Delegationsbesuch im Kloster Wernberg. © Klimabündnis
Wirtschaft
09.05.2022

„Jetzt geht es darum, ins Tun zu kommen“

Das Klimabündnis betreut Gemeinden, Schulen, Kindergärten und Betriebe.

Das Klimabündnis ist eine globale Partnerschaft zum Schutz des Klimas und verbindet mittlerweile mehr als 1.700 Gemeinden in 27 Ländern Europas mit indigenen Völkern in Südamerika. Die gemeinsamen Ziele sind: Die Verringerung der Treibhausgas-Emissionen und der Erhalt des Amazonas-Regen­waldes. advantage hat mit Pressesprecher Hannes Höller über die Klimabündnis-­Arbeit gesprochen und nachgefragt, warum es gerade heutzutage so wichtig ist, den Klimaschutz in den Fokus des Handelns zu stellen.

advantage: Seit wann gibt es das Klimabündnis in Österreich bzw. in Kärnten?

Hannes Höller: Die Idee zu einem Bündnis zwischen indigenen Organisationen des Amazonasgebietes mit europäischen Städten und Gemeinden entstand bei den Amazonientagen in Berlin im Jahr 1989. Ein Jahr später wurde diese Klimabündnis-Idee vom Österreichischen Informationsdienst für Entwicklungspolitik nach Österreich gebracht. Von Villach aus wurden die Aktivitäten koordiniert und das Klimabündnis auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet. Zu den ersten Klimabündnis-Gemeinden zählten Klagenfurt, Graz, Linz, Wiener Neustadt, Salzburg, Schwaz und Götzis.

Was sind die Hauptaufgaben /Hauptanliegen des Klimabündnis? Was ist der Kern der Klimabündnis-Arbeit?

Unser Motto „global denken, lokal handeln“ folgend betreuen wir mit unseren regionalen Vereinen in den Bundesländern und dem österreichweit aktiven Verband Gemeinden, Bildungseinrichtungen und Betriebe. Kern der Klimabündnis-Arbeit sind Bewusstseinsbildung, Vernetzung und Weiterbildung sowie die Durchführung von Projekten und Kampagnen in den Bereichen Klimaschutz, Klimagerechtigkeit und Klimawandelanpassung. Einzigartig in Europa ist die langfristige Zusammenarbeit mit ausgewählten Regionen im Amazonasgebiet. Seit 1993 unterstützt das Klimabündnis in Österreich die FOIRN, den Dachverband der indigenen Organisationen am Rio Negro in Brasilien. Der größte Erfolg dieser Partnerschaft ist der Schutz von 135.000 km² Regenwald – eine Fläche 1,6 Mal so groß wie Österreich.

Warum ist es gerade heutzutage so wichtig, den Klimaschutz in den Fokus zu stellen?

Während in den letzten Jahren und Jahrzehnten die Aufklärungsarbeit über die drohende Klimakatastrophe im Mittelpunkt stand, ändern sich aufgrund der spürbaren Auswirkungen und besserer politischer Rahmenbedingungen nun die Kernaufgaben. Jetzt geht es darum, ins Tun zu kommen und durch zügige Umsetzung von Klimaschutz-Maßnahmen vor Ort die hohe Lebensqualität in unseren Städten und Gemeinden zu halten und auszubauen. Ohne aktives Mitwirken der kommunalen Ebene werden wir nationale und internationale Klimaziele schlicht nicht erreichen.

Was ist die Vision des Klimabündnis? Wie wird diese umgesetzt?

Unsere Vision ist eine Welt, in der Klimaschutz selbstverständlich ist, die Ressourcen gerecht verteilt sind und alle Menschen sozial, ökologisch und ökonomisch verantwortungsvoll leben. Unser Beitrag ist der Aufbau und die Entwicklung eines globalen Netzwerks von engagierten Städten und Gemeinden sowie lokalen Akteuren. Wir verstehen uns als Wegbegleiter. Gemeinsam schärfen wir Bewusstsein, erarbeiten Angebote zum Mitwirken und unterstützen in der praktischen Umsetzung. Unser Ziel ist nichts weniger, als die Grundlage für ein gutes Leben für alle zu schaffen – von Absam bis Zwettl und auch zu unseren indigenen Partnern im Amazonas Gebiet.

Wie viele Institutionen haben sich dem Klimabündnis in Österreich bereits angeschlossen?

Das Klimabündnis ist seit der Gründung im Jahr 1990 kontinuierlich gewachsen. Aktuell halten wir bei 1.064 Klimabündnis-Gemeinden, 1.330 Klimabündnis-Betrieben und 708 Klimabündnis-Schulen und -Kindergärten. Angeschlossen haben sich auch alle neun Bundesländer.

Info

Das Klimabündnis betreut Gemeinden in den Bereichen Klimaschutz, Klimagerechtigkeit und Klimawandelanpassung. In Kärnten sind 58 Gemeinden Teil des Klimabündnis.

Auch Betriebe werden dabei begleitet, klimafit zu werden. Nach einem Infogespräch folgt die Datenerhebung. Ein Betriebsberater des Klimabündnis kommt dafür zu dem Betrieb und führt einen KlimaCheck des Betriebsstandortes durch. Analysiert werden die Bereiche Energie, Mobilität, Motivation der Mitarbeiter sowie Klimagerechtigkeit. Ergebnis des KlimaChecks ist eine CO2- und Energiebilanz. Das Klimabündnis berät auch über mögliche Förderungen. In Abstimmung mit dem Betrieb wird ein Maßnahmenkatalog ausgearbeitet und gemeinsam ein individuelles Klimaschutz-Ziel fixiert. Danach erfolgt die Aufnahme als Klimabündnis-Betrieb.

Klimaschutz macht Spaß. Klimaschutz begeistert auch unsere Kleinsten. Und Klimaschutz ist ansteckend. Genau dieses Lebensgefühl wird in Klimabündnis-Bildungseinrichtungen vermittelt. Die Kinder und Jugend­lichen lernen und erfahren, was sie in ihrem Umfeld und in ihrem Alltag in der Praxis machen können. Die Partnerschaft mit indigenen Völkern im Amazonas-Regenwald sorgt aber auch dafür, dass sie über den eigenen Tellerrand hinaus schauen. Klimabündnis-Bildungseinrichtungen spielen durch ihre enge Kooperation mit den Gemeinden zudem eine wichtige Rolle auf lokaler Ebene.

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