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Gesundheit
28.04.2025

Haut­gesundheit und Klima­wandel im Fokus

Anlässlich des Monats für Hautgesundheit informierten Expert:innen über klimabedingte Risiken wie Hitze, UV-Strahlung, Allergene und neue Krankheitserreger.

Die Klimakrise hat längst direkte Auswirkungen auf unsere Gesundheit – und nicht zuletzt auf die Haut. Im Rahmen der Auftakt-Pressekonferenz zum „Monat der Hautgesundheit 2025“ beleuchteten Expert:innen, wie klimatische Veränderungen unser größtes Organ herausfordern. Klar ist: Klimaschutz ist auch Gesundheitsschutz!

Soziale Herausforderung und dermatologisches Risiko

„Der Klimawandel ist weder neu noch abstrakt, sondern eine sehr konkrete Realität“, erklärt Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb. „Die Auswirkungen auf die Hautgesundheit sind vielfältig und dennoch unterschätzt. Höhere Temperaturen, zunehmende UV-Belastung, schlechtere Luftqualität und die Ausbreitung teils neuer Krankheitserreger wirken unmittelbar auf das größte Organ des Körpers – und sie betreffen nicht nur ältere oder chronisch kranke Menschen, sondern auch Kinder und Gesunde.“

Besonders in Städten verschärfen sich die Effekte, da Betonflächen Hitze speichern und so „Hitzeinseln“ entstehen – mit klaren sozialen Mustern: In wohlhabenden Gegenden mit Parks und Gärten bleibt es kühler, dicht verbaute und verkehrsreiche Bezirke erhitzen sich hingegen stärker. „Es sind oft die wirtschaftlich Schwächsten, die am meisten leiden, obwohl sie am wenigsten zum Problem beigetragen haben“, so Kromp-Kolb. Ihr Appell: „Maßnahmen gegen den Klimawandel wirken doppelt – sie reduzieren Treibhausgase und schaffen gesündere Lebensbedingungen. Der Schlüssel liegt im Zusammenspiel von individuellem Handeln und politischen Weichenstellungen.“ Die Wissenschaft liefert seit Jahrzehnten konsistente Daten und Prognosen, die der Politik hier als Orientierungshilfe dienen können.

„Maßnahmen gegen den Klimawandel wirken doppelt – sie reduzieren Treibhausgase und schaffen gesündere Lebensbedingungen."

Helga Kromp-Kolb, Klimaforscherin

Hautkrebsrisiko durch höhere UV-Belastung

Hans-Peter Hutter, Umweltmediziner an der MedUni Wien, sieht die Gesundheit insgesamt im Stress: „Der Klimawandel stellt eine wachsende Bedrohung für die Gesundheit dar – von hitzebedingter Sterblichkeit über Atemwegs- und Hauterkrankungen bis hin zur Ausbreitung neuer Krankheitsüberträger.“ Hitzewellen, erhöhte UV-Strahlung und längere Pollensaisonen führen zu mehr Notaufnahmen und ambulanten Behandlungen. „Nicht nur Herz-Kreislauf und Atemwege, sondern auch die Haut sind betroffen. Die Zahl der wolkenlosen Tage mit hoher UV-Belastung steigt, das Hautkrebsrisiko ebenso“, warnt Hutter.

„Der Klimawandel begünstigt zudem die Ausbreitung gebietsfremder Pflanzen wie Ragweed und neuer Vektoren wie der Tigermücke (Aedes albopictus). Die WHO spricht zu Recht von der größten Gesundheitsbedrohung der Menschheit. Anpassung ist nötig, aber das Herzstück der Bemühungen muss konsequenter Klimaschutz bleiben“, appelliert der Umweltmediziner.

„Die WHO spricht zu Recht von der größten Gesundheitsbedrohung der Menschheit.“

Hans-Peter Hutter, Umweltmediziner

Prävention wichtiger denn je

Die Spezialist:innen für Hautgesundheit sind die österreichischen Dermatolog:innen, die im Rahmen der Kampagne MEINE HAUTGESUNDHEIT auf den Zusammenhang zwischen Klimaveränderungen und Hauterkrankungen hinweisen: „Die Haut ist unser größtes Organ und spielt eine zentrale Rolle beim Schutz vor Umwelteinflüssen und der Regulierung der Körpertemperatur“, betont Robert Müllegger, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV). Der Klimawandel mit steigenden Durchschnittstemperaturen, häufigeren Hitzewellen und höherer Luftfeuchtigkeit hat signifikanten Einfluss auf die Temperaturregulation und führt damit zu einer Reihe von Hautveränderungen und -erkrankungen: „Hauterkrankungen wie Hitzebläschen, Akne, Intertrigo und Pilzinfektionen werden durch Hitze und/oder vermehrtes Schwitzen ausgelöst und verstärkt. Besonders betroffen sind Kinder, Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen.“ ÖGDV-Präsident Müllegger warnt auch vor der erhöhten UV-Belastung und verweist einmal mehr auf die nachteiligen Effekte von Sonnenlicht auf die Haut: „Sonnenbrand, Hautkrebs und beschleunigte Hautalterung nehmen zu. Prävention ist wichtiger denn je: Sonnenschutz, atmungsaktive Kleidung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind essenziell.“

Auswirkungen auf Allergiker:innen

Stefan Wöhrl, Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums, sieht dramatische Veränderungen für Allergiker:innen: „Verlängerte Pollenflugzeiten, neue Allergene und steigende Belastungen treffen rund 20 Prozent der Bevölkerung. Höhere CO₂- Werte wirken auf Pflanzen wie Dünger, die Pollenmenge steigt und neue Pflanzenarten wie Ragweed breiten sich aus.“ Extremwetterereignisse fördern zudem die Produktion von Schimmelpilzsporen, die häufig Asthma auslösen. „Phänomene wie ‚Thunderstorm Asthma‘ zeigen, wie dramatisch die Folgen sein können“, so Wöhrl.

„Klimaschutz ist die beste Investition in unsere Gesundheit – heute und für kommende Generationen.“

Helga Kromp-Kolb, Klimaforscherin

Atopische Erkrankungen, zu denen atopische Dermatitis (Neurodermitis), allergische Rhinokonjunktivitis (Heuschnupfen), allergisches Asthma und Nahrungsmittelallergien zählen, treten häufig gemeinsam auf. Früher sprach man vom „atopischen Marsch“. Heute ist bekannt, dass diese Erkrankungen auch unabhängig voneinander oder gleichzeitig auftreten können, jedoch besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, nach einer atopischen Erkrankung weitere zu entwickeln. Die gemeinsame Grundlage dieser Krankheiten ist eine sogenannte Typ-2-Entzündung. „Eine frühzeitige Behandlung, insbesondere durch eine allergenspezifische Immuntherapie, kann den Übergang von Heuschnupfen zu Asthma bei Kindern in bis zu 80 Prozent der Fälle verhindern und die Lebensqualität erheblich verbessern. Digitale Tools wie das Wiener Pollenservice unterstützen Betroffene dabei, ihren Alltag individuell an die aktuelle Pollenbelastung anzupassen“, klärt der Experte auf.

Die vier Expert:innen sind sich einig: Die Klimakrise ist in unserem Alltag angekommen – und sie geht buchstäblich unter die Haut. „Klimaschutz ist die beste Investition in unsere Gesundheit – heute und für kommende Generationen“, fasst Kromp-Kolb zusammen. Die Herausforderungen sind groß, aber mit entschlossenem Handeln auf individueller, gesellschaftlicher und politischer Ebene lassen sich die Risiken begrenzen und die Lebensqualität sichern.

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