Leben

Hier spielte Holz vor 6.000 Jahren eine große Rolle

Vor zehn Jahren wurden die „Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen“ zum Unesco-Weltkulturerbe. Eine Fundstätte liegt im Keutschacher See. Ihr Erhalt ist oberstes Ziel des Kuratoriums Pfahlbauten.

Vor rund 6.000 Jahren gab es mitten im Keutschacher See – vermutlich auf einer kleinen Insel – eine Gruppe von Gebäuden, die heute als älteste bekannte Pfahlbau-Siedlung in Österreich gilt. 111 Pfahlbau-Stätten in sechs Ländern zählen zum Unesco-Weltkulturerbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“. Gefunden wurden allerdings über 1.000 solcher Siedlungen, eine ähnlich alte gibt es auch im benachbarten Hafnersee. Am 27. Juni 2021 wird das zehnjährige Jubiläum der Eintragung in der Unesco-Welterbe-Liste gefeiert.

Gefunden wurde die jungsteinzeitliche Stätte im Keutschacher See bereits im Jahr 1864 vom Geologen Ferdinand Hochstätter. Heute ist das Kuratorium Pfahlbauten für das Management des Welterbes zuständig, in Kärnten ist Lieselore Meyer die Ansprechpartnerin.

Pfahlbauten im Keutschacher See

Die Fundstätte in Keutschach ist eine besondere, denn nur selten werden Pfahlbauten mitten in einem See gefunden. Was weiß man über sie? In dem kleinen Dorf, 65 mal 30 Meter groß, dürften 30 bis 50 Menschen gelebt haben. Ihre Hütten waren aus Holz gebaut, die auf relativ dünnen Pfählen (ca. 15 Zentimeter dick) standen. 1.684 solcher Pfähle wurden im See gefunden. Die erhaltenen Holz-Bauteile belegen, dass die Menschen damals schon unglaubliche Fertigkeiten in der Holzbearbeitung hatten.

Die Pfahlbau-Bewohner waren Jäger und Sammler, aber bewirtschafteten auch schon erste Ackerflächen und hielten Nutztiere (Ziegen, Schafe, Schweine). Außerdem hatte der Fischfang einen hohen Stellenwert. „Die Pfahlbau-Menschen haben damals ihre Umwelt stark verändert, sie genutzt und Abfälle hinterlassen. Das Insel-Dorf im Keutschacher See dürfte 200 Jahre lang bewohnt worden sein, es ist aber noch so viel unbekannt“, sagt Meyer.

Offene Fragen sind etwa: Wie wurden die Menschen begraben? Wie haben die Häuser genau ausgesehen?

So sehen die Pfähle im Keutschacher See aus. – Foto: Kuratorium Pfahlbauten

Fokus lag auf Laubhölzern

„Die Steinzeit könnte man eigentlich als Holzzeit bezeichnen“, spricht Meyer an, dass der Werkstoff Holz für den Hausbau, für Werkzeuge und Waffen verwendet wurde. Sogar ein hölzerner Angelhaken aus Fichte wurde im Keutschacher See gefunden. Für den Pfahlbau wurden damals vor allem Laubhölzer genutzt – Eiche, Erle, Rotbuche, Pappel, Linde und Esche. Größere im See liegende Eichen-Stämme gaben Aufschluss über das Alter der Siedlung durch die Jahresring-Datierung (Dendrochronologie). Durch das Messen der Breiten der Jahresringe kann das Fälljahr eines Baumes bestimmt werden. Das Muster von breiten und schmalen Ringen zeigt den Wechsel von klimatisch guten und schlechten Jahren. Durch den Vergleich mit Serien von Jahresringen anderer Hölzer bekannten Alters, die in der gleichen Region gewachsen sind, kann bestimmt werden, wann der Baum gefällt wurde.

Wofür die Eichen-Stämme einst gedacht waren, ist nicht bekannt. „Vielleicht sind es Überreste von unfertigen Einbäumen“, schätzt Meyer.

Matten sollen Welterbe schützen

Regelmäßig wird im Keutschacher See ein Monitoring durchgeführt und der Zustand der Pfahlbauten mit Fotos und Videos dokumentiert, die Ausdehnung der Kulturschicht vermessen und der Erosionsmarker abgelesen. Im Herbst sollten die Forschungstaucher wieder vor Ort sein. Im Vorjahr wurde damit begonnen, einen Teil der Fundstätte mit Erosionsschutzmatten aus Naturmaterialien abzudecken, um die Kulturschicht zu schützen. Da bisherige Ergebnisse vielversprechend sind, soll das heuer fortgesetzt werden.

Lieselore Meyer

"Die Steinzeit könnte man eigentlich als Holzzeit bezeichnen."

Sensibles Gebiet

Nicht nur Erosion stellt eine Gefahr für die Pfahlbauten im Keutschacher See dar. Auch der Zander ist ein Störenfried, denn wenn er seine Laichgruben anlegt, wedelt er mit den Flossen die Kulturschichten frei. Weitere Gefahren gehen von Fischern aus. „Daher ist es verboten, das Gebiet mit dem Boot zu befahren bzw. zu ankern und zu angeln. Es herrscht Tauchverbot und man darf nicht hinschwimmen und dort rasten.“ Schließlich liegt die Fundstätte nur rund 1,5 Meter unter der Wasseroberfläche.

Bewusstsein stärken

Da das Welterbe versteckt im See liegt und man es nicht sieht, ist die Vermittlung seiner Bedeutsamkeit für Meyer und ihre Kollegen gar nicht so einfach. „Wichtig ist uns, die regionale und lokale Bevölkerung für das Welterbe zu begeistern. Denn sie ist es, die auch zu dessen Erhalt beiträgt.“ In Keutschach hat sich bereits ein eigener Verein gegründet, der das Bewusstsein für die Pfahlbauten in der Gemeinde stärkt und einen eigenen Pfahlbau-Garten in Keutschach angelegt hat.

Bei Kindern ansetzen

In Klagenfurt arbeitet Meyer mit Schulkindern am Thema. Möglich macht das eine Kooperation mit der „wissenswertwelt“. Beim „Blue Cube“ am Südring wurde 2019 ein Pfahlbau-Garten angelegt, der immer weiter wächst. Der Garten beheimatet Pflanzen und Wildfrüchte, die in der Stein- und Bronzezeit von den Menschen gesammelt und angebaut wurden. „Gemeinsam mit Kindern arbeiten wir dort an der Gestaltung einer grünen Oase, an einem Rückzugsgebiet für Tier und Mensch. Gleichzeitig wird das Welterbe vermittelt.“ Es gibt Workshops zu den Pfahlbauten, zum Garteln und es wird auch vor Ort gearbeitet, getöpfert, Schmuck und Instrumente aus Naturmaterialien hergestellt etc. Es entstand schon ein Video, wie der Garten entsteht und heuer werden die Schüler dazu bloggen. 2019 erhielt man für das Gartenprojekt den „Brennnessel-Preis“ von „Blühendes Österreich“.

Ein Taucher beim Anbringen der Erosionsschutzmatten – Foto: Kuratorium Pfahlbauten
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