Daniel Werhonig, Projektleiter bei Alpacem Wietersdorf
© Alpacem
Seit Jahrzehnten gewinnt die Kreislaufwirtschaft zunehmend an Bedeutung und stellt sowohl auf europäischer als auch auf österreichischer Ebene einen wesentlichen Schwerpunkt in Gesellschaft und Politik dar. Die Montanuniversität Leoben hat sich in der Forschung stark in Richtung Kreislaufwirtschaft entwickelt. Dieses Thema verbindet die Forschungseinrichtung mit Alpacem, dem Hersteller von Zementklinker und Zement, und macht die langjährige Kooperation aktueller denn je.
In der Zementindustrie können Materialien aus der Kreislaufwirtschaft in mehreren Prozessschritten eingesetzt werden: Einerseits werden bei der Herstellung von Zementklinker – dem Hauptbestandteil des Zementpulvers – im Brennprozess zunehmend Rohstoffe aus der Kreislaufwirtschaft anstelle natürlicher Rohstoffe aus dem Bergbau verwendet. Andererseits werden klassische Brennstoffe immer häufiger durch Ersatzbrennstoffe substituiert. Darüber hinaus kommen bei der Zementmahlung Rohstoffe aus der Kreislaufwirtschaft wie Hüttensand (Schlacke aus der Roheisenverhüttung) und Flugasche aus der Kohleverfeuerung zum Einsatz.
Daniel Werhonig, Projektleiter bei Alpacem Wietersdorf
© Alpacem
Ersatzrohstoffe
Daniel Werhonig, Absolvent der Montanuniversität, kann seine in Leoben erworbenen Kenntnisse bei Alpacem in die Praxis umsetzen. Er leitet das Projekt „On-trACK“, in dem Rohstoffe aus der Kreislaufwirtschaft, die bislang aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften technisch nicht einsetzbar waren, aufbereitet werden, um sie in der Zementproduktion verwenden zu können. Für dieses Projekt werden in den nächsten Jahren 27 Mio. Euro in eine innovative Aufbereitungsanlage, Förder- und Lagereinrichtungen sowie in die Adaptierung der Dosiertechnik investiert.
Die Versuche laufen mit Asche aus der Biomasseverbrennung. „Die Herausforderung besteht darin, die Asche in mehreren Schritten so aufzubereiten, dass sie sich als Ersatzrohstoff eignet und dass ein breites Spektrum der verfügbaren Materialien eingesetzt werden kann", erklärt Werhonig.
Helmut Flachberger, Leiter des Lehrstuhls für Aufbereitung und Veredlung der Montanuniversität Leoben
© Armin Russold
Neue Zementklinker
Im Branchenprojekt „Neue Zementklinker“ arbeitet Alpacem gemeinsam mit der Montanuniversität Leoben daran, den Anteil von Rohstoffen aus der Kreislaufwirtschaft im Ausgangsmaterial für die Zementklinkerherstellung zu erhöhen. Dafür wurden in den vergangenen Jahren im Alpacem-Zementwerk Wietersdorf die Voraussetzungen geschaffen, um entsprechende Großversuche erfolgreich durchführen zu können. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks der gesamten österreichischen Zementindustrie beitragen.
„Die Zusammenarbeit mit Alpacem im Bereich der CO₂-Reduktion in der Zementherstellung liegt mir persönlich sehr am Herzen. Es ist unser klares Ziel, durch praxisnahe Forschung tragfähige und innovative Lösungen für die technologischen Herausforderungen der Zementindustrie zu entwickeln“, erklärt Helmut Flachberger, Leiter des Lehrstuhls für Aufbereitung und Veredlung der Montanuniversität. Er leitet auf universitärer Seite das Projekt, das für ihn „für das Vertrauen und die langjährige Partnerschaft, die wir über viele Jahre hinweg mit der Vereinigung der österreichischen Zementindustrie (VÖZ) und ihren Partnerunternehmen aufgebaut haben“, steht.
So wurde die wissenschaftliche Kompetenz des Lehrstuhls bereits durch zahlreiche einschlägige Arbeiten belegt, die in enger Kooperation mit der VÖZ und Unternehmen wie Alpacem entstanden sind. Ebenso spielen bestehende Netzwerke eine zentrale Rolle für die erfolgreiche Umsetzung des Projekts.
Weiters wird die enge Verbindung von Lehre und Praxis durch zahlreiche Absolventinnen und Absolventen belegt, die in führenden Positionen innerhalb der österreichischen Zementindustrie tätig sind. Auch dieses Projekt wird wissenschaftlich von einem Nachwuchstalent betreut, vom Dissertanten Wolfram Waldl.
Upcycling
In einem weiteren Forschungsprojekt wurde gemeinsam mit der Montanuniversität die Einlagerung von CO₂ in Materialien aus der Kreislaufwirtschaft untersucht. Dieses Projekt wird in den kommenden Monaten fortgesetzt. Die künftig zuständige Professorin für Innovative Baustoffe, Priyadharshini Perumal, verschaffte sich bereits vor ihrem offiziellen Start in Leoben im Herbst 2026 bei einem Betriebsbesuch in Wietersdorf einen Überblick über die Möglichkeiten und Schwerpunkte des Unternehmens. Als Expertin für Bindemitteltechnologie und -anwendung liegt ihr Fokus auf dem „Upcycling industrieller Kuppelprodukte für die Herstellung nachhaltiger Baumaterialien“.
Erfolgreiche Karrieren
„Die intensive Kooperation mit der Montanuniversität hat mehrere Vorteile“, sagt Alpacem-Austria-Technikdirektor Florian Salzer. „Sie ist einer der Bausteine, mit denen es gelingt, Alpacem als Technologieführer im Bereich der Kreislaufwirtschaft zu positionieren. Zudem bieten wir Studentinnen und Studenten die Möglichkeit, Diplomarbeiten und Dissertationen zu zukunftsweisenden Themen zu verfassen. Ein Studium an der Montanuniversität Leoben eröffnet darüber hinaus Nachwuchstalenten erfolgreiche Karrierewege in der Alpacem-Gruppe“, so Salzer.
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