Gesundheit

Holz: Genial gesund

Das Human Research Institut für Gesundheitstechnologie und Präventionsforschung untersucht in verschiedenen Studien die Auswirkungen von Holz als Einrichtungsmaterial auf den Menschen. Das Resultat: Holz tut nicht nur Körper und Seele gut, sondern auch dem Herzen.

Tief im Wald, den Bäumen nahe, fühlen wir uns wohl. Wir tanken Kraft, können frei atmen, können sein. Und es passiert nicht selten, dass uns beschützt von riesigen Baumkronen die Ehrfurcht vor den uralten Giganten packt. Welche Geschichten würden sie erzählen? Wie viele Jahre thronen sie schon hier, jeder für sich, an ein und derselben Stelle? Werden sie uns Menschen überdauern? Ja, werden sie. Diese einzigartige Energie zwischen den imposanten Riesen ist spürbar, selbst die Kommunikation unter ihnen ist inzwischen wissenschaftlich belegt. Es ist längst kein befremdliches Bild mehr, wenn jemand mitten im Wald seine Arme um einen Baumstamm legt, ein und ausatmet. Der Mensch taucht ein in die Welt der Bäume. Wir suchen ihre Nähe und tanken ihre Kraft.

Holz als Stress-Vermeider?

Ganz fernab des mystischen Zaubers des Waldes, ohne die metaphorischen knorrigen Gestalten und das unendlich-satte Grün: Was steckt eigentlich im Material des Baumes? Wie viel Kraft hat ihr Holz, wenn es in unserer Welt zum Einsatz kommt? Lange schon kennt man die positiven Eigenschaften der Zirbe – doch mittlerweile weiß man, dass es nicht nur das Zirbenholz ist, das nachweislich Auswirkungen auf unseren Körper hat. Forscher des Human Research Instituts wollten beispielsweise wissen, inwiefern sich eine Inneneinrichtung aus Holz positiv auf Lernverhalten und Wohlbefinden von Schülern auswirkt. Dazu wurden im Zuge der Renovierung der Hauptschule im Ennstal zwei Klassenräume ausschließlich mit Tannen-, Fichten- und Zirbenholz ausgestattet und über ein ganzes Schuljahr intensiv beobachtet: Die Forscher verglichen Herzschlag und Vagustonus von Schülern der beiden Holzklassen mit denen der Standardklassen. Pro Klasse nahmen jeweils zehn Schüler teil, jeden zweiten Monat wurde in einem 24-Stunden-EKG ihr Herzschlag gemessen. Und das Ergebnis ist bemerkenswert: Bei gleicher Konzentrations- und Notenleistung benötigten die Schüler der Holzklassen im Durchschnitt 8.600 Herzschläge weniger pro Tag als ihre Kammeraden in den Standardklassen. Außerdem wiesen sie einen höheren – für das Herz günstigen – Vagustonus auf. Der Vagustonus spielt in der Medizin eine wichtige kardioprotektive Rolle: Er schützt unser Herz nämlich vor Infarkt und Schädigung.

Projekt Fichtenholz

Eine weitere Studie befasste sich speziell mit dem Holz der heimischen Fichte. Hier wurde nachgewiesen, dass sich ein mit massiver Fichte ausgestatteter Raum positiv auf die Konzentrationsleistung von Menschen auswirkt. Subjektiv erlebten die rund 50 Testpersonen die mentale Belastung im Vollholz-Raum als weniger beanspruchend als im Holzimitat-Raum. Wieder war die Herzrate im Vollholz-Raum niedriger, der herzgünstige Vagustonus höher. Das Berühren von raumwarmem Aluminium, kühlem Plastik und rostfreiem Stahl verursacht eher Stressreaktionen im Körper, was sich in anderen Studien an einer Erhöhung des Blutdruckes zeigte. Das Berühren einer Holz­oberfläche dagegen rief eine solche Reaktion nicht hervor, im Gegenteil: Holz gibt Menschen ein Gefühl von Geborgenheit und Wärme.

Die gute alte Zirbe

Um die Auswirkungen von Zirbenholz auf die Belastungs- und Erholungsfähigkeit zu untersuchen, wurden 30 Erwachsene in einem Zirbenholzzimmer und einem identisch gestalteten Holzdekorzimmer mit Hilfe hochauflösender EKG-Rekorder beobachtet. Im „Zirben-Zimmer“ konnten sich die Testpersonen schneller von körperlichen und mentalen Belastungssituationen erholen. Das äußerte sich in einer niedrigeren Herzrate sowie einem beschleunigten vegetativen Erholungsprozess. Nach der reduzierten Herzfrequenz im Tagesverlauf zeigte sich anschließend auch eine bessere Nachterholung. Die Testpersonen sparten im Durchschnitt 3.500 Herzschläge pro Tag. Das entspricht etwa einer Stunde Herzarbeit. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. Außer, dass uns die Riesen des Waldes nicht nur Wohlgefühl schenken, sondern auch messbare Gesundheit. In ihrer und unserer Welt.

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