Begegnungszonen wurden in Villach erweitert und ein kostenloser E-Citybus wurde installiert. © Dr. Richard_M. Scheer
Wirtschaft
20.09.2022

Die Gemeinden setzen auf Klimaschutz-Politik

Das e5-Programm ermutigt und unterstützt Österreichs Gemeinden, ihre Energie- und Klimaschutzpolitik zu modernisieren, Energie und damit Kosten zu sparen und erneuerbare Energieträger verstärkt einzusetzen.

Mit Stand Februar 2022 nehmen österreichweit bereits 267 Gemeinden und Städte aus sieben Bundesländern am e5-Programm teil, darunter vier Landeshauptstädte. Über 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung lebt bereits in einer e5-Gemeinde. Auch in Kärnten zeigen bereits einige Gemeinden den richtigen Weg vor. advantage hat mit den Gemeinden Eisenkappel-Vellach, Kötschach-Mauthen, Villach und Trebesing über die wichtige Arbeit im Energie- und Nachhaltigkeitsbereich gesprochen.

Pilotprojekt

Die Marktgemeinde Eisenkappel-Vellach ist 2009 dem e5-Programm beigetreten und mittlerweile österreichweit eine der Vorzeigegemeinden des Programms. „Im Juni 2022 wurden wir wieder zertifiziert – diesmal mit dem alternativen Gold-Auditverfahren – hier sind wir Pilotprojekt für diese Art der Zertifizierung. Das Er­­gebnis bzw. die Auszeichnung dieser ­Auditierung werden wir im Oktober in Luxemburg erhalten“, erklärt der Vizebürgermeister und Referent für die Bereiche Klimaschutz und e5 und Nachhaltigkeit Jürgen Lamprecht.

Mustersanierung des Kindergartens

Im Rahmen des Programmes wurde in den letzten Jahren in der Gemeinde bereits vieles umgesetzt. „Das größte Projekt der letzten Jahre war sicher der Kindergartenbau. Die Mustersanierung des Kindergartens erfolgte nach dem klimaaktiv Gold Standard“, erklärt der Vizebürgermeister. Ein weiteres Projekt ist die "ölkesselfreie Gemeinde", wo Bürger, die noch mit Öl heizen, unterstützt werden und neben der Bundes- und Landesförderung auch eine Förderung über die Gemeinde gewährt wird. „Damit haben wir es geschafft den Anteil der Ölheizungen in unserer Gemeinde auf rund sechs Prozent zu senken. Weiters sind wir bemüht, möglichst viele Gebäude im Einzugsgebiet der Fernwärme mit dieser abzudecken – der Anschlussgrad liegt hier bei über 90 Prozent.“ Ein weiteres aktuelles Vorhaben ist die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung, welche soeben begonnen hat und im Herbst evaluiert und angepasst wird. „In den nächsten Jahren wird das Thema Raumordnung und Entwicklungsplanung generell sehr wichtig werden, ebenso das Thema Mobilität. Einen Schwerpunkt haben wir uns im e5 Team hinsichtlich der besseren Verbreitung und Vermarktung der regionalen Lebensmittel gesetzt und wir müssen uns hinsichtlich der Kommunikation und Bewusstseinsbildung verbessern“, so Lamprecht.

Klimafreundliches Verhalten hat viele Vorteile

Doch warum ist es, heutzutage auch für Gemeinden so wichtig, auf den Klimaschutz zu setzen? „Ich finde, dass jeder Beitrag wichtig ist, unabhängig davon wie groß er ist oder wie unbedeutend er vielleicht im Kontext zum gesamten CO2 Ausstoß weltweit gesehen wird. Ich glaube jeder kann etwas Energie sparen, ohne dass es eine Einschränkung wäre – im Gegenteil: klimafreundliches Verhalten hat viele Vorteile für das eigene Leben. Die Gemeinde ist als unterste Verwaltungseinheit nahe beim Bürger, kann so am ehesten mit gutem Beispiel vorangehen und eine Vorbildwirkung erzielen. Ebenso kann die Gemeinde Bewusstsein schaffen und Bürger bei klimarelevanten Vorhaben als Ansprechpartner unterstützen.“

Energie, Klima- und Umweltschutz

Die Gemeinde Kötschach-Mauthen ist 2009 in das e5-Programm eingetreten. Dass sich die Gemeinde dazu entschlossen hat bei dem Programm mitzumachen, dazu haben viele Faktoren beigetragen – neben der historisch gewachsenen Position als Mustergemeinde der erneuerbaren Energien, war auch auschlaggebend, dass sich 2006 die Plattform „energie:autark Kötschach-Mauthen“ gegründet hat und die Themen Energie, Klima- und Umweltschutz sowie Nachhaltigkeit somit einen immer höheren Stellenwert in der Gesellschaft, der Politik und auch der Wirtschaft bekommen haben. Der Beitritt zum e5-Programm war somit eine logische Schlussfolgerung.

Vieles wurde umgesetzt

„Das e5-Programm umfasst so viele verschiedene Bereiche der Gemeindearbeit, dass seit 2009 quasi alle Energie-, Umwelt- und Klimaschutzaktionen und -projekte irgendwie mit e5 in Verbindung stehen. Um einige Beispiele zu nennen: Bürgerbeteiligungs-Sonnenkraftwerke Rathaus und AQUARENA, etliche Informations- und Förderaktionen für Bürger, e-Car-Sharing-Modell FReD, Schulprojekte, verschiedenste regelmäßige Aktionstage zur Bewusstseinsbildung, Förderaktionen für Nutzung des öffentlichen Verkehrs, Umstellung der Straßen- und Effektbeleuchtung auf LED, Änderungen der Gemeindebepflanzung auf klimafitte, mehrjährige und insektenfreundliche Pflanzen, umweltfreundliches Reinigen im Rathaus, und vieles mehr. Diese Tätigkeiten werden bei uns in der Marktgemeinde zu einem großen Teil vom Verein „energie:­autark Kötschach-Mauthen“ gesteuert“, erklärt Energie:autark Vereins-Mitarbeiterin Sabrina Kalser.

Die Natur schützen

Wie für alle, ist auch für Gemeinden der wirtschaftliche Faktor immer ein starkes Entscheidungskriterium. „Natürlich bedeuten neue Maßnahmen in erster Linie auch wieder Investitionen, wichtig ist dabei jedoch immer, dass die Investitionen und Aktivitäten im Bereich von Klima- und Umweltschutz Einsatz für die Zukunft bedeutet. Außerdem sind viele Maßnahmen mit attraktiven Förderungen zu finanzieren und im optimalen Fall geben sich Klima- und Umweltschutz und Effizienz die Hand – das bedeutet, dass mit durchdachten Maßnahmen auf Jahre gesehen auch finanzielle Einsparungen möglich sind“, erklärt die Energie:autark Vereins-Mitarbeiterin. Beispielsweise werden bei einer Umstellung auf eine mehrjährige, klimafitte Bepflanzung im Gemeindegebiet die jährliche Pflege sowie auch die Bepflanzungskosten minimiert. „Generell sollten wir immer daran denken, wie wichtig es ist unsere noch so intakte Natur für die Generation nach uns zu schützen und zu erhalten, das sollte eigentlich immer die wichtigste Entscheidungsgrundlage sein.“

e5 Gold-Status

Seit Jänner 2010 ist die Stadt Villach bei dem e5-Programm mit dabei. Im Jahr 2016 hat Villach das fünfte „e“ als Zeichen für die erreichten Ziele verliehen bekommen und ist damit seit einigen Jahren im Spitzenfeld der Energieeffizienz positioniert. Villach ist die größte Stadt Österreichs mit e5 Gold-Status. „Selbstverständlich hat man sich seitdem nicht ausgeruht, sondern weitere Maßnahmen und Initiativen wurden gestartet, um den nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen und vor allem eine umweltverträgliche Energienutzung noch weiter auszubauen. Im Jahre 2020 hat die Stadt Villach erneut den e5-Gold-Status für weitere vier Jahre bekommen und diesen möchten wir auch behalten, darum werden immer wieder neue Projekte ins Leben gerufen“, erklärt die Villacher Nachhaltigkeitsreferentin Vizebürgermeisterin Sarah Katholnig.

Maßnahmen zur Energieeffizienz

Die Themen Energie-, Umweltpolitik, sowie Nachhaltigkeit und Umweltschutz liegen der Stadt Villach sehr am Herzen. „Die Stadt Villach bekennt sich zu einem sparsamen Umgang mit Energie und unterstützt auch außerhalb ihres direkten Einflussbereiches Maßnahmen zur Energieeffizienz. Somit wollen wir eine Vorbildfunktion für andere Gemeinden, aber auch für Private einnehmen, denn jeder Beitrag, auch wenn er noch so klein ist, zählt.“ Darum war der Entschluss bei dem Programm mitzumachen kein schwieriger. Zumal die Teilnahme an Projekten, die sich mit den Themen Umwelt, Nachhaltigkeit oder auch Energieeffizienz befassen, das Erreichen der Ziele der Stadt Villach wesentlich fördern kann.

„Villach lebt grün“

Unter dem Motto „Villach lebt grün“ wurde bereits eine Vielzahl von Projekten umgesetzt. Beispielsweise wurde der Ausbau von Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden, wie Schulen, Sport­zentren, Feuerwehren, Kläranlage etc., in den letzten Jahren forciert. Somit konnten einige Anlagen saniert und ausgebaut ­werden. Im Bereich der Mobilität hat man die Begegnungszonen in der Stadt erweitert, einen kostenlosen E-Citybus installiert, die Radwege ausgebaut, das Angebot für Carsharing und E-Scooter ausgeweitet und ein Mobilitätskonzept erstellt. Die Innenstadt wurde in den letzten Jahren immer grüner durch Maßnahmen wie die Begrünung der Wartehäuschen, Fassaden, der Beleuchtung, natürliches Belassen von Wiesen im gesamten Stadtgebiet, Entsiegelungen vor allem im Innenstadtbereich, Baumpatenschaften, Lebensbäume für jedes Villacher Baby, etc. Dadurch soll den steigenden Temperaturen in der Stadt ­entgegengewirkt werden. Wurden Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden vorgenommen, so ist dies mit einer deutlichen Reduzierung des CO2-Ausstoßes geschehen. Kosten­lose Energieberatungen, Förderungen beim energieeffizienten Hausbau ­werden angeboten, um damit auch das Bewusstsein rund um das Thema Energie zu stärken. In der Stadt wurden bereits sämtliche öffentliche Beleuchtungen mit energiesparenden LED-Leuchten ausge­stattet. Darüber hinaus gibt es auch eine Abfallberaterin, die gemeinsam mit dem Abfallwirtschaftsverband zur Bewusstseinsbildung in Kindergärten, Schulen aber auch für Erwachsene beiträgt.

Wichtigkeit der Thematik

Die Marktgemeinde Arnoldstein nimmt seit 2005 am Landesprogramm „energie­effiziente Gemeinden“ als eine der ersten Pilotgemeinden in ­Kärnten teil. „Die politische Führung hatte schon frühzeitig die Wichtigkeit der Thematik Klimaschutz, Energieeinsparung bzw. Erneuerbare Energien erkannt. Dies fand auch seinen Ausdruck darin, dass die Marktgemeinde Arnoldstein bereits seit 8.7.1999 Mitglied im Klimabündnis Kärnten/Österreich ist“, erklärt Bürger­meister Reinhard Antolitsch.

Zeichen der Zeit erkannt

In den letzten Jahren wurde einiges in Sachen Klima- und Umweltschutz umgesetzt. „Dazu zählen unter anderem die Sanierung der Volksschule St. Leonhard in den Passivhausstandard plus Zubau von Kindergartengruppen ebenfalls im Passivhausstandard, die thermische Gesamtsanierung des Gemeindeamtes, die thermische Gesamtsanierung der Volksschule Arnoldstein und im Anschluss aller gemeindlichen Gebäude an die Fernwärme Arnoldstein, die Umstellung aller Gebäude mit Ölheizung auf Alternativenergie und die Installation von Photovoltaikanlagen auf etlichen Gemeindegebäuden“, so Antolitsch. Geplant ist noch der Ausbau des Ortsbusverkehrs (Anbindung an die ÖBB), die Erweiterung der PV-Leistung auf diversen Gemeindegebäuden um rund 200 kWp und der Lückenschluss am R3C im Ortsbereich von Arnoldstein und Gailitz. „Die Marktgemeinde Arnoldstein hat schon lange die Zeichen der Zeit erkannt, und sieht sich in der Ver­antwortung für ihre Bürger. Durch eine nachhaltige und enkeltaugliche Energie- und Umweltpolitik schaffen wir einen wesentlichen Beitrag für eine langfristige Sicherung der Lebensqualität in unserer Gemeinde und darüber hinaus“, erklärt der Bürgermeister.

Auf etlichen Gebäuden in der Gemeinde Arnoldstein wurden Photovoltaikanlagen angebracht. © Gemeinde Arnoldstein
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