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Wirtschaft
06.08.2026

Hand in Hand mit dem Wald

Im Südkärntner Bodental bewirtschaftet die ehemalige Diplomatin Valerie Hagg 1.500 Hektar Forst – und übernimmt Verantwortung gegenüber Ökosystem und Gesellschaft.

Der Wald ist in der Vorstellung vieler Menschen ein magischer, verwunschener Ort – ein Idealtypus der wilden Naturlandschaft, ein romantisch verklärter Raum der Stille und der unberührten Abgeschiedenheit. Die Realität allerdings sieht seit Jahrhunderten anders aus: Durch die menschliche Bewirtschaftung, von der Köhlerei über Vieh- bis hin zu klassischer Forstwirtschaft, sind die meisten unserer Wälder längst zu Kulturlandschaften geworden – zu Räumen, in denen der Mensch mit seiner Umwelt interagiert, sie gestaltet und von ihr profitiert. Dass dieses Zusammenspiel keineswegs problematisch sein muss, sondern im besten Fall einer Symbiose gleichkommt, zeigt die Forstwirtschaft von Valerie Hagg. Vor dem Tod ihres Vaters gehörten ihrer Familie Waldflächen im Ausmaß von rund 8.500 Hektar. Nach Aufteilung des Gebiets ist sie nun Besitzerin von 1.500 Hektar im Südkärntner Bodental – und Leiterin der zugehörigen Forstwirtschaft. Für Hagg, die in England studierte und rund zwanzig Jahre als Diplomatin im Außenministerium arbeitete, ist das Erbe gleichzeitig ein Auftrag: „Ich habe den Betrieb übernommen, weil ich wirklich Verantwortung dafür übernehmen möchte“, betont sie.

„Ich möchte meinen Betrieb naturnahe, aber auch wirtschaftlich führen – aus meiner Sicht ist das sehr wohl möglich.“

Valerie Hagg, Forstwirtin

Von der Diplomatie in den Forstbetrieb

Dass es so kommen würde, war über weite Strecken von Valerie Haggs Leben keineswegs klar. Zwar verbrachte sie in ihrer Kindheit und Jugend viele Sommer in Kärnten, kam mit der Forstwirtschaft jedoch nur am Rande in Berührung. Das änderte sich mit dem Tod ihres Vaters im Jahr 2018 und der fehlenden Ortsgebundenheit während der Pandemie: 2020 zog Hagg mit ihrem Mann und ihren drei Töchtern in die Hollenburg bei Maria Rain, die sich ebenfalls im Familienbesitz befindet, und arbeitete von zu Hause aus. Vorübergehend, wie sie zuerst dachte: „Es war nicht klar, dass wir kommen, um zu bleiben. Ich habe gerne als Diplomatin gearbeitet“, erzählt sie. Dann allerdings erfolgte die Realteilung des baumreichen Erbes und die Weichen für einen neuen Lebensabschnitt wurden gestellt. Sie beendete ihr Dienstverhältnis im Außenministerium, um sich voll und ganz der Forstwirtschaft zu widmen. Auf die Entscheidung für das neue Leben folgte eine intensive Phase der Weiterbildung. Ihr Bruder und der frühere Forstdirektor machten sie mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut, zusätzlich besuchte sie Fortbildungen an der Forstwirtschaftlichen Ausbildungsstätte (FAST) in Ossiach. Schritt für Schritt arbeitete sie sich ein, lernte Betrieb kennen, strukturierte um. In einem männerdominierten Berufsfeld durchaus herausfordernd: „Als Frau war es anfangs nicht leicht, aber mittlerweile ist das kein Thema mehr und ich habe einen sehr guten Kontakt zu meinen Kooperationspartnern“, erzählt sie. Ihre diplomatische Erfahrung kommt ihr dabei oft zugute: „Ich habe mit unterschiedlichsten Akteuren zu tun, mit Förstern und Frächtern, mit Wegeservituten, Länder- und Weidegrenzen. Daher bin ich auch jetzt oft als Vermittlerin tätig“, meint sie lachend. „Ich finde es wichtig, die Dinge an- und auszusprechen, und kann auch damit umgehen, wenn jemand mir gegenüber einen anderen Standpunkt vertritt.“

Gemeinsam mit der Natur

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