Umwelt

Hanf statt Plastik

In ihrem neuesten Projekt möchte das Kompetenzzentrum Holz in St. Veit/Glan aus Hanffasern Verpackungen entwickeln und damit die Region Görtschitztal beleben.

Hanf ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Erde und kann als Ganzes genutzt werden: die Samen, Blätter, Fasern und Schäben. Letzteres sind Bastfasern, die bei der Entholzung des Pflanzenstängels anfallen. Das Kompetenzzentrum Holz in St. Veit konzentriert sich in ihrem aktuellen Forschungsprojekt auf die Faser.

In der Region und gemeinsam mit der Region soll die Nutzung als Verpackung für Lebensmittel bis zur Produktionsreife erforscht werden. „So ein „Hanfsackerl“ erfüllt alle ­Forderungen der Nachhaltigkeit und ist­ ­kompostierbar“, erklärt DI Herfried Lammer, Bereichsleiter der Kompetenzzentrum Holz GmbH in St. Veit. „Vor allem für Biobetriebe würde sich das neue Produkt anbieten, hochwertige Produkte der Natur auch natürlich zu verpacken. Und es passt zur Region des Görtschitztals.“ Das Kompetenzzentrum Holz gibt es seit 2000 Weitere Standorte gibt es in Lenzing, Tulln und Linz. Von den insgesamt 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern arbeiten 30 in St. Veit. Die Aufgabe des Kompetenzzentrums ist angewandte Forschung, meist für Unternehmen mit dem Ziel, Produkte zu identifizieren und deren Machbarkeit zu beweisen.

Marktfähiges Produkt

Das Projekt Hanfsackerl ist auf zwei Jahre ausgelegt und soll das „Henne-Ein-Problem“ von der Bedarfsseite her lösen. Wenn das marktfähige Produkt vorgelegt werden kann, ist es leichter, einen Produktionsbetrieb zu finden. Und wenn ein Bedarf und eine Nachfrage da ist, können auch Landwirte der Region Görtschitztal den Hanf großflächig anbauen, da eine Abnahme gesichert ist.
Voraussetzung für einen langfristigen Erfolg auf dem Markt ist, dass das Hanfsackerl die gleiche Funktionalität wie ein herkömmliche Verpackung hat und nicht teurer ist. Das heißt, es muss isolieren und soweit stoßsicher sein, dass man darin Lebensmittel in einer Box stapeln kann. Diese Funktionalität wollen die Forscherinnen und Forscher sicherstellen und einen entsprechenden Businessplan für ein markt- und konkurrenzfähiges Produkt ausarbeiten.

Genügsame Pflanze

Die Kultivierung der Hanfpflanze ist einfach und umweltschonend. Sie kommt weitestgehend ohne Pestizide aus, weil sie so schnell wächst, dass der Boden binnen kürzester Zeit kein Licht mehr hat und dort auch kein Unkraut aufkommen kann. Sie braucht wenig Wasser und ist sehr genügsam, daher laugt sie die Böden nicht aus und gedeiht ohne Intensivdüngung. Hanf wurde früher sogar auf verbrauchten, verhärteten Böden gepflanzt, um sie zu lockern und gegebenenfalls für den späteren Anbau anspruchsvollerer Pflanzen wie Getreide vorzubereiten.

Zusätzliche Nutzungen

Zusätzlich zur Hanffaser tun sich für die Landwirte der Region weitere Nischen auf. Der Hanfsamen beispielsweise kann als Lebensmittel verwendet werden. „Der Hanfanbau wäre auch ein Beitrag zur Biodiversität, im Hinblick auf den Lebensraum der bedrohten Insektenwelt. Darüber hinaus könnte man die Hanf-Kulturlandschaft touristisch nutzen, indem man sie als Erlebnismeile weiterentwickelt“, meint DI Lammer.

„Pflanzenfasern haben Potenzial“

Ein Interview mit DI Herfried Lammer, Bereichsleiter der Wood K plus Kompetenzzentrum Holz in St. Veit GmbH.

Credit: Andreas Balon

Warum gerade Hanf?

Wenn wir von Hanf reden, dann meine ich hier ausschließlich Nutzhanf, der in unseren Breiten gut angebaut werden kann und eine Fülle von Anwendungsmöglichkeiten eröffnet. So ist Hanf ist seit Jahrtausenden als Textilfaser bekannt und heute das ideale Ausgangsprodukt für Biodiesel. Für mich als Kunststofftechniker ist auch interessant, dass man aus dem Hanfsamenöl Kunststoffe herstellen kann. Abgesehen davon ist es ein hochwertiges Öl mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Das sind nur ein paar Beispiele.

Wo wird Hanf bereits genutzt?

Beispielsweise als Dämmstoff, denn Hanf hat hervorragende Dämmeigenschaften, ist diffusionsoffen und bietet einen ausgezeichneten Schallschutz. Als Verbundwerkstoff wird er in Autos eingebaut. Denn Hanf ist reißfest und hat die für diesen Einsatzbereich notwendige Steifigkeit bei gleichzeitig niedrigem spezifischem Gewicht. Hier könnte sich die Entwicklung weiter fortsetzen, da die Autoindustrie unter dem Druck der Nachhaltigkeit steht. Und unser Kompetenzzentrum hat im Rahmen des Forschungsprojekts „Smarter Leichtbau 4.0“ aus Hanf ein Rotorblatt für Windräder zur Stromerzeugung entwickelt.

Wie weit ist man in der  Erforschung von Pflanzen?

Der Einsatz von Pflanzenfasern hat noch immenses Potenzial, ihm gehört die Zukunft, und mit ihnen kann ein Beitrag zum Green Deal der EU geleistet werden. Es gibt nicht diese eine Pflanze, die alle Probleme lösen wird, aber es gibt eine Vielzahl von Pflanzen, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Eigenschaften genutzt werden können. Ihre Einsatzgebiete sind noch lange nicht ausreichend erforscht und genutzt.

Können Sie Beispiele nennen?

Das ist beispielsweise der Flachs, der – auch in Kombination mit Hanf – hervorragende Eigenschaften hat. Die Brennesselfaser ist hier ebenfalls zu nennen. Viele spannende Rohstoffe fallen in Prozessen mit nachwachsenden Rohstoffen als Nebenprodukte an. Das ist beispielsweise der Brauereitrester, der spezielle Chemikalien enthält, die ihn für die Herstellung von Kunststoffen prädestinieren. Aus der Produktion der Zellulosefasern bleibt ein Reststoff, aus dem künstlicher Süßstoff erzeugt werden kann.

Welche Ziele werden mit der Erforschung der Pflanzenfasern verfolgt?

Ein erklärtes Ziel ist „no waste“, das heißt, keinen Abfall zu produzieren oder wenigstens einen, der natürlich ist und die Umwelt nicht belastet. Plastikfragmente werden zu einem wachsenden Problem, Tiere nehmen sie mit ihrer Nahrung auf und können sie nicht verdauen. Ein Plastiksackerl braucht je nach Größe und Dicke ein bis 20 Jahre, bis es sich auflöst. Dabei kommen Mikrokunststoffe in die Umwelt und dann in die Nahrungskette, mit noch nicht erforschten Auswirkungen auf Menschen und Tiere.

Damit wären Hanfsackerl als Ersatz für Plastik ein wichtiger Beitrag für unsere Umwelt?

Der Anbau und die Nutzung von Hanf entsprechen in allen Punkten dem Trend von Nachhaltigkeit und Regionalität. Hanf wird nicht die Welt retten, aber diese uralte Kulturpflanze kann eine Region beleben und trägt zur Abfallvermeidung und zur Verbesserung der Biodiversität und der CO2-Bilanz bei.

Nutzhanf zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Erde.
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