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Umwelt
30.03.2026

Energiewende fordert die Stromnetze

Die grüne Energiewende bringt viele Neuerun­gen in das Thema Strom und neue Anfor­de­rungen an die Netze. Die Land­schaft ist bunt geworden.

Viele Jahrzehnte lang basierte die Stromversorgung in Kärnten auf den Fluss- und Speicherkraftwerken sowie Kohlekraftwerken. Die Kohlekraftwerke wurden nach und nach geschlossen, die Wasserkraftwerke sichern weiterhin die Grundlast. Ergänzt wird die Stromerzeugung aus Wasserkraft immer mehr von vielen kleineren und einigen größeren Photovoltaik-Anlagen sowie einigen Windkraftanlagen. Diese Entwicklung und die gestiegene Nachfrage nach Strom stellen die Netze vor neue Herausforderungen, verbunden mit hohen Investitionen in die Infrastruktur. „Wir befinden uns mitten in der Energiewende“, erklärt Michael Marketz, Geschäftsführer der Kärnten Netz GmbH (KNG). So hat sich die Anzahl der Photovoltaikanlagen von 6000 im Jahr 2019 auf knapp 37.000 mehr als versechsfacht. „Die Leistung der Photovoltaik hat mittlerweile das Ausmaß der Leistung der Kraftwerkskette entlang der Drau“, so Marketz. Derzeit pendle sich die Anzahl der Neuanmeldungen von rund 10.000 jährlich auf 5.000 bis 7.000 zusätzliche Anlagen pro Jahr ein, damit sei mit einem weiteren Zuwachs zu rechnen, so Marketz.

Die Kärnten Netz zählt zu den zehn größten Verteilernetzbetreibern Österreichs und bringt – mit ein paar kleinen Ausnahmen – im gesamten Bundesland die elektrische Energie zum Endverbrauch. In Summe sind es 230.000 Kund:innen, von großen Industriebetrieben bis zu den Privathaushalten. Dafür spannt sich ein Netz von insgesamt 18.500 Kilometer Leitungen, die es zu betreuen gilt, übers Land. Dazu kommen 50 Umspannwerke und 7.500 Trafostationen.

„Die Kärnten Netz GmbH wird in den nächsten zehn Jahren in die Verstärkung der Netze und damit in die Netzsicherheit mehr als eine Milliarde Euro investieren.“

Michael Marketz, Geschäftsführer der Kärnten Netz GmbH

© Konstantin Kurasch

Energiegemein­schaften

Über niedrigere Netzkosten können sich Mitglieder von Erneuerbaren-Energie-Gemeinschaften (EEG) freuen. Mehr als 3500 dieser Gemeinschaften gibt es in Österreich, mit Trend nach oben. Kleinere oder mittlere Unternehmen, Gewerbebetriebe, Landwirtschaften und Haushalte können sich zusammenschließen, gemeinsam Strom erzeugen, nutzen und auch verkaufen. Man kann Strom auch nur beziehen, ohne selbst eine PVAnlage zu besitzen oder Strom einzuspeisen.

EEG bekommen regional und lokal günstigere Netztarife. Sie sind innerhalb des Netzgebietes eines Umspannwerks regional begrenzt und genießen eine Vergünstigung von 28 Prozent bei den Netzgebühren. EEG Lokal innerhalb des Netzgebietes einer Trafostation zahlen sogar um 57 Prozent weniger für die Nutzung des öffentlichen Netzes. Bürgerenergiegemeinschaften (BEG) können sich österreichweit vernetzen, kommen aber nicht in den Genuss einer Vergünstigung. Eine Ausnahme schafft jedoch das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG): Im Nahbereich (Definition noch ausstehend) werden künftig auch in BEG Netzvergünstigungen gewährt.

Regionale Wert­schöpfung

Für Bertram M. Steiner, Obmann der Osttiroler und Oberkärntner STROMgemeinschaften bedeutet regionale Stromerzeugung und -nutzung auch regionale Wertschöpfung. Darin eingebunden sind nicht nur die zahlreichen PhotovoltaikAnlagen, sondern auch Biogasanlagen und Wasserkraftwerke. Steiner sieht in der Weiterentwicklung und Etablierung von Speichern die Schlüsseltechnologie der dezentralen Energieversorgung. Mit Gemeinschaftsspeichern könne die Stromversorgung sicherer und die Netze entlastet werden, meint er. Mit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz sind die Stromerzeuger auch berechtigt, Direktleitungen zu betreiben und zusätzlich mit maximal einem Anschluss in das öffentliche Netz einzuspeisen. Kund:innen können Strom sowohl über die Direktleitung als auch aus dem öffentlichen Netz beziehen, wodurch sich die Netzkosten und damit auch die Energiekosten deutlich verringern. Was die einen sparen, zahlen die anderen, denn die Gesamtkosten der öffentlichen Netze werden auf jene Kunden solidarisiert, die zu regulären Bedingungen ihre Kilowattstunden aus dem öffentlichen Netz beziehen.

Hohe Investitionen

Laut Schätzungen wird der Stromverbrauch bis 2040 weiter steigen, denn die Bevölkerung soll von der weiteren Transformation von fossiler zu erneuerbarer, oft elektrischer Energie – bei industriellen Prozessen, für Heizung und Mobilität – überzeugt werden. Laut Schätzungen bedinge diese Energiewende bis 2040 eine Verdoppelung der aktuell benötigten Strommenge, sagt Marketz. Um die gestiegenen und weiter steigenden Energiemengen sowie die Vielzahl an Einspeisepunkten in die Leitungslandschaft zu integrieren, muss die Kärnten Netz die Leitungskapazität auf allen Spannungsebenen verstärken. Daher werden in den nächsten Jahren rund 1.000 Ortsnetze ausgebaut, wobei bei den Baumaßnahmen oft Synergien mit der Errichtung des Glasfasernetzes genutzt werden.

Ausbau heißt in diesem Fall nicht nur mehr Leitungen, sondern auch dickere und leistungsstärkere Kabel. Allein im Jahr 2026 beträgt das Investitionsvolumen 180 Millionen Euro. In den nächsten zehn Jahren wird Kärnten Netz mehr als eine Milliarde Euro investieren. Die Erzeugung aus Photovoltaik und Windkraft ist stark schwankend, was weitere Anforderungen für die Netze bedeutet, die nicht an ihre Grenze kommen dürfen. Sowohl ein plötzliches Zuwenig als auch ein Zuviel an eingespeister Energie muss beherrscht werden. Mit Überwachung über Sensorik und Digitalisierung muss ständig die entsprechende Balance gehalten werden. Das alles kostet Geld. Kärntens Endkund:innen zahlen im Österreichvergleich die höchsten Netztarife. Das sei der Zersiedelung in weiten Teilen des Landes geschuldet, sagt Marketz. Auch das abgelegenste Gehöft müsse mit elektrischer Energie versorgt werden. Das bedeute im Durchschnitt mehr Leitung pro Kund:in und das ergebe ein weit verzweigtes Netz, das gewartet und ausgebaut werden müsse. Die gute Nachricht: Da sich der Netztarif auf die bezogene Kilowattstunde berechnet, wird der prognostizierte Mehrabsatz die Netzkosten prozentuell verringern. Wird mehr Strom verbraucht, bedeutet dies geringere Netzkosten pro Kilowattstunde.

„Die Zukunft der dezentralen, nachhaltigen Energieversorgung liegt in der Speichertechnologie.“

Bertram M. Steiner, Obmann Osttiroler und Oberkärntner STROMgemeinschaften

© Erwin Palfinger

Eigenverantwortung

Das Konsumverhalten kann sowohl zur individuellen Senkung der Energiekosten als auch zur Vermeidung der Netzschwankungen beitragen. Mit den dynamischen Preismodellen, die nun auch Privatkund:innen angeboten werden müssen, ist das möglich. Der Erzeugerpreis geht an sonnigen Sommertagen mit hohen Einträgen aus der Photovoltaik gegen Null oder rutscht sogar ins Negative. Wer seinen Hauptenergieverbrauch in diese Zeiten legen kann, profitiert davon. Sowohl Marketz als auch Steiner sehen die dynamischen Tarife als Schritt in die richtige Richtung: Strombezieher:innen können in Eigenverantwortung ihre Kosten mitbestimmen, aber auch zur Entlastung der Netze beitragen.

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