Hilfswerk-Präsidentin Elisabeth Scheucher-Pichler. Foto: Foto FRITZ
Gesundheit
20.09.2022

“Das Thema Personal brennt immer unter den Fingernägeln”

Die Kärntner Hilfswerk-Präsidentin Elisabeth Scheucher-Pichler spricht im advantage-Interview über Personalknappheit und die schönen Seiten, die ein Gesundheitsberuf zu bieten hat.

advantage: Das Thema Personal ist derzeit bei vielen ein glühender Stein. Wie sieht das momentan beim Hilfswerk aus?

Elisabeth Scheucher-Pichler: Das Thema Personal brennt immer unter den Fingernägeln. Wir sind – wie auch andere Unternehmen – von Personalknappheit betroffen. Die Pandemie und die einsetzende Pensionierungswelle führen dazu, dass Abgänge quantitativ nicht mehr mit Zugängen ausgeglichen werden können. Wir im Hilfswerk stellen uns folgend die Frage, wie wir zu ausgezeichneten Mitarbeitern kommen und diese auch an das Unternehmen binden, sodass sie möglichst lange bleiben.

In welchen Bereichen fehlt Personal?

Wir suchen Personal für alle unsere Dienstleistungsbereiche. Massive Engpässe haben wir in der Pflege und Betreuung, also bei Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegern, Dipl. Pflegefachkräften, Pflegefachassistenzen, Pflegeassistenzen, Heimhilfen sowie Psychotherapeuten. Aber auch im Kinderbetreuungsbereich fehlen Fachkräfte wie Elementarpädagogen, Kleinkinderzieher, Freizeitpädagogen und Sozialpädagogen. Wir haben derzeit über 60 Stellen auf unserer Homepage ausgeschrieben.

Warum denken Sie, ist das so?

Die kundenseitige Nachfrage nach Pflege, Betreuung und auch Kinderbetreuung wächst so stark, dass mögliche Stellen nicht so schnell besetzt werden können. Diese Herausforderung stellt sich zusehends aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung. Zum einen, weil geburtenstarke Jahrgänge zunehmend in Pension gehen und gleichzeitig die nachkommenden geburtenschwächeren Jahrgänge in überwiegender Zahl nicht mehr bereit sind, Vollzeit zu arbeiten. Zum anderen, wird Teilzeit in Österreich durch zu viele Transferleistungen gefördert. Darüber hinaus macht sich die jüngere Generation vor einer Jobzusage ein sehr genaues Bild

vom Unternehmen und der Arbeit. Infolgedessen wäre es dringend notwendig, eine positive Darstellung aller Pflege- und Betreuungsberufe in der Gesellschaft zu fördern, um die Begeisterung an der Arbeit „von Mensch zu Mensch“ zu wecken.

Wie versucht ihr, Personal zu gewinnen und Menschen für diesen Beruf zu  begeistern?

Neben den standardisierten Stellenausschreibungen über unsere Homepage und Social-MediaKanäle manifestiert sich seit einigen Jahren, dass das beste Mitarbeiter-Recruiting über begeisterte Mitarbeiter den größten Erfolg verspricht: Mitarbeiter werben neue Mitarbeiter! Das prämieren wir nicht nur, sondern wir sind stolz darauf, dass unsere Mitarbeiter auch zufrieden in ihrem Arbeitsumfeld arbeiten!

Außerdem schaffen wir durch eine Reihe von Mitarbeiterbindungs- und Bildungsmaßnahmen zusätzliche Anreize. Über die Hilfswerkakademie bieten wir unseren Mitarbeitern die Möglichkeit, kostenlose Zusatzqualifikationen zu erwerben. Das Aus- und Weiterbildungsprogramm kann unabhängig von der eigenen Tätigkeit in Anspruch genommen werden. Das garantiert Aufstiegs- und Entwicklungschancen. Weiters fördern wir durch zahlreiche Angebote im Gesundheitsbereich das Wohlbefinden und die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter. Weil uns bewusst ist, dass Familie und Beruf oft schwer unter einen Hut zu bringen sind, bieten wir flexible Arbeitszeiten, nehmen Rücksicht auf persönliche Anliegen und unterstützen zusätzlich in der Kinderbetreuung.

Warum ist es, trotz schwieriger Rahmenbedingungen heutzutage dennoch schön, in einem Gesundheitsberuf zu arbeiten?

Als Präsidentin des Hilfswerks ist es mir ein großes Anliegen, den Wunsch der Menschen – in Würde und gewohnter Umgebung zu altern – nachzukommen. Mit den Leistungen des Hilfswerks unterstützen wir diesen Wunsch. Unter dem Motto „große Hilfe ganz nah“ helfen wir all jenen, die es alleine nicht mehr schaffen. Vor allem in der mobilen Pflege und Betreuung liegt der Fokus auf der Einzelbetreuung und nicht auf der minutiös geplanten Fließbandarbeit, wie oft im stationären Bereich.

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