LR Sebastian Schuschnig
© Helge Bauer
Im Interview mit advantage sprechen die beiden Wirtschaftslandesräte Willibald Ehrenhöfer (Steiermark) und Sebastian Schuschnig (Kärnten) über ihre Zusammenarbeit.
advantage: Wie hat sich Kärnten bzw. die Steiermark auf die Eröffnung der Koralmbahn vorbereitet?
Willibald Ehrenhöfer: Die Koralmbahn ist weit mehr als eine neue Bahnverbindung – sie ist eine Jahrhundert-Chance. Sie vernetzt rund 1,1 Mio. Menschen und über 150.000 Unternehmen mit etwa 770.000 Beschäftigten. Sowohl Kärnten als auch die Steiermark haben die Chancen dieser Jahrhundertinvestition von 5,6 Mrd. Euro früh erkannt und sich gezielt darauf vorbereitet. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche infrastrukturelle, wirtschaftliche und wissenschaftliche Initiativen gestartet, um die Potenziale optimal zu nutzen. Darüber hinaus finden regelmäßig gemeinsame Regierungssitzungen sowie Hochschulkonferenzen statt – ein klares Zeichen für die enge Abstimmung und den gemeinsamen Gestaltungswillen entlang dieser neuen Achse.
Sebastian Schuschnig: Wir sind fest entschlossen, den neu entstehenden Wirtschaftsraum zwischen Kärnten und der Steiermark und die Chancen, die sich daraus ergeben, bestmöglich zu nutzen. An den entsprechenden Rahmenbedingungen, die es dafür braucht, arbeiten wir seit Jahren. Die Kärntner Landesregierung hat bspw. eine Koralmbahnstrategie festgelegt. In der sind 111 Maßnahmenfelder definiert, die wir auch laufend monitoren. Da reden wir von standortrelevanten Infrastrukturprojekten, dem weiteren Ausbau des ÖVs und auch von Initiativen im Bereich der Regionalentwicklung.
Wie wichtig ist die bundesländerübergreifende Zusammenarbeit bzw. welche Kooperationen sind bereits entstanden?
Ehrenhöfer: Die enge Zusammenarbeit zwischen der Steiermark und Kärnten hat eine lange Tradition und wird seit Jahren aktiv gelebt. Institutionen wie Silicon Alps mit 250 Unternehmen, der Green Tech Valley Cluster mit 300 Unternehmen, Silicon Austria Labs mit fast 400 Forscher:innen sowie bisher 400 Mio. Euro an eingeworbenen EU-Mitteln und JOANNEUM RESEARCH sind hervorragende Beispiele für funktionierende Kooperationen über Ländergrenzen hinweg. Mit der Koralmbahn erhält diese Partnerschaft nun eine neue Dimension – sie wird intensiver, strategischer und für beide Seiten noch wertvoller.
Schuschnig: Kärnten und die Steiermark beweisen seit Jahren, dass hier unabhängig von politischen Konstellationen zusammengearbeitet wird, um etwas für unsere Bundesländer voranzubringen. Und diese starke Südachse wird es sicherlich auch weiterhin brauchen – ob es nun darum geht, gemeinsam gegenüber dem Bund aufzutreten oder aber auch um gemeinsam Projekte umzusetzen. Nur so wird diese neue Verkehrsachse auch zu einer Wertschöpfungsachse für Kärnten und die Steiermark.
LR Sebastian Schuschnig
© Helge Bauer
Welche gemeinsamen Projekte sind für die Zukunft geplant?
Ehrenhöfer: Künftig wollen wir die Zusammenarbeit weiter vertiefen und die Region Südösterreich als starke gemeinsame Marke etablieren. Ziel ist es, unsere Stärken – Innovationskraft, Lebensqualität und Standortvorteile – international sichtbar zu machen. Wir wollen Südösterreich als attraktiven Wirtschaftsund Lebensraum positionieren, der Unternehmen, Talente und Fachkräfte gleichermaßen anzieht.
Schuschnig: Aus meiner Sicht müssen vor allem die gemeinsamen Investitionsund Forschungsvorhaben weiter intensiviert werden. Dazu zählt jedenfalls auch das Projekt des ersten europäischen Wasserstoff-Valleys – ein Meilenstein, der Kärnten, Steiermark und auch Oberösterreich gelungen ist. Bis 2030 sollen hier insgesamt 578 Mio. Euro in die Wasserstoffwirtschaft investiert werden. Und genau so müssen wir auch in anderen Bereichen durch Technologieoffenheit EU-Fördergelder in die gemeinsame Region holen. Ziel ist es, die Sichtbarkeit als Standort zu erhöhen, daran werden wir weiter arbeiten.
Im Wirtschaftsraum Südösterreich wachsen Regionen und Menschen zusammen, aber auch Unternehmen und Mitarbeiter:innen. Wie können die Potentiale noch besser genutzt werden?
Schuschnig: Ich glaube ganz entscheidend wird es sein, darauf zu achten, dass alle Regionen von der neuen Verkehrsachse profitieren. Das heißt, wir müssen auch an jene Gebiete denken, die nicht direkt an der Bahntrasse liegen. Es muss uns gelingen, die positiven Effekte zu verbreitern, für die Bevölkerung und die Betriebe. Da spielen dann auch begleitende Investitionen in Straßen, Logistikinfrastruktur, Breitbandausbau etc. eine zentrale Rolle.
Ehrenhöfer: Südösterreich verfügt über enormes Potenzial – wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich. Um dieses bestmöglich zu entfalten, braucht es eine noch engere Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung. Unser Fokus liegt darauf, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten, Innovationen zu fördern und nachhaltige Unternehmensansiedlungen zu unterstützen. Die Koralmbahn schafft dafür die idealen Rahmenbedingungen. Denn Unternehmen wachsen dort, wo sie gut ausgebildete Mitarbeiter:innen finden – genau das wollen wir in Südösterreich sicherstellen.
LR Willibald Ehrenhöfer
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Wie kann die internationale Positionierung des neuen Wirtschaftsraumes gelingen?
Schuschnig: Die Koralmbahn rückt uns als Standort international in ein ganz anderes Licht und bringt uns damit auch die Chance auf eine neue wirtschaftliche Dynamik. Das werden wir als Länder durch eine gemeinsame Vermarktung nutzen, sowohl auf politischer als auch auf unternehmerischer Ebene. Die Dachmarke Area Süd, die von den beiden Wirtschaftskammern initiiert wurde, ist z. B. eine Initiative, die durch Zusammenarbeit international Akzente setzen will und sicherlich auch wird.
Ehrenhöfer: Wir müssen Südösterreich als starke, wiedererkennbare Marke etablieren und selbstbewusst kommunizieren, was uns auszeichnet: hohe Innovationskraft, exzellente Lebensqualität und eine strategisch herausragende Lage. Mitten im Baltisch-Adriatischen Korridor – einer der bedeutendsten europäischen Verkehrsachsen – wird Südösterreich zur zentralen Drehscheibe Richtung Südosteuropa, Nordafrika und Westasien. Diese Position wollen wir konsequent nutzen.