, die den Standort für Unternehmer:innen attraktiver machen.
Welche Erwartungen haben Sie an das erste Jahr mit der Koralmbahn?
Aufbruchstimmung. Langsam wird sichtbar, welche Möglichkeiten diese neue Verbindung eröffnet. In der Wirtschaft sehen wir, dass sich hunderte Unternehmer:innen zusammentun und in rund tausend Einzelgesprächen an länderübergreifenden Plänen zwischen Unternehmen gearbeitet haben. Die Menschen sehen konkrete Chancen