Landesrat Peter Reichmann
© Büro LR Reichmann
Der Bildungsexperte und Jurist Peter Reichmann wurde im Oktober 2025 als Landesrat in der Kärntner Landesregierung angelobt. Als Nachfolger von Sara Schaar übernahm er zunächst die Referate Kinder- und Jugendhilfe, Bildung, Jugend, Generationen und Senioren, Klima- Natur- und Umweltschutz, Parke, Abfallwirtschaft und Wasserrecht. In der Vergangenheit leitete Reichmann unter anderem die Abteilung Bildung, Jugend und Kultur in der Arbeiterkammer Kärnten, zuletzt war er als Präsidialleiter der Bildungsdirektion für Kärnten tätig.
Anfang März 2026 gab Landesparteiobmann Daniel Fellner im Rahmen einer Pressekonferenz Änderungen in der Referatsverteilung bekannt, die mit der Amtsübergabe von Landeshauptmann Peter Kaiser an Fellner Gültigkeit erlangen werden. Demnach übernimmt Landesrat Reichmann die Referate Bildung, Fachhochschulwesen und andere universitäre Einrichtungen, Lebenslanges Lernen, Kinder- und Jugendhilfe sowie Gesellschaft (Jugend, Familien, Senioren).
Im Gespräch mit advantage teilt Reichmann seine Ansichten über sinnvolle Synergien im Bildungsbereich, pragmatische Zugänge zu lebenslangem Lernen und einen positiven Blick auf Kärnten als Bildungs- und Lebensraum.
Peter Reichmann: Ich möchte ein ganz klares Bekenntnis dazu abgeben, wie sehr ich mich über die Referatsverteilung freue. Ich halte es für essenziell, dass Bildung als Gesamtes – von Elementarpädagogik über den tertiären Bildungsbereich bis hin zum lebenslangen Lernen – in einer Hand liegt. Nur so können Synergien wirklich gut genutzt werden; und nur so kann ein Bildungssystem aufgebaut werden, das die Talente der Menschen so erkennt und unterstützt, dass für alle Kärntner:innen das Motto „Leistung, Aufstieg, Sicherheit“ gilt. Das bedeutet, dass die Menschen mit dem Rahmen, den wir zur Verfügung stellen, die bestmögliche Qualifikation für ihre intrinsische Motivation und Talente finden sollen, und sich demensprechend ein gutes Leben sichern können. Ich bin überzeugt, dass es hier den Mut zur Haltung braucht.
Landesrat Peter Reichmann
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Meine Ausbildung beeinflusst mich auf jeden Fall – ich glaube, alles, was man im Leben macht, hat in gewisser Weise Auswirkungen auf das eigene Tun. Neben der Juristerei habe ich auch einen MBA in Change Management und Leadership gemacht. Außerdem durfte ich durch meine vielfältigen Hobbies viel für mich selbst als Person und Persönlichkeit lernen. All diese Aktivitäten haben ja gemeinsam, dass man sich Wissen aneignet und mit Menschen spricht, Meinungen wahrnimmt und diese dann in ein Gesamtbild einfügt. Und ja: Für mein politisches Tun sind sowohl meine Ausbildung als auch meine berufliche Vorerfahrung, vor allem aber die zahlreichen Diskussionen im Freundes-, Bekannten- und Familienkreis von unschätzbarem Wert. All diese Aspekte beeinflussen mich darin, meine Arbeit als Landesrat nach bestem Wissen und Gewissen, aber vor allem mit viel Freude und Motivation zu tun.
Aufgrund der bisher fehlenden Referatszugehörigkeit konnte ich noch keine vertiefenden Gespräche führen, was den Hochschulbereich anbelangt. Aber ich bin der Überzeugung: Wenn mehrere Player zusammenarbeiten und alle ihr besonderes Talent mitbringen, sodass man zwischen den Stärken der Menschen vermitteln kann, dann entsteht der größtmögliche Outcome. Die Zusammenarbeit zwischen Kärnten und der Steiermark läuft in den Bereichen Wissenschaft und Forschung seit vielen Jahren sehr gut. Im Rahmen der gemeinsamen Hochschulkonferenz werden mittlerweile gemeinsame Projekte auf den Weg gebracht, mit denen nicht zuletzt die internationale Sichtbarkeit der Forschungsregion Südösterreich erhöht werden soll. Wir wollen die besten Rahmenbedingungen für die Kärntner:innen schaffen – und deswegen ist es essenziell, gut zusammenzuarbeiten, sich gut abzustimmen und sinnvolle Kooperationen einzugehen. Nur so können wir unsere Zukunft positiv gestalten.
Landesrat Peter Reichmann
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Kärnten hat, was den Lebensraum betrifft, hervorragende Bedingungen. Wir haben Berge und Seen – wir haben, zugegebenermaßen, nicht die größten Städte – aber wir haben auch urbane Zentren wie Klagenfurt und Villach, und wir haben wichtige ländliche Regionen. Dazu bietet Kärnten außergewöhnliche Bildungs- und Betreuungsangebote. Für junge Kärntner:innen gibt es durch sinnvolle Kooperationen die Möglichkeit, sich wunderbar qualifizieren zu können. Hervorzustreichen ist dabei auch die enge Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen und Wirtschafts- sowie Industriebetrieben. Damit wir den Brain Drain durch einen Brain Gain ersetzen können, müssen wir zuerst Talente entdecken und fördern und dann auch die entsprechenden Arbeitsplätze anbieten. Und ja, hier gibt es noch Einiges zu tun. Ich bin aber zutiefst überzeugt, dass Kärnten jetzt schon wunderbare Rahmenbedingungen bietet, um sich entweder hier niederzulassen oder hier zu bleiben.
Ich habe zum lebenslangen Lernen einen sehr pragmatischen Zugang. Ich selbst habe im Rahmen meiner Hobbys von vielfältigen Ausbildungen profitiert – all das ist lebenslanges Lernen. Es braucht nicht nur die formalen Bildungswege, bei denen ich am Schluss ein Zeugnis in der Hand halte oder irgendeinen Titel ausgestellt bekomme. Stattdessen braucht es ein Bewusstsein dafür, dass wir jeden Tag Situationen ausgesetzt sind, aus denen wir etwas lernen können. Auch non-formale Ausbildungen können einen immensen Wert haben – es ist wichtig, dass wir diese Zusammenhänge sehen und die Möglichkeiten erkennen, die darin liegen. Ich bin ein großer Fan der Frage: Cui bono? Warum tun wir Menschen etwas? Was treibt uns an? Hier ist meine Vision als Bildungslandesrat: Wir schaffen Rahmenbedingungen, in denen Menschen Chancen für sich erkennen können und die, in Kombination mit einer gewissen Konsequenz und Leistung, gesellschaftlich und volkswirtschaftlich einen klaren Mehrwert bieten.