Fritz Klaura, Landesinnungsmeister der Holzbaumeister
© Sissy Furgler
Holzbauten können komplett rückgebaut oder einzelne Elemente daraus recycelt werden. „Die Zukunft gehört geschlossenen Stoffkreisläufen und damit neuartig konzipierten Konstruktionen und Bautechnologien“, erklärt Fritz Klaura, Landesinnungsmeister der Holzbaumeister. „Wir verstehen unsere gebaute Umwelt zunehmend als Materiallager, danach richten sich Planung und Bauweisen.“ So untersucht das Projekt „Circular Timber“ der Technischen Universität Wien neue Strategien zur Wiederverwendung von Bauteilen aus Holz. Durch Verbindungstechniken, die sich zerstörungsfrei lösen lassen, können Bauteile ohne Qualitätsverlust und Abfall wiederverwendet werden. In dem Forschungsprojekt wird analysiert, welche Methoden sich am besten dafür eignen. Ziel ist es, einen konkreten Mehrwert für die österreichische Holz- und Holz-Hybridbaubranche zu schaffen.
Fritz Klaura, Landesinnungsmeister der Holzbaumeister
© Sissy Furgler
Vom Einkaufszentrum zum Bürotrakt
Ein Beispiel für Kreislaufwirtschaft sind die Büroräumlichkeiten des niederösterreichischen Standorts von Knorr-Bremse, eines internationalen Produzenten für Bremssysteme. Das Großraumbüro wurde auf einer Fabrikationshalle in Holzbauweise aufgestockt. Als das G3-Einkaufszentrums in der nahegelegenen Gemeinde Gerasdorf umgebaut wurde, wurden die Brettsperrholz-Elemente des Daches demontiert, nachbearbeitet und für die Büro-Aufstockung auf einer Brettschichtholztragkonstruktion als Dachplatten verwendet. In nur vier Wochen waren die Elemente in Gerasdorf demontiert und in Mödling wieder montiert.
Hohe Tragfähigkeit
Holz eignet sich wie kein zweiter Baustoff für Aufstockungen, weil es bei vergleichsweise geringem Eigengewicht über eine extrem hohe Tragfähigkeit verfügt. Darüber hinaus punktet Holz als heimischer nachhaltiger Baustoff und schafft ein angenehmes Raumklima. Im Inneren wird das Großraumbüro von Knorr-Bremse von Sichtinstallationen und akustisch wirksamen abgehängten Deckensegeln zwischen den massiven Holzträgern dominiert. In der Bürolandschaft wurden Akzente durch farbige Wände gesetzt, Sideboards wurden mit Aufsatzblumentrögen ausgestattet.
© Fritz Klaura
Holzbau braucht mehr als Sympathie
Holzbau ist derzeit sehr beliebt. Vielleicht zu beliebt. Denn am Ende entscheidet nicht die Sympathie für einen Baustoff, sondern ob er funktioniert. Die Herausforderungen für die Immobilienwirtschaft sind mannigfaltig und können nicht von einem Baustoff allein gelöst werden. Holz kann eine gute Basis für Nachhaltigkeit sein, es erlaubt die Reduktion des CO2-Ausstoßes bei Sanierung und Neubau, sorgt für ein angenehmes Raumklima und steigert das Wohlbefinden der Menschen, die diese Gebäude nutzen. Holzbau leistet gute und konsequente Lobbyarbeit in den diversesten Gremien und trotzdem: Für ein funktionierendes System, das der Immobilienwirtschaft insgesamt hilft, ist das zu wenig.
Peter Engert, Geschäftsführer der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft
© ÖGNI
Was braucht die Immobilienwirtschaft? Ausreichende Mengen in erstklassiger Qualität, reibungslos funktionierende Projekte zu attraktiven Preisen und einfache und effiziente Abläufe. Nur mit Modulbau können die Anforderungen der europäischen Gebäuderichtlinie an den Immobilienbestand in Europa wirtschaftlich und zeiteffizient gelöst werden. Nur mit funktionierenden Leichtbausystemen wird es uns gelingen, bereits versiegelte Fläche effizienter zu nutzen und Aufstockungen und andere Verdichtungsmaßnahmen umzusetzen. Der Markt in Österreich und vor allem in Europa ist enorm, der regulatorische Druck, die Sanierung des europäischen Gebäudebestandes endlich wirklich anzugehen, erhöht sich mit jedem Jahr. Denn Europa hat das Ziel, bis 2050 auch den Immobilienbestand CO2-frei bewirtschaften zu wollen, nicht aufgegeben.
Wie kann ein Holzbauunternehmen erfolgreich in die Zukunft geführt werden? Eines ist klar: Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei. Es braucht Abstimmung und Kooperationen, wenn der Holzbau über einzelne, herausragende Benchmark-Projekte hinaus erfolgreich sein will. Holzbau wird dann erfolgreich sein, wenn er als System mit vielen anderen Komponenten gemeinsam gedacht wird. Es braucht ein Zusammenspiel bei Planung, Vorfertigung, Logistik und Montage. Es wird zunehmend uninteressant für die Bauherren, Gewerke einzeln zu vergeben. Der Modulbau mit Elementen, die alle Installationen, Dämmungen, Fenster oder Türen beinhalten, wird zukünftig unsere Bauwirtschaft prägen. Schnellere Montage mit Zeitgewinn und geringerer Belastung der Umgebung steigert die wirtschaftliche Attraktivität von Projekten. Effizientes Management von Wasser, Abfall und Baustellenemissionen ist gerade bei Sanierungs- und Verdichtungsprojekten sehr wertvoll.
Die Chancen stehen vor der Tür und sind immens. Ob der Holzbau sie nutzen kann, wird nicht die Sympathie entscheiden, sondern die Leistung. Denn Holzbau wird nicht daran gemessen, wie gut er gemeint ist, sondern wie gut er funktioniert.