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Wirtschaft
26.11.2025

Innoregio Süd: Zukunft im Gespräch

Bei den Innovationsgesprächen von IV Kärnten und IV Steiermark standen die digitale Transformation und der Wirtschaftsraum Südösterreich im Zentrum.

Rund 150 Vertreter:innen aus Industrie, Forschung und Politik trafen sich kürzlich im Rahmen der Innovationsgespräche der Innoregio Süd bei der Infineon Technologies Austria AG in Villach. Bei der von der Industriellenvereinigung Kärnten und der Industriellenvereinigung Steiermark initiierten Veranstaltung wurden die Chancen der digitalen Transformation und die Dynamik des neuen Wirtschaftsraums zwischen Kärnten und Steiermark diskutiert.

Koralmbahn als wichtige Chance

„Die digitale Transformation verändert unsere Industrie in einem Tempo, das wir vor wenigen Jahren kaum für möglich gehalten hätten“, betonte Timo Springer, Präsident der Industriellenvereinigung Kärnten, in seiner Eröffnungsrede. Künstliche Intelligenz, Data Sharing oder smartes Manufacturing seien längst keine Zukunftsthemen mehr, sondern würden bereits heute Wertschöpfungsprozesse, Geschäftsmodelle und internationalen Wettbewerb prägen. Entscheidend sei nun, „wie wir diese Technologien erfolgreich in unsere Unternehmen integrieren“. Dazu brauche es Mut zur Veränderung, Investitionsbereitschaft und vor allem Menschen, die den Wandel aktiv mitgestalten wollen, so Springer. Mit der Koralmbahn wachse ein Wirtschaftsraum, der Kärnten und die Steiermark näher zusammenrücken lasse als je zuvor. „Aber nur weil der Zug fährt, fährt die wirtschaftliche Entwicklung nicht automatisch mit. Es braucht gemeinsame Initiativen und klare Abstimmung.“

„Nur weil der Zug fährt, fährt die wirtschaftliche Entwicklung nicht automatisch mit.“

Timo Springer, Präsident der Industriellenvereinigung Kärnten

„Die Koralmbahn ist ein echter Gamechanger“, unterstrich auch Kurt Maier, Präsident der Industriellenvereinigung Steiermark und Vorsitzender der innoregio styria. „Sie schafft eine neue wirtschaftliche Agglomeration zwischen Graz und Klagenfurt mit dem Potenzial, zur zweitgrößten Metropolregion Österreichs zu werden.“ Kürzere Pendelzeiten, eine höhere Standortattraktivität und eine bessere Nutzung regionaler Arbeitskräfte würden Impulse für Innovation und Wachstum bringen. Damit diese Potenziale Realität werden, brauche es jedoch eine strategische Standortentwicklung, moderne Gewerbezonen und eine proaktive internationale Vermarktung des Wirtschaftsraums.

„Die Koralmbahn ist ein echter Gamechanger.“

Kurt Maier, Präsident der Industriellenvereinigung Steiermark und Vorsitzender der innoregio styria

Schon jetzt ist die Region in vielen Bereichen Vorreiter: International erfolgreiche Industrieunternehmen, Spitzenforschungseinrichtungen wie Silicon Austria Labs, Joanneum Research, Fraunhofer, W3C, Lakeside Labs sowie leistungsfähige Hochschulen sind nur einige von zahlreichen Beispielen. Technologiereferentin Gaby Schaunig verwies auf die jahrelange Vorbereitung des neuen Wirtschaftsraumes: „Wir haben es geschafft, entlang dieser Strecke Innovation zu verankern, von Villach über St. Paul bis in die Steiermark – durch gemeinsame Forschungseinrichtungen, den Ankauf von Grundstücken und einer Wohnbaupolitik, die dieser Achse folgt.“ „Und wir haben als Regierungskollegium 116 Maßnahmen definiert, die im Hinblick auf den Start der Koralmbahn zu erledigen sind. In erster Linie geht es darum, wie wir die Verbindung hinaus in die Regionen bringen, und so einen Flächenvorteil schaffen“, ergänzte Wirtschaftsreferent Sebastian Schuschnig. Wichtig sei im Hinblick auf die Digitalisierung vor allem auch entsprechende Infrastruktur: „Bis 2029 errichten wir deshalb quer durch Kärnten 4500 Kilometer Glasfaserverbindungen.“

Digitalisierung in der Industrie

Als Keynote Speakerin ging Sabine Herlitschka, CEO der Infineon Technologies Austria AG, auf die digitale Transformation der Industrie ein: „Infineon blickt auf 55 Jahre gelebte Industriegeschichte zurück, von der verlängerten Werkbank zum forschungsstärksten Unternehmen Österreichs.“ Auf die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis sagte sie: „Es sind die Mitarbeiter:innen, die zum Unternehmen stehen, und der Anspruch, die Antworten zu haben, wenn andere die Fragen stellen.“ Eine wichtige Rolle spiele inzwischen auch die KI: „Wir setzen Künstliche Intelligenz bei Infineon gezielt ein, in der Produktion, in unseren Abläufen und wir stellen die Energieversorgung für Künstliche Intelligenz zur Verfügung.“ Dazu brauche es einen klaren Fokus: „Digitalisierung muss Komplexität lösen. Und dafür müssen Fähigkeiten, Talente und Datensicherheit im Mittelpunkt stehen.“

„Digitalisierung muss Komplexität lösen.“

Sabine Herlitschka, CEO der Infineon Technologies Austria AG

Im Gespräch mit Moderator Thomas Cik von der Kleinen Zeitung forderte Alexander Windbichler, CEO von Anexia, mehr digitale Souveränität für den Wirtschaftsraum Europa – inklusive eigener Anbieter, Infrastruktur und klarer Regeln für internationale Plattformen. Nicht zuletzt mangele es an Selbstvertrauen: „Normale Rechenzentren mit 10 bis 30 Megawatt Leistung können wir in Kärnten problemlos bauen, wir brauchen dafür nur mehr Selbstbewusstsein.“ Johanna Pirker, Professorin für Informatik an der TU München, schloss sich an: „Wir müssen viel schneller werden, und europäisch denken, nicht lokal.“ Ihre zentrale Botschaft: „Europa hat Top-Technologien, spannende Unternehmen und kluge Menschen. Aber wir dürfen uns nicht totregulieren.“ Und Heinz Mayer, Geschäftsführer von Joanneum Research, betonte die Bedeutung von MINT-Fächern, angewandter Forschung und gezielten Kooperationen mit der Wirtschaft: „Wir haben spät begonnen, in MINT zu investieren, aber jetzt passiert viel. Entscheidend ist es, die richtigen Menschen zu gewinnen.“

Kompetenzzentrum Südösterreich

IV-Geschäftsführerin Claudia Mischensky zufolge soll die Wirtschaftsregion Südösterreich ein Zentrum für Kompetenzentwicklung im digitalen Bereich werden: „Die Wirtschaftsregion Süd verfügt über enormes Potenzial. Jetzt gilt es, sie mit klaren Schwerpunkten und gemeinsamer Positionierung weiterzuentwickeln. Und das werden wir nur mit viel Know-how und Strahlkraft schaffen.“ Und auch Christoph Robinson, Geschäftsführer der IV Steiermark, unterstrich den Wert gemeinsamer Projekte: „Die Koralmbahn wird bestehende Kooperationen noch vertiefen. Was wir unter anderem brauchen, ist MINT-Nachwuchs, und erfolgreiche Modelle wie den ‚Science Garden‘ in der Steiermark, an dem alle Hochschulen mitwirken, können wir auf den Wirtschaftsraum Süd ausdehnen.“ Die Chancen würden auf dem Tisch liegen, jetzt gehe es darum, sie zu nutzen, so der gemeinsame Appell.

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