„Allein zu leben bedeutet nicht automatisch, einsam zu sein. Aber dafür braucht es soziale Kontakte und verlässliche Beziehungen.“
Echte Begegnung auf Augenhöhe: Weil niemand einsam sein sollte
Einsamkeit ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Deshalb gibt es für selbstständig lebende Menschen, die sich nach Gesellschaft sehnen, eigens den freiwilligen Besuchsdienst des Roten Kreuzes Kärnten. Dabei geht es nicht um Pflege oder Haushalt, sondern um Aufmerksamkeit, Nähe und das Gefühl gesehen zu werden. Hermine „Mimi“ Entner begleitet die 90-jährige Maria Rumpler bei Spaziergängen, sie zeigen, wie bedeutsam diese Begegnungen sein können.
Einsamkeit im Alter
In Kärnten leben immer mehr Menschen alleine, die Kinder sind beruflich eingespannt, der Freundeskreis wird kleiner und die Mobilität nimmt ab. Das führt oft zu einem Alltag mit wenig sozialen Kontakten. Einsamkeit im Alter betrifft viele Menschen mitten in unserer Gesellschaft. Genau hier setzt der Besuchsdienst des Roten Kreuzes an. „Viele ältere Menschen sagen uns: Ich komme im Alltag gut zurecht, aber mir fehlt das Gespräch, das Lachen, der Austausch“, so Brigitte Pekastnig, dritte Vizepräsidentin und Referentin für Soziale Dienste. „Der Besuchsdienst schenkt genau das – echte Begegnung auf Augenhöhe. Das ist keine kleine Geste, sondern ein wesentlicher Beitrag zu Lebensqualität im Alter.“ Der Besuchsdienst richtet sich an Menschen, die selbstständig alleine leben, sich aber über regelmäßige Gesellschaft, Gespräche sowie gemeinsame Zeit freuen. Ehrenamtliche Mitarbeiter:innen besuchen ihre Klient:innen regelmäßig, um gemeinsame Zeit zu verbringen und hören zu, plaudern, singen, spielen oder um kleine Spaziergänge zu unternehmen. Es geht nicht um Pflege oder Haushalt, sondern um Zeit und Nähe, um Aufmerksamkeit und das Gefühl gesehen zu werden. „Allein zu leben bedeutet nicht automatisch, einsam zu sein. Aber dafür braucht es soziale Kontakte und verlässliche Beziehungen“, betont Rotkreuz-Präsident Martin Pirz. „Der Besuchsdienst leistet hier einen enorm wichtigen Beitrag. Unsere Freiwilligen schenken Zeit – und dieses Zeitgeschenk wirkt oft weit über den Besuch hinaus.“
„Ich sage immer: Man bekommt mehr zurück, als man gibt.“
Beziehungen, die tragen
Die Begegnungen im Besuchsdienst richten sich nach den Interessen der Klient:innen und sind dadurch sehr individuell. Gemeinsames Erinnern, Gespräche, kleine Rituale oder wiederentdeckte Hobbys schaffen Vertrauen und Lebensfreude. Viele der Besuche entwickeln sich zu Herzensbeziehungen und werden von Verlässlichkeit und gegenseitigem Respekt getragen. Die 90-jährige Maria Rumpler und Hermine „Mimi“ Entner, Freiwillige des Roten Kreuzes, verbindet eine dieser Beziehungen. Obwohl die Demenzerkrankung bereits weit fortgeschritten ist, freut Maria Rumpler sich jedes Mal auf die Besuche. Besonders gerne geht sie an der frischen Luft spazieren, die Natur und die Sonne im Gesicht schenken ihr sichtbare Freude. „Mimi“ Entner aus dem Bezirk Feldkirchen begleitet sie dabei. Sie engagiert sich seit mehreren Jahren im Besuchsdienst und betreut regelmäßig mehrere Klient:innen. Studien belegen zudem, dass soziale Kontakte einen positiven Einfluss auf das psychische und körperliche Wohlbefinden haben. Auch die persönlichen Begegnungen zeigen, wie viel Wirkung regelmäßige Besuche entfalten können.
Ehrenamt mit Sinn
Der Besuchsdienst wird ausschließlich von freiwilligen Mitarbeiter:innen getragen. Dazu werden sie sorgfältig vorbereitet und erhalten eine kostenlose Ausbildung, laufende Begleitung sowie Versicherungsschutz während ihrer Tätigkeit. Der zeitliche Aufwand sei überschaubar, die Wirkung hingegen groß. „Ich wollte immer ehrenamtlich helfen – und im Besuchsdienst habe ich genau das gefunden“, erzählt Hermine Entner. „Viele meiner Klient:innen leben mit einer Demenzerkrankung. Man braucht Geduld, Einfühlungsvermögen und vor allem Zeit. Aber ich bekomme so viel zurück – ein Lächeln, ein Händedruck, einen Moment der Freude. Das ist unbezahlbar. Ich sage immer: Man bekommt mehr zurück, als man gibt.“ Der Besuchsdienst steht älteren Menschen offen, die alleine leben und sich Gesellschaft wünschen, ganz unabhängig von Herkunft oder Lebenssituation. So wissen Angehörige ihre Liebsten in guten Händen und erleben oft eine spürbare Entlastung. „Einsamkeit kann jede und jeden treffen. Umso wichtiger ist es, hinzuschauen und Angebote zu schaffen, die Nähe ermöglichen“, so Pirz abschließend. Mehr dazu finden Sie unter https://www.roteskreuz.at/kaernten/home.