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Gesundheit
26.01.2026

Gesundheit macht Unter­nehmen stark

Gesunde Mit­arbei­ter:innen sind ein wesent­licher Faktor für nach­haltigen Unter­nehmens­erfolg. Wie viel­fältig betrieb­liche Gesund­heits­förderung heute umge­setzt wird, zeigen aktuelle Initia­tiven und Bei­spiele aus der Praxis.

Gesundheit wird immer mehr zum strategischen Erfolgsfaktor im Unternehmen. In Zeiten hoher Arbeitsdynamik und steigender Anforderungen, eines Mangels an Fachkräften und der Tatsache, dass das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigt – und Menschen somit länger arbeiten–, zeigt sich: Betriebe, die in das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter:innen investieren, sichern nicht nur ihre Leistungsfähigkeit, sondern auch ihre Zukunft. Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) stärkt die körperliche, psychische und soziale Gesundheit am Arbeitsplatz – und reicht dabei weit über reine Krankheitsvermeidung hinaus. Stattdessen setzt sie auf ein breites Spektrum an präventiven Maßnahmen, die den Arbeitsalltag nachhaltig unterstützen. Studien zeigen: Wird Gesundheitsförderung im Unternehmensalltag gelebt, steigen Motivation, Produktivität und Zusammenhalt im Team – während Krankenstände und Fluktuation deutlich sinken.

BGF als Wirtschafts­faktor

Wie teuer beschwerdebedingte Fehlzeiten werden können, zeigt das Beispiel eines Bandscheibenvorfalls: Bei circa sechs Wochen Ausfallzeit und täglichen Kosten von etwa 400 Euro summiert sich ein einzelner Fall auf 12.000 Euro. Laut WIFO-Fehlzeitenreport 2024 fallen pro Mitarbeiter:in durchschnittlich 15 Krankenstandstage im Jahr an. Besonders ins Gewicht fallen psychische Erkrankungen, die im Schnitt 36 Ausfalltage und damit Kosten von rund 12.600 Euro pro Fall verursachen. Die Wirtschaftlichkeit von BGF zeigt sich im Return on Investment (ROI): Analysen belegen, dass jeder investierte Euro durchschnittlich das Dreifache zurückbringt. So weist eine der größten Metastudien für effektive Maßnahmen rund um Bewegung, Ernährung, Tabakkonsum und mentaler Gesundheit einen ROI von 2,7 aus.

„Wer Arbeitsumgebung und -prozesse gesund gestaltet, investiert in den eigenen Erfolg“.

Katharina Göttlicher, SVS

Neue Perspektiven schaffen

Die von der Bundesregierung initiierte Plattform fit2work widmet sich seit 2011 der Gesundheit am Arbeitsplatz. In Kooperation mit AMS, AUVA, PVA und weiteren Sozialversicherungen bietet fit2work kostenfreie, freiwillige Beratung für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sowie für Unternehmen, die die Arbeitsfähigkeit ihrer Beschäftigten erhalten möchten. Dazu zählt auch die fit2work-Eingliederungsberatung, die Unternehmen beim Aufbau eines betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) begleitet. Durch frühzeitige Maßnahmen kann so der Arbeitsplatz erhalten und ein gesundes Arbeiten bis zum Pensionsantritt unterstützt werden. Den Effekt der Initiative zeigt ein Blick auf die Zahlen: Im Zeitraum von 2020 bis 2024 waren 37,57 % 360 Tage nach Abschluss einer fit2work-Beratung der Personen wieder erwerbstätig – im Vergleich zu nur 11,06 % unmittelbar vor Beratungsbeginn (Quelle: Statistik Austria).

Wie hoch der Stellenwert betrieblicher Gesundheitsförderung in Österreich ist, zeigt sich eindrucksvoll in aktuellen Zahlen. Das Österreichische Netzwerk für BGF feierte sein 25-jähriges Jubiläum im Vorjahr mit Rekordwerten: Mehr als 2.400 Unternehmen mit 718.000 Beschäftigten wurden bis dahin mit dem BGF-Gütesiegel ausgezeichnet. 2025 prämierte die ÖGK erneut Betriebe in allen Bundesländern – in Kärnten 29 Betriebe mit 5.517 Mitarbeiter:innen, in der Steiermark 71 Betriebe mit 18.304 Mitarbeiter:innen. „Die Arbeitswelt verändert sich immer schneller und wird immer herausfordernder – etwa durch Digitalisierung, hybrides Arbeiten oder den Einfluss von künstlicher Intelligenz. Umso wichtiger ist es, dass betriebliche Gesundheitsförderung das Gesundheitsbewusstsein und das Betriebsklima der Belegschaft stärkt“, betonen die Vorsitzenden des Landesstellenausschusses der ÖGK in der Steiermark, Beatrice Erker und Josef Harb.

Gesundheit als Rückgrat

Wer ein Unternehmen führt, bewegt sich ständig zwischen Ideen und Verantwortung – Termine drängen, Entscheidungen müssen schnell fallen, und oft bleibt die eigene Gesundheit auf der Strecke. Genau dieser Thematik widmete sich der erste Gesundheitstag für Selbstständige von Wirtschaftskammer Kärnten und SVS. Unter dem Motto „Betriebliche Gesundheitsförderung – auch für Unternehmer:innen selbst!“ bot das Event im Herbst 2025 ein vielfältiges Programm mit praxisnahen Impulsen, Vorträgen und Mitmachstationen. „Wer Arbeitsumgebung und -prozesse gesund gestaltet, investiert in den eigenen Erfolg“, unterstreicht Katharina Göttlicher von der SVS Landesstelle Kärnten. „Als SVS unterstützen wir mit vielfältigen Angeboten zur Prävention und Gesundheitsförderung. Mit ‘Future Proof’ bieten wir speziell für Familien- und Kleinstbetriebe ein neues Programm zur Betrieblichen Gesundheitsförderung,“ so die Arbeitspsychologin. Das kostenlose Future-Proof-Angebot richtet sich an landwirtschaftliche und gewerbliche Familienbetriebe. In gemeinsamen Workshops entwickeln Betriebe und Expert:innen individuelle Strategien – von besserer Kommunikation bis hin zu ergonomischem Arbeiten. So erhalten auch kleinste Familienunternehmen die Chance, strukturierte BGF-Prozesse umzusetzen.

„Wir wollen neue Wege in Richtung eines gesunden Lebensstils gehen. Bewegung ist mehr als nur Schritte sammeln.“

Marion Kanalz, Movevo

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Bewegung, die verbindet

Das in Villach ansässige Unternehmen Movevo entwickelt seit 2021 digitale Lösungen für betriebliche Gesundheitsförderung. Der Ansatz: Bewegung und ein gesunder Lebensstil sollen spielerisch in den Arbeitsalltag finden. Die „MOVEVO Move App“ bringt mit täglichen Challenges und kurzen Übungen mehr Schwung in den Beruf – und stärkt zugleich das Miteinander im Team. „Wir wollen neue Wege in Richtung eines gesunden Lebensstils gehen. Bewegung ist mehr als nur Schritte sammeln“, betont Movevo-Mitgründerin Marion Kanalz.

Während der Fastenzeit fanden 2025 zum vierten Mal die 45-tägigen Movevo Move Days statt – eine digitale Gesundheits-Challenge, speziell entwickelt für Unternehmen und ihre Teams. Mehr als 100 Betriebe mit mehr als 6.000 aktiven Mitarbeiter:innen nahmen teil und sammelten gemeinsam 567 Mio. Schritte (zehn Erdumrundungen) sowie täglich mindestens 174.000 Aktivitätsminuten. 68 % der Teilnehmenden berichteten zu Beginn über häufige körperliche Beschwerden – nach den Move Days fühlten sich 84 % körperlich besser und 37 % spürten weniger Beschwerden durch die gesundheitsfördernden Routinen. „2025 waren erstmals auch Teilnehmer:innen aus Thailand, Kanada und den USA mit dabei. Gerade internationale Konzerne sind interessiert, globale Aktionen für Mitarbeiter:innen umzusetzen“, freut sich Kanalz über die große Resonanz zu den Move Days, die künftig auch in Deutschland stattfinden sollen. Neben den Move Days fand 2025 erstmals die branchenspezifische Bankenchallenge statt, zudem bietet Movevo mittlerweile auch hybride Formate aus persönlich und digital an, um Unternehmen auf dem Weg zu mehr Gesundheit zu begleiten.

WISSENSWERT

Betriebliche Gesundheitsförderung wirkt sowohl inhaltlich als auch wirtschaftlich: Für viele Maßnahmen in Bereichen wie Ernährung, Bewegung, Rauchen, Alkohol und psychischer Gesundheit ist die Wirksamkeit wissenschaftlich belegt. Studien ergeben zudem einen Return of Investment (ROI) von rund 1:3. Das bedeutet: Jeder in BGF investierte Euro spart ein Mehrfaches an Kosten – etwa durch weniger Fehlzeiten.

MEHR INFOS: netzwerk-bgf.at

  1. Der erste Gesundheitstag für Selbstständige in Kärnten bot ein vielfältiges Programm mit praxisnahen Impulsen, Vorträgen und interaktiven Stationen. Am Bild v. l. Arbeitspsychologin Katharina Göttlicher (SVS), Tony Meinert (Sozialminis terium ), Franz Ahm, IC-Spartenobmann und Vor sitzender der SVS- Landesstelle Kärnten und WK-Direktor Meinrad Höfferer. © WKK/Daniel Waschnig
  2. Mit täglichen Challenges und Übungen sorgt Movevo spielerisch für gesunde Routinen im Arbeitsalltag. © Martin Hofmann
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