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Wirtschaft
21.04.2026

Forum Schiene: Wege zur robusten Bahn­infrastruktur

Rund 70 Interessierte disku­tierten kürzlich beim Fach­dialog „Forum Schiene“ der Joanneum Research in Graz über Maß­nahmen zur Absiche­rung der Bahn­infrastruktur.

Als Rückgrat moderner Mobilitäts- und Versorgungssysteme rückt die Bahninfrastruktur zunehmend ins Zentrum. Angesichts steigender Belastungen und neuer Bedrohungsszenarien gewinnen Resilienzmaßnahmen immer mehr an Bedeutung – von Sicherheit über Klimaanpassung bis hin zu intelligentem Monitoring.

Im Fokus: Zukunft der Bahn

Expert:innen, die sich auf verschiedenen Ebenen – von der Geologie über das Management bis hin zum technologischen Hintergrund – mit dem Thema Bahn und Schiene auseinandersetzen, gaben kürzlich im Headquarter der Joanneum Research in Graz spannende Einblicke in ihr Fachgebiet. Im Zentrum des Forum Schiene standen digitale, technische und organisatorische Lösungseinsätze zur zukunftsorientierten Absicherung und Weiterentwicklung des Bahnnetzes. Nach der Eröffnung durch Joanneum-Research-Geschäftsführer Heinz Mayer führte Matthias Rüther, Direktor des Instituts Digital durch den Abend.

 

„Die Zunahme des Bahnverkehrs, neue Fahrzeugflotten und steigende Belastungen stellen die Bahninfrastruktur vor große Herausforderungen.“

Josef Fuchs, Virtual Vehicle Research Center

Effizientes Risikomanagement

Josef Fuchs von Virtual Vehicle widmete sich dem Thema „Herausforderungen im Rad/Schiene-System“ und stellte ein Projekt vor, in dem statistische Quervergleiche und Prognosen für die Bildung sogenannter Squats durchgeführt werden. Squats sind Risse an den Oberflächen von Schienen, die zum Bruch führen können. Dafür wurde das Schienennetz in Österreich, Deutschland und der Schweiz hinsichtlich des Squat-Risikos untersucht und ein Tool für das Risikomanagement entwickelt. Fuchs: „Das Konzept ermöglicht einen internationalen Vergleich von Eisenbahnsystemen und identifiziert die signifikantesten Treiber für das Risiko der Entstehung dieser Schäden, das mit einer einfachen Formel abgeschätzt werden kann.“ Das Ergebnis zeigt klar: Die Squat-Wahrscheinlichkeit ist im Schienennetz der ÖBB deutlich niedriger als in Deutschland und der Schweiz.

Die Geologin Margit Kurka von Joanneum Research beleuchtete in ihrem Vortrag geogene Naturgefahren für die Bahn: Rutschungen und Steinschläge nehmen zu, verstärkt durch Extremwetter. Die komplexen, schwer vorhersehbaren Risiken erfordern einen Wandel vom reaktiven zum proaktiven Umgang – mit Fokus auf Vorhersage und Prävention. Dazu zählen Schutzbauten, systematische Gefahrenkartierung sowie Monitoring- und Frühwarnsysteme mit Sensorik und KI. Entscheidend sind große Datenmengen, deren Auswertung und klare Risikokommunikation. Trotz verbleibender Unsicherheiten eröffnen sich neue Chancen für innovative, datengetriebene Lösungen.

Handlungsfähig bleiben

„Veränderte Umfeldbedingungen und neue regulatorische Vorgaben erfordern ein verstärktes Augenmerk auf die Widerstandsfähigkeit der Bahninfrastruktur gegenüber einer Vielzahl an Bedrohungen. Die ÖBB-Infrastruktur hat darauf mit der Schaffung des Resilienzmanagements reagiert“, so Jürgen Neuhuber von der ÖBB. Ziel ist es, auch unter Störungen handlungsfähig zu bleiben und sich an neue Bedingungen anzupassen. Die Grundlage dafür bilden Risikomanagement, Notfallplanung, Krisenmanagement und physischer Schutz. Für den Ernstfall werden kritische Prozesse analysiert und abgestufte Reaktionssysteme entwickelt, um den Betrieb möglichst aufrechtzuerhalten.

„Veränderte Umfeldbedingungen und neue regulatorische Vorgaben erfordern ein verstärktes Augenmerk auf die Widerstandsfähigkeit der Bahninfrastruktur gegenüber einer Vielzahl an Bedrohungen.“ 

Jürgen Neuhuber, ÖBB

Verbindung von Forschung und Praxis

„Extremwetterereignisse lassen sich bisher nur schwer simulieren oder realitätsnah darstellen“, wie Ferdinand Pospischil von der TU Graz in seinem Vortrag betonte. Um dennoch fundierte Erkenntnisse zu gewinnen, werden im Umfeld der TU Graz innovative Forschungsinfrastrukturen generiert – von Laborversuchen bis zu Messungen direkt am Gleis. Vorgestellt wurden u. a. Schwingprüfstand, Radsatzwellenprüfhalle, Bremsenprüfstand und das neue Oberbaulabor. Simulationen, Berechnungen und Tests helfen, Belastungen realistisch abzubilden und Lösungen zu entwickeln – mit dem Ziel, die Bahn langfristig sicherer, robuster und leistungsfähiger zu machen.

Martin Joch von PJ Messtechnik ging in seinem Vortrag auf die Bedeutung des Zusammenspiels von Stromabnehmer und Oberleitung für einen stabilen Bahnbetrieb ein. Bereits bei der Fahrzeugzulassung erfolgen umfangreiche Prüfungen – besonders komplex wird es bei Mehrfachtraktionen. Simulationen helfen dabei, zahlreiche Konfigurationen zu analysieren und kritische Szenarien zu erkennen. Ergänzt durch reale Messungen von Kräften und Bewegungen entsteht schließlich ein präzises Gesamtbild. Ziel ist es, Systeme zu optimieren und einen zuverlässigen Stromkontakt zu garantieren.

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