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Wirtschaft
15.07.2025

Kärntens Außenhandel auf Rekordkurs

Kärnten verzeichnete 2024 einen Außenhandelsüberschuss von 1,3 Milliarden Euro – ein neuer Höchstwert. Verantwortlich dafür sind vor allem gesunkene Importe.

Laut Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Mandl ist das Rekordergebnis ein Beleg für die Leistungskraft der exportierenden Betriebe in der aktuell schwierigen Konjunkturphase. Er betont aber auch, dass Kärntner Betriebe mit hohen Produktionskosten und internationalen Spannungen zu kämpfen haben.

"Unsere Exportbetriebe sind eine tragende Säule für Kärntens Wirtschaft."

Jürgen Mandl, Wirtschaftskammerpräsident

Der Zugang zu Zukunftsmärkten und international faire Wettbewerbsbedingungen werden laut Mandl dringender denn je benötigt. "Wir müssen die Exportoffensive weiter stärken, neue Märkte erschließen und die Rahmenbedingungen für unsere Unternehmen verbessern. Gerade für eine exportorientierte Region wie Kärnten sind internationale Handelsabkommen ein entscheidender Wachstumstreiber", wünscht sich der WK-Präsident mehr wirtschaftspolitische Unterstützung.

Laut Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig werden rund 60 Prozent der Wertschöpfung in Kärnten durch Exporte erzielt. Wegen der angespannten Lage wurden bereits neue Maßnahmen gesetzt: Die Exportförderung wurde auf eine Million Euro jährlich erhöht, seit 1. Juni steht zudem eine neue KWF-Förderung zur Verfügung. Ziel davon ist es, insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen bei der Entwicklung neuer Strategien und beim Aufbau internationaler Vertriebswege zu unterstützen.

Stärkste Märkte und Exportgüter

Deutschland bleibt mit einem Exportvolumen von 2,655 Mrd. Euro der wichtigste Handelspartner für Kärnten, gefolgt von China (1,053 Mrd. Euro), das mit einem Plus von 49 % stark zulegen konnte. An dritter Stelle liegt Italien (902 Mio. Euro), mit einem deutlichen Minus von 11,4 Prozent. Malaysia und Ungarn hingegen haben sich aus Sicht der Kärntner Wirtschaft sehr positiv entwickelt. Bei Slowenien, Frankreich und der Schweiz sieht es anders aus, mit einem Minus zwischen 2,7 und 22,6 Prozent.

Die wichtigsten Exportgüter sind nach wie vor Maschinen, Kessel, Apparate und mechanische Geräte – Gesamtvolumen: 2,851 Mrd. Euro. Leichte Zuwächse gab es auch bei Kunststoffen sowie Holz und Holzprodukten. Andere Branchen hingegen, beispielsweise Papier, Eisen, Stahl und chemische Erzeugnisse, verzeichnen ein teils sehr deutliches Minus.

"Die Exportbetriebe haben sich auch 2024 in einem herausfordernden globalen Umfeld behauptet. Trotz des leichten Rückgangs bei den Gesamtausfuhren ist der hohe Überschuss in der Handelsbilanz ein deutliches Zeichen für die Stärke unserer Exportwirtschaft", fasst Hemma Kircher-Schneider, Leiterin der Außenwirtschaft in der Wirtschaftskammer Kärnten, die Lage zusammen.

Schwächelnde Importe

Die Importe sanken im Vorjahr um 4,8 Prozent auf rund acht Milliarden Euro – was vor allem auf Rückgänge bei elektrischen Maschinen und Geräten sowie bei Waren aus Stahl oder Eisen zurückzuführen ist.

"Die Importe spiegeln die konjunkturelle Zurückhaltung deutlich wider – viele Unternehmen agieren vorsichtig, was Investitionen betrifft."

Hemma Kircher-Schneider, Leiterin der Außenwirtschaft in der WK Kärnten

Deutschland, Italien und China sind die wichtigsten Herkunftsländer für Importe nach Kärnten, wobei Deutschland die Liste mit einem Volumen von 2,33 Mrd. Euro klar anführt. Bei China waren es 777 Mio. Euro und bei Italien 698 Mio. Euro.

Exportwirtschaft wichtig für Österreich

Ein erheblicher Teil der österreichischen Wirtschaftsleistung stammt aus dem Export: Über ein Drittel der produzierten Waren und Dienstleistungen wird international abgesetzt, zwei Drittel davon in der EU. Laut einer IHS-Studie sichert die Exportwirtschaft mehr als 1,2 Millionen Arbeitsplätze in Österreich und trägt mit jedem vierten Steuer-Euro maßgeblich zur Finanzierung des Staates bei.

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