„Ich bin überzeugt, es wird eine Win-Win-Situation sein. Für alle.“
Dolmetschen im Dienste nachwachsender Rohstoffe
advantage: Womit beschäftigt sich das Kompetenzzentrum Wood K plus?
Edith Zikulnig-Rusch: Wir sind eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung, die mit und für Firmen Entwicklungs- und Forschungsleistungen durchführt, aus denen in weiterer Folge Innovation entstehen kann. Unser Schwerpunkt am Standort St. Veit liegt dabei auf Composite-Materialien und Oberflächen im Bereich nachwachsender Rohstoffe, zusätzlich treiben wir die Digitalisierung bei Wood K plus voran, mit dem Ziel, Digitalisierung und altes Handwerk zu verbinden.
Warum ist die Arbeit an der Schnittstelle von Wirtschaft und Wissenschaft so wichtig?
Man könnte sagen, wir sind die Dolmetscher:innen, die zwischen Wirtschaft und Wissenschaft vermitteln. Die Universität spricht vor allem die Sprache der Grundlagenforschung und nur zu einem Teil die Sprache der Wirtschaft – aus gutem Grund, denn naturgemäß spielt die Anwendung hier eine weniger große Rolle. Wir kennen die Vokabeln beider Sprachen und können auch verstehen, was dahinter steht. Das wird immer wichtiger, je komplexer die Fragestellungen sind. Das Wissen wird von uns transformiert und weiterentwickelt. Wir übersetzen also nicht nur, wir wollen auch Ideengeber sein.
Welche Rolle hat Wood K plus in der Wertschöpfungskette nachwachsender Rohstoffe?
Wir kommen ins Spiel, sobald es anfängt, technologisch zu werden. Was kann man aus den Fasern oder Samen machen? Welche Anwendungsmöglichkeiten gibt es, die nicht so offensichtlich sind? Wo kann man etwas substituieren – also weg von petrochemischen Ausgangsstoffen und hin zu nachwachsenden Bio-Rohstoffen? In Kreisläufen denken – aber nicht erst am Ende, wenn es darum geht, die Reststoffe zu verwerten, sondern von Anfang an.
Wie spielt hier die Digitalisierung hinein?
Die Digitalisierung hilft uns dabei, die Eigenschaften eines Stoffes richtig zu charakterisieren. Jede Pflanze ist ein bisschen anders. Hier gibt es einen schönen Vergleich: In der Petrochemie gibt es lauter gut sortierbare „Legobausteine“ in unterschiedlichen Farben, die ich so zusammenfügen kann, wie ich es brauche. Bei nachwachsenden Rohstoffen dagegen steckt in einem einzelnen Baustein vielleicht ein ganzer Regenbogen. Hier muss ich wissen: Welche Auswirkungen hat das auf mein Produkt? Abgesehen von der Digitalisierung ist aber auch das Zwischenmenschliche wichtig. Die Kooperationen, die entstehen, um komplexe Probleme zu lösen, brauchen Vertrauen.
Nach Eröffnung der Koralmbahn soll nun ein neuer Technologiepark in St. Paul entstehen. Welche Erwartungen haben Sie?
Ich würde meinen, dass wir beim geplanten Technologiepark in St. Paul unsere Expertise im Bereich der Materialwissenschaften sehr gut einbringen können. Abgesehen davon ist die Nähe zur TU Graz eine große Chance, um die Zusammenarbeit mit Fachkräften oder PhD-Kanditat:innen zu erleichtern. Mit Blick auf die Kärntner Seite wäre es gut, positiv zu denken und nicht nur das halb leere Glas zu sehen. Wir sollten diese Chance jetzt einfach nutzen und ins Tun kommen! Ich bin überzeugt, es wird eine Win-Win-Situation sein. Für alle.