© Ciperle
Umwelt
15.10.2025

„Grünste Fabrik der Welt“ sucht Fachkräfte

Klimawandel, Fachkräftemangel und Überregulierung stellen die österreichische Waldwirtschaft vor diverse Herausforderungen.

Rund 61 Prozent der Landesflächen von Kärnten und der Steiermark sind mit Wald bedeckt. Damit sind die beiden Bundesländer österreichweit Spitzenreiter – der Bundesdurchschnitt liegt bei 47,9 Prozent. Der Großteil dieser Flächen wird – oft schon seit Generationen – von privaten Waldbesitzer:innen bewirtschaftet. In diesen kleinteiligen Strukturen unterstützend zu wirken, hat sich der österreichische Waldverband zur Aufgabe gemacht. Dabei handelt es sich um eine Serviceorganisation von und für Waldbesitzer:innen, die ihre Mitglieder etwa bei der professionellen Abwicklung ihrer Waldbewirtschaftung, aber auch bei der Vermarktung des Holzes unterstützt. Rund 75.000 private Waldbesitzer:innen, die in Summe eine Mio. Hektar Wald bewirtschaften, sind Mitglieder der Organisation. Nun hat der Waldverband eine neue Spitze: Beim kürzlich in Kärnten abgehaltenen Jahrestreffen der Landeswaldverbände wurde Matthias Granitzer aus Stockenboi zum neuen Obmann gewählt. „Der Wald ist die grünste Fabrik der Welt, die Waldbesitzer sind die größte Umweltorganisation Österreichs“, ist der neue Obmann überzeugt.

Klimakrise als Wirtschaftsfaktor

Neben der Amtsübergabe standen beim Jahrestreffen allerdings auch Themen im Mittelpunkt, mit denen die Waldwirtschaft aktuell zu kämpfen hat. Zentral dabei sind die Auswirkungen der Klimakrise, die das Ökosystem Wald – und damit auch die Forstwirtschaft – bereits deutlich zu spüren bekommen. So können einerseits Extremwetterereignisse wie Hitze, Trockenheit oder Windwurf große Schäden in bestehenden Wäldern anrichten; andererseits folgt auf solche Primärereignisse oft wenige Jahre später ein Borkenkäferbefall. Dabei entstehen für Waldbesitzer:innen neben starken wirtschaftlichen Einbußen auch emotionale Belastungen. Hinzu kommt besonders in Hochgebirgsregionen auch die Schutzfunktion von Wäldern im Kontext von Naturgefahren, die unter Umständen nicht mehr gewährleistet werden kann. Das Schadensvolumen und der Wertverlust, die auf diese Weise entstehen, liegen österreichweit im Bereich von rund 100 Mio. EUR jährlich.

„Der Wald ist die grünste Fabrik der Welt, die Waldbesitzer sind die größte Umweltorganisation Österreichs.“

Matthias Granitzer, Obmann des Österreichischen Waldverbandes

Um dieser Dynamik entgegenzuwirken, setzt man in der österreichischen Forstwirtschaft zunehmend auf eine Diversifizierung der Baumarten. So wird etwa die Fichte, die besonders in niederen Lagen mit den steigenden Temperaturen schlecht zurechtkommt, um Arten wie Lärche, Tanne, Eiche, Buche oder Hainbuche ergänzt. „Ziel ist es, die Wälder klimafit umzubauen“, erklärt Obmann Matthias Granitzer. Ein Unterfangen, dessen Wirkung sich erst nach Jahrzehnten voll entfalten wird.

Attraktive und anspruchsvolle Arbeitsplätze

Um einen Wald klimafit zu machen, braucht es neben dem ökologischen Wissen auch genügend ausführende Hände – doch an solchen fehle es, informiert der Waldverband. Rund 300.000 Menschen arbeiten in Österreich entlang der Wertschöpfungskette Holz und erwirtschaften gemeinsam rund 28 Mrd. EUR pro Jahr – mehr als der Tourismus mit rund 21 Mrd. Doch wie viele andere Branchen hat auch die Forstwirtschaft aktuell mit einem Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften zu kämpfen. Nicht selten geht zudem bei der Betriebsübergabe an die nächste Generation wichtiges Wissen verloren.

„Mittlerweile werden rund 80 Prozent der anfallenden Arbeiten von externen Dienstleistungsunternehmen bewältigt – früher waren es 20 Prozent“, berichtet Granitzer. Die Stellen in solchen Forstunternehmen seien entgegen kursierenden Vorurteilen höchst attraktiv und erforderten spezialisiertes Arbeiten im Umgang mit modernster Technik. Wünschenswert wäre dem Waldverband zufolge eine deutliche Zunahme an Nachwuchsfachkräften. „Wenn der Arbeitskräftemangel weiter anhält, sind wir mit schleichenden Betriebsaufgaben konfrontiert“, so Obmann Granitzer. „Im Gegensatz zur Landwirtschaft machen sich die Folgen allerdings oft erst nach Jahrzehnten bemerkbar.“

Wunsch nach Deregulierung

Eine weitere Gemeinsamkeit mit anderen Wirtschaftszweigen zeigt sich in der Klage der Waldwirtschaft über zunehmende Bürokratisierung und Überregulierung. Insbesondere ältere Waldbesitzer:innen seien von immer komplexer werdenden Regulierungen und digitalen Abwicklungen überfordert, so der Waldverband. Dass die EU die Waldwirtschaft mittlerweile in verschiedenen Strategien, Richtlinien und damit einhergehenden Vorgaben einbindet, sieht der Verband kritisch. Es seien „Gesetze, die weit weg sind von der Realität und entkoppelt von den Lebensbedingungen“, so die Geschäftsführung.

„Im Gegensatz zu Materialien wie seltenen Erden, bei denen wir auf Importe angewiesen sind, ist Holz ein europäischer Rohstoff.“

Martin Höbarth, Geschäftsführer des Waldverbandes

So soll etwa die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) verhindern, dass Produkte, die mit einer Entwaldung in Verbindung stehen, innerhalb der EU verkauft werden. Hintergrund der Verordnung ist der Schutz der weltweiten Regenwälder. In Österreich ist die Walderhaltung allerdings gesichert, die Waldflächen wachsen täglich um mehr als sechs Hektar und das österreichische Forstgesetz gilt als eines der strengsten der Welt. Zusätzlich zertifizieren sich zahlreiche Forstbetriebe seit über 30 Jahren freiwillig nach den internationalen PEFC-Richtlinien. Wünschenswert wäre demnach eine Besinnung Europas auf die eigene Rolle am weltweiten Holzmarkt. „Im Gegensatz zu Materialien wie seltenen Erden, bei denen wir auf Importe angewiesen sind, ist Holz ein europäischer Rohstoff“, betont Martin Höbarth, Geschäftsführer des Waldverbandes. „Europa ist hier Weltmarktführer.“

Schlagwörter