© Freepik
Wirtschaft
09.07.2025

Kärntens Gewerbe: Stärke und Investitions­bereitschaft

Die aktuelle Konjunkturerhebung für das zweite Quartal 2025 zeigt erste Stimmungsverbesserungen und verhaltene Zuversicht.

Trotz einzelner Lichtblicke hat das Kärntner Gewerbe und Handwerk für das zweite Quartal 2025 weiterhin mit erheblichen strukturellen Herausforderungen zu kämpfen. Kostendruck, Investitionszurückhaltung und schwierige Marktbedingungen prägen das Bild. Dennoch zeigt sich insbesondere im Stimmungsbarometer eine leichte Besserung gegenüber dem Vorquartal. „Der wirtschaftliche Druck ist in vielen Branchen ungebrochen – und dennoch zeigt der Bericht, dass unsere Betriebe nicht aufgeben, sondern mit ganzer Kraft weiterkämpfen“, so Peter Storfer, Spartenobmann des Gewerbes und Handwerks in der WK Kärnten.

Leichte Stimmungs­aufhellung trotz schwieriger Rahmen­bedingungen

Im zweiten Quartal 2025 bewerteten 24 % der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 48 % als saisonüblich und 28 % als schlecht. Daraus ergibt sich ein Saldo von –4 Prozentpunkten, was eine leichte Verbesserung gegenüber dem österreichweiten Wert von –6 bedeutet. Dennoch liegt Kärnten weiterhin hinter den wirtschaftlich stärkeren Bundesländern Salzburg und Tirol. „Die leichte Aufhellung der Stimmung ist ein gutes Zeichen, aber kein Grund zur Entwarnung. Es braucht jetzt dringend strukturverbessernde Maßnahmen, um diesen zarten Aufwärtstrend zu verstärken“, fordert Storfer.

Stabil zeigt sich die Auslastung in den investitionsgüternahen Branchen: Mit durchschnittlich 12,8 Wochen entspricht sie dem Niveau des Vorjahres und liegt über jenem von 2019. 77 % der Aufträge kommen von privaten oder gewerblichen Kunden, 12 % von öffentlichen Bauprojekten und 11 % von Direktvergaben der öffentlichen Hand. „Die Zahlen zeigen: Die Budgets von Bund, Ländern und Gemeinden sind erschöpft“, kommentiert Storfer. Der Anteil sofort verfügbarer Kapazitäten beträgt 50 % – ein Indikator für freie Ressourcen, aber auch für zurückhaltende Nachfrage.

In den konsumnahen Bereichen ist die Lage deutlich angespannter: Lediglich 12 % verzeichneten ein Umsatzplus, während 27 % Rückgänge meldeten. Der Saldo liegt bei –15 Prozentpunkten und damit deutlich unter dem österreichweiten Wert von –9. Besonders betroffen sind das Kreativ-/Designgewerbe sowie die Bereiche Gesundheit und Wellness, in denen die Kaufzurückhaltung besonders spürbar ist.


„Die leichte Aufhellung der Stimmung ist ein gutes Zeichen, aber kein Grund zur Entwarnung. Es braucht jetzt dringend strukturverbessernde Maßnahmen, um diesen zarten Aufwärtstrend zu verstärken."

Peter Storfer, WK Kärnten Spartenobmann Gewerbe und Handwerk

© WKK | Sabine Biedermann

Skeptischer Blick auf das dritte Quartal – Personal­bedarf bleibt

Die Erwartungen für das dritte Quartal verschlechtern sich weiter: Nur 11 % der Betriebe rechnen mit einer Besserung, 32 % hingegen mit Rückgängen. Daraus ergibt sich ein deutlich negativer Saldo von –21 Prozentpunkten – ein Rückgang gegenüber dem Vorquartal (–14 Punkte) und unter dem österreichweiten Durchschnitt von –11 Punkten. Besonders skeptisch zeigen sich investitionsgüternahe Branchen, deren Erwartungssaldo bei –26 Punkten liegt.

Trotz allem gibt es auch positive Signale: 20 % der Betriebe planen im dritten Quartal Neueinstellungen – im Schnitt 3,7 zusätzliche Mitarbeiter:innen pro Betrieb. Damit liegt Kärnten über dem österreichweiten Schnitt. „Das zeigt: Der Kärntner Mittelstand denkt nach vorne und investiert – allerdings müssen die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen passen“, so Storfer.

Ein konkreter Lichtblick: Mit 1. Juli 2025 trat die Befreiung von der Normverbrauchsabgabe (NoVA) für Klein-Lkw in Kraft – ein Erfolg für das Gewerbe. „Die NoVA-Befreiung ist ein wichtiger Erfolg für unsere Betriebe. Sie ist ein konkretes Beispiel dafür, wie politische Maßnahmen im Alltag der Unternehmen ankommen“, freut sich Storfer. Er fordert jedoch weitere Schritte – etwa Erleichterungen für allradgetriebene Pickups.

Konkrete Forderungen

Gleichzeitig bleibt der Handlungsbedarf groß. Sinkende Umsätze, stagnierende Aufträge, Investitionszurückhaltung und der zunehmende Fachkräftemangel fordern die Betriebe. „Es braucht weniger Bürokratie, spürbare Steuererleichterungen, Investitionsanreize und eine echte Fachkräfteoffensive. Unsere Betriebe wollen gestalten – aber dafür brauchen sie die richtigen Rahmenbedingungen“, fordert Storfer. Der demografische Wandel verschärft die Situation zusätzlich, da künftig weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten als ältere ausscheiden – ein Trend, der das Handwerk besonders trifft.

Positiv bewertet wird, dass die Bundesregierung das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) in Begutachtung geschickt hat. Die geplante „Strompreis-runter-Garantie“, durch die sinkende Großhandelspreise an Endkund:innen weitergegeben werden müssen, könnte stromintensiven Betrieben helfen, ihre Betriebskosten zu senken.

Ein weiteres wichtiges Konjunkturinstrument, dessen Wiedereinführung gefordert wird, ist der Reparaturbonus. „Kärntens Gewerbe und Handwerk zeigen trotz widriger Rahmenbedingungen Standhaftigkeit und Investitionswillen. Die leichte Verbesserung der Stimmung im zweiten Quartal darf jedoch nicht über die strukturellen Herausforderungen hinwegtäuschen. Jetzt ist die Politik gefragt, mit gezielten Maßnahmen den Weg für einen nachhaltigen Aufschwung zu ebnen. Die Betriebe sind bereit – sie brauchen nur die Möglichkeit, ihr Potenzial voll zu entfalten“, so Storfer abschließend.

Schlagwörter