„Krebs ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Dank der digitalen Pathologie können Gewebeproben heute hochauflösend gescannt und mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz analysiert werden.“
Gesundheit im Wandel
Digitale Technologien prägen mittlerweile unseren gesamten Alltag. Dabei machen sie selbstverständlich auch vor der Medizin nicht Halt. Seit der Pandemie sind digitale Gesundheitslösungen so verständlich wie unverzichtbar – und werden künftig noch mehr an Bedeutung gewinnen. Um die Schwächen des österreichischen Gesundheitssystems – lange Wartezeiten, Personalmangel, hohe Kosten – abzufedern, wird der Digital-Health-Bereich im Rahmen der Gesundheitsreform konsequent ausgebaut. advantage hat bei Expert:innen nachgefragt und beleuchtet aktuelle Entwicklungen in Kärnten und der Steiermark.
Effizienz und Qualität steigern
„Wir sind dabei, eHealth und digitale Gesundheitsangebote zu einem fixen Teil des österreichischen Gesundheitssystems zu machen“, betont Kärntens Gesundheitslandesrätin Beate Prettner und unterstreicht die zahlreichen Vorteile digitaler Anwendungen: „Sie sollen die Versorgung qualitätsvoller, die Diagnosen gesicherter, die Wege schneller und die Bürokratie effizienter machen. Unser Ziel ist es, die Patient:innen zu unterstützen und die Mitarbeitenden im Gesundheitswesen und in der Pflege zu entlasten.“ Eine zentrale Funktion, auch in puncto Patient:innen-Lenkung, kommt dabei der Gesundheitshotline 1450 zu, die österreichweit stark ausgebaut werden soll und neue, innovative Möglichkeiten wie Terminbuchungen oder Videokonsultationen bieten wird.
Karlheinz Kornhäusl, Gesundheitslandesrat der Steiermark, verweist dabei auf den Leitsatz ‚Digital vor ambulant vor stationär‘. „Die Digitalisierung im Gesundheitsbereich ist eine Herausforderung, aber gleichzeitig eine große Chance, die wir in der Steiermark wahrnehmen, um die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern. Mit Unterstützung von digitalen Maßnahmen werden bereits unterschiedliche Programme umgesetzt, etwa die Versorgung von Menschen mit chronischen Erkrankungen, mittels telemedizinischer Unterstützung bei Hauterkrankungen oder im Bereich des Wundmanagements.“ Durch den Ausbau der elektronischen Gesundheitsakte ELGA sehen Patient:innen und Gesundheitspersonal die wichtigsten Daten auf einen Blick. Die bessere Verfügbarkeit dieser Daten – inklusive sämtlicher Befunde, Bilder und Medikamente – erleichtern auch die Diagnosestellung.
Ein weiterer Schritt zur Optimierung von Prozessen sowie zur Analyse medizinischer Daten ist der Einsatz künstlicher Intelligenz, um medizinisches Personal zu unterstützen – zum Beispiel bei der Erstellung personalisierter Behandlungspläne. Eines steht für Kornhäusl jedoch außer Zweifel. „Die KI kann keine menschliche Zuwendung und eine App keine Berührung ersetzen, daher ist und bleibt der Mensch im Gesundheitswesen unersetzlich.“
Herzgesundheit neu gedacht
Ein Bereich, in dem digitale Gesundheitsanwendungen enormes Potenzial offenbaren, ist die Prävention. Indem sie Symptome und Risikomuster frühzeitig erfassen und entsprechend warnen, können sie helfen, schwerwiegende Folgen zu vermeiden. Zu den aktuellen laufenden eHealth-Projekten in Kärnten und der Steiermark zählt u. a. HERZmobil – ein Telemonitoring und die telemedizinische Versorgung für Patient:innen mit Herzinsuffizienz, das die Lebensqualität verbessern und eine stationäre Wiederaufnahme verhindern soll. Patient:innen erfahren dabei eine drei Monate lange, umfassende Begleitung, getragen von einem Netzwerk aus Pflegeexpert:innen, Ärzt:innen und digitalen Tools. Studien zufolge empfanden 95 % der Teilnehmer:innen eine gesteigerte Lebensqualität und die Rehospitalisierungsraten konnten von 30 auf vier Prozent deutlich gesenkt werden. (Quelle: gesundheitswirtschaft.at).
Dem Thema präventive Herzgesundheit widmet sich auch die Forschungsgruppe rund um Gernot Plank an der Med Uni Graz: Anhand realer Bild- und Funktionsdaten entstehen dort digitale Zwillinge des Herzens – sprich, virtuelle Herzmodelle, die das elektrische Verhalten eines individuellen Herzens möglichst genau nachbilden. Diese digitalen Nachbildungen sollen helfen, Symptome wie Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern schneller zu erkennen. Langfristig könnten digitale Herzmodelle in Kliniken als Entscheidungshilfe dienen – sei es zur präziseren Diagnose, zur Auswahl der passenden Therapie oder zur individuellen Nachsorge.
KI als Partner der Pathologie
Die digitale Pathologie ist ein Bereich, der die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen nutzt, um enorme Mengen medizinischer Daten effizient und präzise zu analysieren. Dies ermöglicht eine schnellere Diagnostik, eine höhere Genauigkeit und eine deutliche Reduzierung von Fehlerquellen. In den Krankenanstalten Südösterreichs wurden Projekte zur Digitalisierung der Pathologie in den letzten Jahren laufend vorangetrieben. Ein neues Projekt der Med Uni Graz namens „DigiPath-Krebskampf“ bringt die digitale Pathologie nun sogar in die steirischen Klassenzimmer. „Krebs ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Dank technologischer Fortschritte wie der digitalen Pathologie können Gewebeproben heute hochauflösend gescannt und mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz analysiert werden“, erklärt Projektleiterin Iva Brcic. „Wir wollen Schüler:innen ermöglichen, sich aktiv mit diesen innovativen Methoden auseinanderzusetzen.“ Im Rahmen von Workshops, Praxisübungen und Exkursionen werden die Schüler:innen dabei durch erfahrene Mentor:innen aus den Bereichen Pathologie, Biobanking und Informatik begleitet, lernen mit digitalen Mikroskopen umzugehen und können sogar an der Entwicklung von Algorhithmen zur Krebsdiagnose mitwirken.
„Durch das voize-System profitieren die Mitarbeitenden von einer Zeitersparnis von bis zu einer halben Stunde pro Tag. Zeit, die stattdessen für die Bewohner:innen der Pflegeheime zur Verfügung steht.“
Wenn Daten Nähe schaffen
Auch im Bereich der Pflege sind digitale Systeme mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Vor allem, wenn es darum geht, mehr Zeit für persönlichen Kontakt zwischen Pflegepersonal und Patient:innen zu schaffen. Ein Best-Practice-Beispiel für den erfolgreichen Einsatz einer App ist das Sprachdokumentations-System „voize“ in den Altenwohn- und Pflegeheimen der Diakonie de La Tour. Das intelligente, KI-gestützte System ermöglicht eine sprachgesteuerte Dokumentation von Gesundheitsdaten und Vitalwerten der Heimbewohner:innen direkt über das Mobiltelefon. Lebenswichtige Daten werden automatisch in die bestehende Pflegedokumentation übertragen und sind somit für das gesamte Pflegepersonal verfügbar. „Der Einsatz des voize-Systems ist ein Gewinn für Pflegekräfte und Bewohner:innen“, erklärt Melanie Maier, Leiterin des Fachbereichs Pflege.Hospiz-Beratung der Diakonie de La Tour. „Denn die Mitarbeitenden profitieren von einer Zeitersparnis von bis zu einer halben Stunde pro Tag im Vergleich zur Pflegedokumentation am PC. Zeit, die stattdessen für die Bewohner:innen der Pflegeheime zur Verfügung steht.“