Umwelt

Grüne Hilfe zur Selbsthilfe

Die doing circular GmbH nimmt sich mit ihrer Geschäftsidee gleich zweier Herausforderungen der heutigen Zeit an: Arbeitslosigkeit (bzw. Armut) und Umweltverschmutzung. Maschinen des Unternehmens ermöglichen Kunden, rasch und kostengünstig Produkte aus Kunststoffmüll herzustellen, um sie am lokalen Markt zu verkaufen.

Plastikmüll stellt ein weltweites Problem dar. Großteils landet er in der Umwelt oder wird verbrannt. Das Zauberwort lautet also Recycling, doch weltweit werden nur neun (!) Prozent der Kunststoff-Abfälle recycelt. Auf die Unmengen an Kunststoffmüll stieß vor Jahren auch der Kärntner Sören Lex bei einem Aufenthalt in Uganda. Eigentlich hatte er sich dort mit Projekten auseinandergesetzt, die Einkommen schaffen. Warum also nicht beides verbinden? „Über diverse Open-Source-Plattformen und Anleitungen sind wir auf simple Tools gestoßen und haben mit einem Team begonnen, sinnvolle Lösungen zu entwickeln“, erzählt Lex von den Anfängen des Projekts Plasticpreneur.

Neue Geschäftsmodelle aus Müll

Heute entwickelt, produziert und vertreibt Lex mit seinem Team einfache und mobile Kunststoffrecycling-Maschinen, kombiniert diese mit Trainings zu Recycling-Techniken und Entrepreneurship-Themen, um „möglichst vielen Menschen unkomplizierten Zugang zu Kunststoffrecycling zu ermöglichen“. So entstehen Projekte (und Unternehmen), bei denen aus Plastikmüll neue Produkte und Geschäftsmodelle werden.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Lokale Wertschöpfung bzw. Arbeitsplätze (z. B. in Entwicklungsländern) entstehen, Plastikmüll wird reduziert, neue Produkte werden entwickelt und auch die CO2-Emission wird verringert, da Kunststoffmüll wieder in den Kreislauf eingeführt wird.

Das Geschäftsmodell von doing circular in einem Bild erklärt – Foto: Kelag/Daniel Waschnig

Etliche weitere Ideen

Mittlerweile wurde aus Plasticpreneur die GmbH doing circular – der Produktionsstandort ist in Kärnten, der Firmensitz in Niederösterreich. Es wurden schon einige Maschinen entwickelt: Der Granulator (manuell oder motorbetrieben) zerkleinert bzw. schreddert den Müll zu feinem Granulat. Dieses kommt dann entweder in die Spritzguss-Maschine oder in den Extruder, wo es erhitzt und unter Druck in eine Form gepresst wird. Lex: „Der Sammel-, Sortier-, Wasch- und Trocknungsvorgang vor dem Granulieren läuft manuell. Wir haben weitere Maschinen, die in den nächsten Monaten auf den Markt kommen – und etliche weitere Ideen.“

Die Produkte wurden bisher in über 50 Länder auf sechs Kontinenten exportiert. Der Großteil der Kunden sitzt in Europa, gefolgt von Afrika.

Award für Face Shield aus Abfall

Den Produkten, die so entstehen, sind (fast) keine Grenzen gesetzt. „Neben Schulartikeln wie Lineale und Rechenschieber werden zum Beispiel auch Baumaterialien wie Fliesen oder Zaunpfähle hergestellt“, erzählt Lex. Auch auf die Corona-Krise hat das Unternehmen reagiert und im April 2020 ein Face Shield aus recyceltem Kunststoffmüll entwickelt, das lokal hergestellt werden kann. Die Face Shields werden nach wie vor in einigen afrikanischen Ländern und etwa auch in Afghanistan produziert – und zusätzlich zu Mund-Nasen-Schutz getragen. Für diese Entwicklung gab es im Juli 2020 den UNIDO-Award für innovative Ideen im Zeichen der Corona-Krise in der Kategorie „Resilient Industries and Infrastructure“. Es gab bei über 1.100 Einreichungen aus 108 Ländern nur fünf Gewinner in vier Kategorien.

Kunststoffmüll kann auch zu Dachschindeln verarbeitet werden. – Foto: plasticpreneur

Zirkuläre Wirtschaftssysteme

Heute zählt das Team von doing circular 13 Personen in Österreich. „Und wir sind kurz davor, in Ostafrika ein Team aufzubauen.“ Gleich mehrere Mitarbeiter beschäftigen sich mit Forschung und Entwicklung. Lex ist stolz: „Gerade die Interdisziplinarität und die verschiedenen Sichtweisen im Team machen es aus, dass wir innovative Technologien entwickeln können.“ Es geht also nicht nur um Maschinen bzw. Technologien, sondern eben auch um Entrepreneurship- und Bewusstseinsbildungsprogramme, bei denen die Maschinen zusätzlich eingesetzt werden. Die Vision: Communities stärken, Innovation vorantreiben und den Übergang von linearen hin zu zirkulären Wirtschaftssystemen ermöglichen.

Für Tätigkeit „brennen“

Welche Ratschläge hat der Jungunternehmer für andere Start-ups? „Sich sicher sein, dass das, was man tut, auch das ist, wofür man brennt. Dann hat man die notwendige Energie, Motivation und Durchhaltevermögen, um die Dinge auf Schiene zu bekommen.“

Das Kernteam

Das Gründungsteam der doing circular gmbH, gegründet im Jänner 2020 mit Sitz in Niederösterreich:

  • Sören Lex: Social Entrepreneurship
  • Raphaela Egger: Design & Creative Direction
  • Boris Rauter: Maschinen-Entwicklung
  • Florian Mikl: Produkt-Design & Maschinen-Entwicklung
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