„Fast jede zweite Gründung in Österreich wird heute von einer Frau gestartet – das ist ein historischer Höchststand.“
Junge Gründerinnen boosten Kärntner Wirtschaft
Der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) Report ist eine internationale Vergleichsstudie zum Thema Unternehmertum, an der Österreich seit 2012 regelmäßig teilnimmt. Im aktuellen GEM-Report für das Jahr 2024/25 sticht Kärnten positiv hervor: Das Bundesland verzeichnet mit 8,5 Prozent die österreichweit höchste Quote bei Jungunternehmer:innen. Besonders wichtig für diese Dynamik sind Frauen: Fast jedes zweite Unternehmen wird in Kärnten von einer Frau gegründet. Ein Wert, mit dem sich Kärnten im europäischen Spitzenfeld bewegt. Um diesen positiven Trend stärken zu können, fordert die Wirtschaftskammer Kärnten nun gezielte Förderungen und für Gründer:innen eine größere Sichtbarkeit.
Positive Bilanz für Kärnten
Auch bei der gesamten unternehmerischen Aktivität liegt Kärnten mit 17,8 Prozent vorne. 7,2 Prozent der Befragten befinden sich zudem in der Vorgründungsphase. „Kärnten sticht mit einem hohen Anteil an Personen in der Vorgründungsphase positiv hervor und erreicht Spitzenränge bei der Rate der Vorgründungen, der Rate der Jungunternehmen und der gesamten unternehmerischen Aktivität. Diese positive Entwicklung setzt sich seit der Erholung vom tourismusbedingten, stärkeren Einbruch während der Pandemie 2020 fort und signalisiert eine nachhaltige Dynamik“, so Nika Basic, WK-Vizepräsidentin und Landesvorsitzende der Jungen Wirtschaft Kärnten.
Besonders erfreulich ist für sie der geringe Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Gründer:innen: „Fast jede zweite Gründung in Österreich wird heute von einer Frau gestartet – das ist ein historischer Höchststand. Und Kärnten ist hier ganz vorne mit dabei“, betont Basic. Ein Zeichen, dass Mut, Innovationskraft und Eigenverantwortung längst keine Männerdomänen mehr seien.
Herausforderungen für Gründerinnen
Dennoch zeigt die Studie auch einige Herausforderungen auf, die insbesondere junge Frauen ausbremsen können – etwa aufgrund von Betreuungspflichten, strukturellen Barrieren oder einen unsicheren Einkommenslage. Auch die Angst vor dem Scheitern spielt eine Rolle. Basic erklärt dazu: „Wir brauchen eine Gründungsumgebung, die nicht nur lobt, wenn es geschafft ist, sondern Sicherheit gibt, bevor der erste Schritt gemacht wird.“ Dazu zählen neben besserer Kinderbetreuung auch digitale One-Stop-Gründungen, flexible Förderinstrumente und mehr Risikokapital speziell für Gründerinnen.
Nachhaltigkeit als Grundpfeiler
Positiv fällt in der GEM-Studie auch der klare Wertekompass auf, den viele Kärntner Jungunternehmerinnen teilen. So beziehen zwei Drittel Nachhaltigkeit und soziale Aspekte ein, wenn sie ihre Geschäftsentscheidungen treffen. „Unsere Gründerinnen wollen nicht nur wirtschaftlich erfolgreich sein, sondern gesellschaftlich etwas bewegen. Diese Haltung braucht Bühne und politische Rückendeckung“, so Basic.
„Unsere Gründerinnen wollen nicht nur wirtschaftlich erfolgreich sein, sondern gesellschaftlich etwas bewegen.“
Eine weitere Erkenntnis der Studie ist das hohe Ausbildungsniveau der Gründerinnen in Kärnten – sie sind heute so gut ausgebildet wie nie zuvor. Doch Basic sieht auch einen Bedarf an Maßnahmen, die bei der Umsetzung dieser Wissensressourcen in die Praxis helfen: „Wir müssen das Wissen, das unsere jungen Frauen an FHs und Unis mitnehmen, in Unternehmen übersetzen – durch gezielte Coaching-Programme, Netzwerke, Role Models und weniger Bürokratie“, fordert die JW-Vorsitzende.
Aufholbedarf im Tech- und Innovationsbereich
Trotz der positiven Zahlen für weibliche Gründerinnen fällt auf, dass Frauen bei technologie- und wissensintensiven Gründungen unterrepräsentiert bleiben. Auch allgemein überwiegen in Kärnten Gründungen in den Bereichen Handwerk, Gewerbe und Tourismus. „Wir müssen jungen Unternehmerinnen in Tech- und Innovationsfeldern aktiv Türen öffnen“, so Basic dazu. Erreicht werden können dies durch Spin-off-Förderungen, Kooperationen mit Forschungseinrichtungen und gezielte Innovationsfinanzierung.
„Kärnten ist das Land der Gründungschancen – und unsere jungen Unternehmerinnen sind der beste Beweis dafür. Sie gründen mit Haltung, mit Weitblick und mit Verantwortung. Wenn wir ihnen den Rücken stärken, kann daraus nicht nur ein Unternehmen, sondern ein echter Motor für Kärntens Zukunft werden“, appelliert Basic abschließend. Besonders wichtig sei die Sichtbarkeit – denn wer sehe, dass es andere geschafft haben, würde auch selbst eher den Schritt zur eigenen Unternehemnsgründung wagen.