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Wirtschaft
02.09.2025

In Vielfalt vereint: Gemeinsam für ein starkes Europa!

Am 1. Jänner 2025 jährte sich der Beitritt Öster­reichs zur Euro­päischen Union (EU) zum 30. Mal: Drei Jahr­zehnte EU-Mit­glied­schaft haben Öster­reich nach­haltig geprägt.

30 Jahre Österreich in der EU! In der aktuellen advantage Ausgabe blicken wir aus der Perspektive des „großen Ganzen“ auf Südösterreich: Mit der Eröffnung der Koralmbahn wachsen Kärnten und die Steiermark zu einem Wirtschafts- und Lebensstandort im Herzen Europas zusammen. Doch was bringt uns die EU und wie kann es gelingen, dass Europa wettbewerbsfähiger wird? Und vor allem: Was erwartet sich die jüngere Generation in Zukunft von der EU? Wir haben Nachwuchsführungskräfte aus Kärnten und der Steiermark zu Wort gebeten.

Nika Basic, Landesvorsitzende Junge Wirtschaft Kärnten und Vizepräsidentin der WK Kärnten

„Die EU hat Südösterreich wirtschaftlich gestärkt – doch für die nächsten 30 Jahre braucht es mehr Mut zur Reform. Wir brauchen weniger Regulierung und mehr Tempo bei Genehmigungen, um Innovation zu ermöglichen statt zu bremsen. Zukunftstechnologien müssen aktiv gefördert werden – mit gezielten Investitionen, einfacherem Zugang zu Kapital und weniger Hürden. Gerade Start­ups brauchen in Europa echte Wachstumschancen. Viele wandern nach der Gründung in die USA ab, weil dort Skalierung möglich ist. Das muss sich ändern. Die EU darf nicht Weltmeisterin im Regulieren sein, sondern muss Standort für mutige Ideen und wirtschaftliche Dynamik werden. Wir Jungen wollen ein Europa, das Chancen schafft, nicht verhindert. Jetzt ist die Zeit, unternehmerisches Denken ins Zentrum europäischer Politik zu stellen.“

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Christian Wipfler, Landesvorsitzender der Jungen Wirtschaft Steiermark

„30 Jahre EU­Mitgliedschaft bedeuten für Südösterreich 30 Jahre voller Chancen: ein offener Markt, grenzenloser Handel, Investitionen in Infrastruktur, Forschung und Innovation. Unsere Betriebe profitieren vom Binnenmarkt, qualifizierten Fachkräften und gemeinsamen Standards, die Planungssicherheit geben. Gleichzeitig stehen wir vor Herausforderungen: überbordende Bürokratie, praxisferne Regelungen und fehlende Flexibilität. Für die Zukunft wünschen wir uns eine unternehmerfreundlichere EU, die regionale Besonderheiten anerkennt und KMU gezielt unterstützt. Ein zentraler Wunsch: ein echter europäischer Kapitalmarkt. Trotz freiem Kapitalverkehr verhindern derzeit nationale Hürden eine einheitliche Finanzierungslösung für Unternehmen. Weniger Regulierung, mehr Vision! Die EU soll Partner sein – nicht nur Regelsetzer. Gemeinsam sichern wir Europas wirtschaftliche Stärke.“

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Barbara Pegam, Wirtschaftsexpertin der Arbeiterkammer Kärnten

„Meiner Meinung ist die EU weltweit von bedeutendem Charakter und ich bin froh, in einer einzigartigen Gemeinschaft wie dieser zu leben und erlebe beruflich und privat beinahe täglich, dass wir stark davon profitieren. Jedoch glaube ich, dass die EU gegenüber den anderen Volkswirtschaften „selbstbewusster“ auftreten muss – sowie auch die Region Südösterreich. Kärnten hat meiner Ansicht nach als Wirtschafts- und Lebensstandort viel mehr zu bieten, als derzeit möglich ist. Vieles bleibt, so finde ich, ungenutzt – hier spreche ich vor allem das Potenzial der Jungen an. Ein Großteil davon, auch in meinem Freundeskreis, wandert ab oder kehrt nicht mehr nach Kärnten zurück, weil sie hier oft keine Zukunft sehen oder attraktive Jobs fehlen. Die EU sollte u. a. hier ansetzen und betroffene Regionen, deren Entwicklung und Stärken gezielt unterstützen. Allgemein wünsche ich mir mehr Nähe zur Bevölkerung und soziale Gerechtigkeit, indem auch die Interessen der Arbeitnehmer:innen stärker in den Fokus gerückt werden.“

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Paul Sommeregger, Geschäftsführer der IAB Industrieanlagenbau und für die IV im Vorstand des Europahaus Klagenfurt

„Für Südösterreich ist die EU viel mehr als ein politisches Konstrukt, sie ist die Basis für wirtschaftliche Stabilität, Innovation und Zusammenhalt. Besonders im Alpen-­Adria-­Raum erleben wir tagtäglich, wie Europa im besten Sinne funktioniert. Grenzen, die früher getrennt haben, verbinden heute. Kooperationen bringen neue Märkte und frische Impulse. Als Unternehmer und überzeugter Europäer sehe ich die vielen Vorteile, die der Binnenmarkt, EU­-Förderungen und der freie Personenverkehr bieten. Das reicht von der Fachkräftegewinnung bis zur Expansion über Landesgrenzen hinweg. Gleichzeitig bringt die EU aber auch Herausforderungen mit sich: Bürokratie bremst oft, wo eigentlich Dynamik gefragt wäre, und die Förderprogramme sind teils zu komplex. Was ich mir von der EU für die Zukunft wünsche? Weniger Bürokratie und Reglementierung in der EU, mehr Stärke nach außen, Mut zur Vereinfachung und eine echte Nähe zu den Regionen, sowohl finanziell als auch politisch. Die EU darf kein entfernter Player sein, sondern muss noch mehr ein echter Partner vor Ort werden.“

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Miriam Jobst, Assistenz der Landesgeschäftsführung AMS Kärnten

„Als junge Südösterreicherin bin ich mit der EU aufgewachsen – Austauschprogramme, freies Reisen und grenzüberschreitende Projekte sind für mich Realität. Doch hinter diesen Möglichkeiten stehen Werte wie Zusammenarbeit, Frieden und wirtschaftlicher Zusammenhalt. Für unsere Region bedeutet die EU Zugang zu Fördermitteln, Innovation und stabile Partnerschaften – besonders wichtig für Klein­ und Mittelbetriebe. Gleichzeitig wünsche ich mir von der EU mehr Mut zu Vereinfachung und echte Zukunftsorientierung: weniger Bürokratie, mehr Klimaschutz, digitale Chancen und Beteiligung junger Menschen an politischen Entscheidungen. Die EU ist kein fertiges Projekt, sondern ein gemeinsamer Prozess – und ich möchte mitgestalten, damit sie auch für kommende Generationen ein Raum der Chancen bleibt.“

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Tim Singer, Junior Decarbonisation Specialist, Wietersdorfer Alpacem GmbH

„30 Jahre EU­Mitgliedschaft sehe ich persönlich sehr positiv! Für uns Junge im Süden Österreichs, aber ich denke auch ganz allgemein und ohne regionale Abgrenzung, bedeutet es vor allem Chancen: Freier Handel, größtenteils frei zugänglicher Arbeitsmarkt, eine gemeinsame Währung, Reisefreiheit und Austauschprogramme wie Erasmus haben unzählige Möglichkeiten eröff net und Platz für Karrieren und die Verwirklichung von Lebensträumen geschaffen. Die Wirtschaft profitiert vom Binnenmarkt, freien und fairen Wettbewerb und zahlreichen Förderprogrammen, die Innovationen, Investitionen in klimaschützende Maßnahmen und sozialen Ausgleich unterstützen. Gleichzeitig stehen wir vor großen Herausforderungen: Klimawandel, Digitalisierung und der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit auf internationalen Märkten. Von der EU wünsche ich mir, dass sie Bürokratie abbaut, zielgerichtetere Förderprogramme etabliert und sich auf ihre Stärken besinnt. Ein starkes Europa bedeutet, das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen, Mut zu Reformen sowie aufrichtige und ehrliche Politik!“

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Selina Erdkönig, Communications & Corporate Affairs Manager, Knapp AG

„Als jemand, der Österreich nur als EU­-Mitglied kennt – der Beitritt erfolgte ein Jahr vor meiner Geburt – habe ich nur durch Erzählungen einen Eindruck davon bekommen, wie bedeutend dieser Schritt war. Heute ist beispielsweise der nahezu mühelose Grenzübertritt in weiten Teilen Europas für mich selbstverständlich – ein enormer Vorteil, auch wirtschaftlich. Ein Beispiel: Kolleg:innen aus Slowenien pendeln täglich ohne Probleme nach Graz. Hier erleichtert die EU grenzüberschreitende Fachkräftesuche und fördert Mobilität. Gleichzeitig wünsche ich mir klarere Regelungen, wie beispielsweise für den Austritt aus der EU – beim Brexit standen viele Unternehmen vor großen Unsicherheiten. Für die Zukunft wünsche ich mir ein Europa, das weniger im Konkurrenzdenken verharrt, sondern mehr auf gegenseitige Stärken setzt und voneinander lernt – für ein starkes Europa.“

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Patrick Hirtl-Stelzer, Co-Vorsitzender der Jungen Industrie Steiermark

„Frieden ist für uns selbstverständlich – und genau das zeigt, wie wertvoll die EU ist. Wir sind in einer Generation aufgewachsen, die keinen Krieg kennt. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis europäischer Zusammenarbeit, der sich Österreich vor 30 Jahren angeschlossen hat. Doch ihr Ursprung als Friedensprojekt gerät oft hinter Bürokratiekritik und Detaildebatten in Vergessenheit. Natürlich: Die EU wirkt manchmal schwerfällig – wir regulieren viel und gestalten zu wenig. Aber gerade in Südösterreich sehen wir, was sie kann. Der Binnenmarkt war für die exportstarke Steiermark ein Gamechanger. Die Regionen profitieren von EU-­Förderungen, Erasmus+ öffnet jungen Menschen Türen. Und der Wunsch vieler Länder, dazuzugehören, zeigt: Die Idee Europa lebt. Was es jetzt braucht? Mut zur Neuausrichtung – weg vom Verwalten, hin zum Gestalten. Damit Europa stark bleibt, sowohl wirtschaftlich, gesellschaftlich als auch (verteidigungs­)politisch.“

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Barbara Wrolich, Projekt-Managerin, Slowenischer Wirtschaftsverband Kärnten

„Für meine Generation war Europa nie eine ferne Idee, sondern gelebter Alltag: offene Grenzen, Austausch, Chancen, Freundschaften ohne Grenzen. Diese Freiheiten sind keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis von Zusammenhalt und mutigen Entscheidungen. Die EU hat gezeigt, was möglich ist, wenn Menschen zusammenhalten. In einer Zeit voller Krisen und globaler Unsicherheiten muss sie beweglich, mutig und nah an den Menschen bleiben. Bürokratie darf nicht lähmen, Machtspiele nicht spalten. Fehlende Nähe und zu viel Technokratie haben schon einmal das Vertrauen der Menschen erschüttert – man denke an den Brexit. Wir brauchen weniger Stillstand, mehr Mut zu unkonventionellen Lösungen. Vielfalt, Respekt, Freiheit und echtes Miteinander müssen gelebt werden, um über Grenzen hinweg gemeinsam Antworten zu finden. Zukunft heißt Teilhabe, Resilienz und die Kraft, im Wandel zu wachsen. Europa kann Vorbild sein – wenn es den Menschen dient, statt nur Strukturen zu verwalten.“

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WISSENSWERT

Zwei Drittel der Österreicher:innen haben am 12. Juni 1994 im Rahmen einer Volksabstimmung für den EU-Beitritt votiert. Die Integration in den EU-Binnenmarkt führte u. a. zu einem Wegfall von Zollkontrollen und Wartezeiten und damit zu erheblichen Kosteneinsparungen für die Unternehmen.

Seit der EU-Mitgliedschaft ist Österreichs Wirtschaft im Schnitt um + 0,7 Prozent pro Jahr stärker gewachsen. Die österreichischen Exporte in andere EU-Länder haben sich mehr als vervierfacht. Von 1995 bis 2027 flossen bzw. fließen knapp 8 Mrd. Euro an EU-Förderungen in regionalpolitische Projekte in Österreich. Zusammen mit nationalen Mitteln wird damit ein Gesamtinvestitionsvolumen von fast 29 Mrd. Euro erreicht.

Quelle: WKÖ

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