Umwelt
27.08.2025

Grüner Wasser­stoff als Stand­ort­faktor der Zukunft

Im Fokus des dritten Kärntner Wasser­stoff-Gipfels stand der SouthH2-Korridor, eine inter­natio­nale Pipe­line, die auch Kärnten künftig mit grünem Wasser­stoff ver­sorgen soll.

Als flexibler Energieträger ist Wasserstoff ein Allround-Talent, das sich in verschiedenen Anwendungsbereichen entlang der gesamten Wertschöpfungskette einsetzen lässt. Der aus erneuerbaren Energien erzeugte Wasserstoff (sogenannter „grüner Wasserstoff“) ist notwendiger Teil der Energiewende und kommt in allen wichtigen Sektoren – etwa als Treibstoff in der Mobilität oder als Speicher- und Prozessmedium in Energie und Industrie – zur Anwendung.

Für einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Standort gewinnt der Einsatz von sauberem Wasserstoff in Wirtschaft, Industrie und Mobilität auch in Kärnten immer mehr an Bedeutung. Mit einer eigenen Wasserstoff-Strategie setzt das Land seit vielen Jahren verstärkt auf diese Zukunftstechnologie und ist – gemeinsam mit der Steiermark und Oberösterreich – Teil des österreichweit ersten Hydrogen Valleys, bei dem bis 2030 rund eine halbe Mrd. an Investitionen durch die Wirtschaft in die Wasserstofftechnologie geplant sind. Die erste Wasserstoff-Busflotte in Kärnten startet 2026.

„Der SouthH2-Korridor ist weit mehr als ein Infrastrukturprojekt. Er ist eine europäische Wertschöpfungsachse für nachhaltige Energieversorgung.“

Sebastian Schuschnig

© Büro LR Schuschnig

SouthH2-Korridor

Ende Mai versammelten sich hochrangige Expert:innen aus Politik, Wirtschaft und Industrie beim dritten Kärntner Wasserstoff-Gipfel. Im Zentrum stand u. a. der geplante SouthH2-Korridor, eine 3.300 Kilometer lange Wasserstoff-Pipeline von Nordafrika über Kärnten bis nach Süddeutschland, die Europa mit Wasserstoff versorgen soll. „Diese Pipeline ist weit mehr als ein Infrastrukturprojekt. Sie ist eine europäische Wertschöpfungsachse für nachhaltige Energieversorgung. Kärnten liegt dabei nicht am Rand, sondern mitten im Herzen der wirtschaftlichen Chance für den Standort“, bekräftigt Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig.

Für den erfolgreichen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Kärnten sei es jetzt aber notwendig, weitere Rahmenbedingungen zu schaffen. „Kärnten kann und wird eine aktive Rolle in der österreichischen und europäischen Wasserstoff-Zukunft spielen”, so Schuschnig: „Aber das gelingt nur, wenn wir heute die Infrastruktur von morgen planen.“

„Um der Kärntner Industrie die Möglichkeit zu bieten, künftig grünen Wasserstoff zu nutzen, arbeiten wir als Netzbetreiber daran, die entsprechende Infrastruktur bereit zu stellen.“

Robert Schmaranz

© KNG

Dekarbon­isierung der Industrie

Dafür soll in Kärnten ein eigenes regionales Wasserstoff-Verteilnetz errichtet werden. Kärnten Netz (KNG) arbeitet dazu an einem Konzept. „Um der Kärntner Industrie die Möglichkeit zu bieten, künftig grünen Wasserstoff zu nutzen, arbeiten wir als Netzbetreiber daran, die entsprechende Infrastruktur bereit zu stellen. Der SouthH2-Korridor ist strategisch ein wichtiges Projekt für uns, weil wir das Glück haben, dass wir genau an dieser Trassenführung liegen und den Mehrwert für Kärnten entsprechend ausschöpfen wollen“, erklärt Robert Schmaranz, Leiter Systemführung & Gase/Technische Services bei Kärnten Netz. Demnach könnten ab 2030 erste Wasserstoffmengen über den SouthH2-Korridor nach Kärnten transportiert und über ein eigenes Verteilnetz für industrielle Anwendungen verwendet werden.

„Eine Nichtberücksichtigung in der bevorstehenden GWG-Novelle würde eine massive Benachteiligung der Kärntner Industrie bedeuten, die zunehmend auf eine klimaneutrale Energieversorgung angewiesen ist.“

Claudia Mischensky

© Assam

Aufnahme in den ÖNIP

Die Industrie in Kärnten sieht Wasserstoff als ein zukunftsweisendes Thema, das für den Erhalt und Ausbau von Arbeitsplätzen, Innovationen und nachhaltiger Produktion essenziell ist. Um Zugang zu Förderungen und nationaler Planungssicherheit zu erhalten, müsse Kärnten allerdings Teil des Österreichischen Netzinfrastrukturplans (ÖNIP2030) werden. „Aktuelle Planungen im ÖNIP sehen eine Einbindung Kärntens, ebenso wie Salzburg, Tirol und Vorarlberg, in das staatliche Fördermodell nicht vor. Das führt dazu, dass die betroffenen Regionen von den notwendigen staatlichen Förderungen ausgeschlossen sind, was die Realisierung der Wasserstoffinfrastruktur stark erschwert“, betont Claudia Mischensky, Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung (IV) Kärnten.

Die H2-Roadmap 2.0 der Austrian Gas Grid Management AG (AGGM) zeige klar den Bedarf an Wasserstoffleitungen gerade in Kärnten auf. „Eine Nichtberücksichtigung in der bevorstehenden GWG-Novelle würde eine massive Benachteiligung der Kärntner Industrie bedeuten, die zunehmend auf eine klimaneutrale Energieversorgung angewiesen ist“, so Mischensky. Ohne die Aufnahme Kärntens in das nationale H2-Startnetz drohen der heimischen Industrie erhebliche Standortnachteile, die sich negativ auf Beschäftigung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit auswirken. „Es sind daher dringend notwendige Anpassungen der Rahmenbedingungen sowie die Einbindung in das staatliche Fördermodell erforderlich. Nur so kann die Wasserstoffinfrastruktur in Kärnten realistisch und leistbar umgesetzt werden“, so Mischensky.

WISSENSWERT

Der SoutH2-Korridor ist eine 3.300 km lange Wasserstoff-Pipeline, die Nordafrika, Italien, Österreich und Deutschland verbindet und von den internationalen Netzbetreibern Snam, TAG, GCA und bayernets bereitgestellt wird.

1. In Klagenfurt fand im Mai der dritte Kärntner Wasserstoff-Gipfel statt. © Büro LR Schuschnig
2. In Kärnten wird die erste WasserstoffBusflotte Österreichs im Regionalverkehr eingeführt. © Büro LR Schuschnig
3. Der Verlauf des SouthH2-Korridors im Detail.

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