„Kärntens Bauwirtschaft ist nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein Garant für Ausbildung, Beschäftigung und regionale Stabilität.“
Gemeinsam an der Zukunft bauen
Die Baubranche ist in Kärnten nicht nur eine wichtige Säule für die regionale Wirtschaft, sie ist auch der größte Lehrlingsausbildner des Landes. Ein Drittel der Kärntner Lehrlinge und damit mehr als 2.000 junge Menschen werden aktuell in Bau- und Technikberufen ausgebildet. Insgesamt bietet die Branche etwa 40.000 Arbeitsplätze in Kärnten, rund 5.000 Unternehmen erwirtschaften eine Gesamtwertschöpfung von 2,7 Milliarden Euro. Kurz nach der Häuslbauermesse am Klagenfurter Messegelände fand am 26. Februar der fünfte Tag der Kärntner Bauwirtschaft - BauForum am Campus der FH Kärnten in Villach statt, bei dem zentrale Themen der Branche diskutiert wurden.
Jürgen Mandl, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten betonte die Chancen, die durch die Koralmbahn auch für die Baubranche entstehen: „Wenn sie schwächelt, spürt das die gesamte Wirtschaft. Umso wichtiger ist es jetzt, verlässliche und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Gleichzeitig stehen wir in Kärnten vor einer historischen Chance: Mit der Koralmbahn und der Entwicklung der AREA Süd entsteht ein neuer, international wettbewerbsfähiger Wirtschaftsraum im Süden Österreichs. Für die Bauwirtschaft bedeutet das enorme Potenziale – vom Infrastrukturausbau über Gewerbe- und Industrieprojekte bis hin zu zusätzlichem Wohnraum entlang der neuen Entwicklungsachsen. Die AREA Süd kann zu einem Wachstumsmotor für Jahrzehnte werden. Damit wir dieses Potential nutzen können, müssen wir dringend die richtigen Weichen stellen: mit Planungssicherheit, schnelleren Genehmigungsverfahren und klaren wirtschaftspolitischen Signalen. Kärntens Bauwirtschaft hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie leistungsfähig, innovativ und krisenfest ist. Sie ist nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein Garant für Ausbildung, Beschäftigung und regionale Stabilität.“
Herausforderungen und Zukunftschancen
„Wandel und Aufbruch: Die Zukunft der Bauwirtschaft in Kärnten gestalten“ lautete das Motto des 5. „Tag der Kärntner Bauwirtschaft“, an dem führende Unternehmen, Entscheidungsträger:innen, Expert:innen sowie der Branchennachwuchs teilnahmen. Diskutiert wurden unter anderem Nachhaltigkeit als Geschäftsstrategie, leistbarer Wohnbau, modulare und hybride Bauweisen, KI-Anwendungen am Bau sowie innovative Finanzierungsmodelle. Auch Herausforderungen wie steigender Kostendruck, zunehmende regulatorische Anforderungen und ein anhaltender Fachkräftemangel wurden aufgegriffen.
„Digitale Verfahren können nur dann ihre Wirkung entfalten, wenn sie landesweit gedacht werden und nicht an Gemeindegrenzen enden.“
Der Wirtschaftskammer zufolge steht die Bauwirtschaft unter starkem bürokratischem und wirtschaftlichem Druck. Langwierige Genehmigungserfahren und steigende administrative Anforderungen erschweren insbesondere Sanierungen und Umbauten. Bau-Landesinnungsmeister Robert Rauter sieht dringenden Reformbedarf: „Der bürokratische Aufwand nimmt stetig zu, und man hat zunehmend das Gefühl, dass Verwaltung und Vorschriften zum Selbstzweck werden. Der Zugang ‚Vorschrift ist Vorschrift‘ verhindert mehr, als er ermöglicht.“ Hier bieten Digitalisierung und Künstliche Intelligenz aus Sicht ausführender Unternehmen einen wichtigen Hebel zur Entlastung. Digitale Bauverfahren können Prozesse beschleunigen, transparenter gestalten und die Planbarkeit für Betriebe verbessern – insbesondere in einem Bundesland mit vielen kleineren Gemeinden. Rauter fordert ein gemeinsames Vorgehen: „Digitale Verfahren können nur dann ihre Wirkung entfalten, wenn sie landesweit gedacht werden und nicht an Gemeindegrenzen enden.“
Ein Best-Practice-Beispiel liefert hier das Projekt „Brise Vienna“, das ursprünglich an der TU Wien entwickelt wurde und mittlerweile von der Stadt Wien betrieben wird. Dabei werden Bauanträge als vollständige 3D-BIM-Modelle eingereicht. Eine KI prüft automatisiert zentrale baurechtliche Vorgaben wie Gebäudehöhe, Brandschutz oder Fluchtwege. Innerhalb von rund 30 Minuten erhalten Antragsteller:innen eine erste Rückmeldung, bevor die behördliche Detailprüfung erfolgt.
Bautalente und Sanierungsförderung
Im Rahmen der „Lebenden Baustelle“, die im Foyer der Fachhochschule aufgebaut wurde, demonstrierten zwei Fachkräfte gelebtes Handwerk und berufliche Exzellenz: Noah Trettenbrein mauerte gemeinsam mit Polier Harald Spitzer das FH-Logo in eine Steinwand. Noah, der seine Lehre als Maurer im Vorjahr erfolgreich abgeschlossen hat, zählt zu den drei Kärntner Nachwuchstalenten, die im September bei den Berufsweltmeisterschaften in Shanghai im Bereich Hochbau antreten werden. Er steht exemplarisch für eine neue Generation qualifizierter Fachkräfte, die bereit ist, die Zukunft des Bauens aktiv mitzugestalten.
„Sanieren bedeutet Aufträge für heimische Betriebe und Perspektiven für Beschäftigung in den Regionen.“
Wohnbau- und Arbeitsmarktreferentin LHStv.in Gaby Schaunig verwies auf die aktuelle Sanierungsoffensive des Landes Kärnten. Sie diene nicht nur als wichtiger Impuls für Bauwirtschaft und Beschäftigung, sondern auch für nachhaltiges Denken und Handeln: „Mit unseren Sanierungsförderungen setzen wir bewusst auf den Gebäudebestand, weil jeder investierte Euro gleichzeitig Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und sichere Arbeitsplätze in der Kärntner Bauwirtschaft stärkt. Sanieren bedeutet Aufträge für heimische Betriebe und Perspektiven für Beschäftigung in den Regionen. Der Tag der Kärntner Bauwirtschaft ist eine wichtige Plattform für Austausch und gemeinsame Perspektiven – ebenso wie der Kärntner Baugipfel, zu dem das Land regelmäßig einlädt, um die Weiterentwicklung der Bauwirtschaft gemeinsam voranzutreiben.“
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