„Frauen verdienen in Österreich im Schnitt rund 15,5 Prozent weniger als Männer – das sind über 10.000 Euro weniger Einkommen pro Jahr. Diese Ungleichheit wirkt sich nicht nur im Erwerbsleben aus, sondern verfestigt sich im Alter.“
Kärnten forciert Gleichstellung von Frauen am Arbeitsmarkt
Die Arbeitslosenquote von Frauen konnte in Kärnten von 10,4 Prozent (2016) bis zum Jahr 2025 auf 6,7 Prozent gesenkt werden. Das zeigt, dass immer mehr Frauen für den Arbeitsmarkt gewonnen werden können. AMS Kärnten, Land Kärnten und Gewerkschaftsfrauen Kärnten forcieren diese Entwicklung und setzen im heurigen Jahr wieder auf Maßnahmen, um Frauen gezielt zu unterstützen. Zugleich nahmen LHStv.in Gaby Schaunig, AMS-Kärnten-Chef Peter Wedenig und ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Silvia Igumnov den internationalen Frauentag am 8. März zum Anlass, Themen wie ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern und das Risiko von Altersarmut sichtbar zu machen.
Chancen der Gleichstellung
Demografischer Wandel und Fachkräftemangel geben Anlass die Perspektive auf Beschäftigung und Qualifizierung zu ändern. Frauen müssen für den Arbeitsmarkt gewonnen und Rahmenbedingungen angepasst werden. „Damit Frauen ihre beruflichen Potenziale voll entfalten können, müssen Arbeitsbedingungen und der Rahmen so gestaltet sein, dass unterschiedliche Lebensrealitäten besser berücksichtigt werden. Davon profitieren nicht nur Frauen selbst, sondern auch die Regionen, die Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt“, sagen LHStv.in Gaby Schaunig, AMS-Kärnten-Chef Peter Wedenig und ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Silvia Igumnov, im Rahmen eines gemeinsamen Pressegesprächs.
„Damit Frauen ihre beruflichen Potenziale voll entfalten können, müssen Arbeitsbedingungen und Rahmen so gestaltet sein, dass unterschiedliche Lebensrealitäten besser berücksichtigt werden.“
Risiko für Altersarmut
Noch immer verdienen in Österreich Frauen weniger als Männer. Das wirkt sich auf das gesamte Leben aus und ist ein Risikofaktor für Altersarmut. „Frauen verdienen in Österreich im Schnitt rund 15,5 Prozent weniger als Männer – das sind über 10.000 Euro weniger Einkommen pro Jahr. Diese Ungleichheit wirkt sich nicht nur im Erwerbsleben aus, sondern verfestigt sich im Alter“, betont ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Silvia Igumnov. „Frauen erhalten im Schnitt rund 40 Prozent niedrigere Pensionen als Männer. Diese Pensionslücke bedeutet oft Jahrzehnte geringerer Altersrente und ein deutlich höheres Risiko von Altersarmut für Frauen.“ Bei der Mindestabsicherung zeigt sich ein ähnliches Bild. „Etwa 67 Prozent aller Ausgleichszulagenbeziehenden sind Frauen, die trotz jahrzehntelanger Arbeit nur eine ergänzende Leistung zur Sicherung des Existenzminimums erhalten.“ Rund 17.000 Menschen beziehen in Kärnten Ausgleichszulagen. „Das unterstreicht, wie stark Altersarmut gerade Frauen trifft“, erklärt Igumnov. Daher fordern die Gewerkschaftsfrauen unter anderem gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Altersabsicherung.
„Gleichstellung ist kein kurzes Projekt, sondern eine bewusst gewählte Strategie, die langfristig in die Zukunft wirkt und vielfach als Wettbewerbsvorteil unterschätzt wird.“
Kärnten in der Vorreiterrolle
Aufbauend auf regionale Veranstaltungsformate wie „Zukunftswerkstatt“ oder „Mobil für Gleichstellung“, wird heuer ein zusätzlicher Akzent gesetzt. „Gleichstellungsarbeit kann ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal sein und bietet in vielerlei Hinsicht einen Mehrwert. Das AMS wird daher heuer insbesondere regionale Unternehmer:innen und Meinungsbildner:innen ansprechen und ihnen mit sogenannten „Quick Wins“ pragmatische Hebel zur Verfügung stellen, die rasch Wirkung zeigen. Mit dieser regionalen Verankerung nimmt Kärnten auch innerhalb des AMS eine Vorreiterrolle in Gleichstellungsagenden ein,“ erklärt Wedenig.
Maßnahmen zur gezielten Unterstützung von Frauen reichen vom TEP (territorialen Beschäftigungspakt) bis hin zu „Quick Wins“. Im Rahmen des TEP gibt es Maßnahmen, explizit für Frauen. „Seit vielen Jahren bewährt hat sich unsere Zielgruppenstiftung für Frauen, 2026 stehen 50 Plätze zur Verfügung. Sie steht Frauen offen, die keine abgeschlossene Ausbildung oder einen Beruf erlernt haben, den sie nicht mehr ausüben können – sei es aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen oder weil er nicht mehr nachgefragt wird“, erklärt Schaunig.
Finanziert wird die Stiftung vom Land Kärnten und dem AMS. In den Regionen wurden Frauenberufs- und Frauenberatungszentren eingerichtet. Gezielte Qualifizierungsmaßnahmen für Branchen mit Fachkräftemangel sind ein weiterer Schwerpunkt. Seit Jahren forciert das AMS Kärnten die Gleichstellung am Arbeitsmarkt. Dazu dienen Maßnahmen wie Gender Budgeting und lebensphasenorientierte Arbeitsmarktpolitik, von Berufsorientierung über die Förderung von Wiedereinsteiger:innen bis hin zu Aus- und Weiterbildungsangeboten.
Transparenz schafft Fairness
Zur Schließung der Lücken im Einkommen sei die rasche Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie ein wichtiger Schritt. Transparenz schafft Fairness. Nur wenn Gehälter nachvollziehbar sind, können ungerechtfertigte Unterschiede beseitigt werden“, betont die ÖGB-Landesfrauenvorsitzende. Es brauche klare Rahmenbedingungen, damit Frauen in allen Lebensphasen gleichstellungsgesichert sind, vom ersten Job bis zur Pension.