© Helge Bauer
Wirtschaft
22.07.2026

Kärntner Industrie zeigt stabiles Bild, fordert aber Investitions­impulse

Die Ertragslage der Kärntner Industrie verbessert sich, doch bei den Investitionen bleibt Zurückhaltung. Die Industriellenvereinigung Kärnten fordert fünf konkrete Maßnahmen, um den Wirtschaftsstandort im internationalen Wettbewerb zu stärken.

Die aktuelle Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Kärnten zeigt eine leicht verbesserte Ertragslage und ein insgesamt stabiles Bild der Kärntner Industrie im zweiten Quartal 2026. Gleichzeitig bleibt das wirtschaftliche Umfeld von Unsicherheiten geprägt und sorgt bei Unternehmen für Vorsicht. Angesichts hoher Lohnstück- und Energiekosten, wachsender Bürokratie und Österreichs Rückfall im IMD-Ranking fordert die Industrie rasche Entlastungen und stärkere Investitionsanreize.

Positive Entwicklung

Für das zweite Quartal 2026 haben 54 Industrieunternehmen mit insgesamt 17.400 Beschäftigten an der Konjunkturumfrage teilgenommen. 43 Prozent bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 39 Prozent als durchschnittlich und nur 18 Prozent als schlecht. Im Vergleich zum Vorquartal ist der Anteil positiver Einschätzungen leicht gesunken, gleichzeitig ging aber auch der Anteil negativer Bewertungen deutlich zurück. Besonders erfreulich ist die Entwicklung der Ertragssituation: Während im Vorquartal nur fünf Prozent der Betriebe ihre Ertragslage als gut bewerteten, sind es jetzt 35 Prozent. Der Anteil der Unternehmen mit schlechter Ertragssituation verringerte sich von 29 auf 19 Prozent. Auch bei den Auslandsaufträgen zeigt sich eine positive Entwicklung: 53 Prozent der Betriebe beurteilen diese als gut. Der Auftragsbestand bleibt insgesamt stabil – 48 Prozent bewerten ihn als gut, 36 Prozent als durchschnittlich und 16 Prozent als schlecht.

Erwartungen der Betriebe

Mit Blick auf die nächsten sechs Monate bleiben die Unternehmen vorsichtig. Nur noch 37 Prozent rechnen mit einer guten Geschäftslage. Bei den Beschäftigungserwartungen gehen 77 Prozent der Unternehmen von einer gleichbleibenden Mitarbeiterzahl aus, 9 Prozent erwarten einen Personalaufbau und 14 Prozent einen Rückgang. Im Vergleich dazu ging im vierten Quartal 2025 noch mehr als die Hälfte der Kärntner Industriebetriebe von einem Mitarbeiterabbau aus.

Zurückhaltende Investitionsbereitschaft

Das Investitionsverhalten in Österreich ist im internationalen Vergleich laut EIB Investment Survey 2025 zu schwach. „Es wird zu wenig investiert, was die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig schwächt. Um Arbeitsplätze, Innovation und Wertschöpfung in Österreich zu sichern, braucht es rasche Reformen auf Bundes- und EU-Ebene", sagt Timo Springer, Präsident der IV Kärnten. „Wer Investitionen in Österreich halten und neue Wertschöpfung schaffen will, muss den Faktor Arbeit entlasten, Unternehmen von Bürokratie befreien und Investitionen steuerlich attraktiver machen. Nur mit wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen kann Österreich im internationalen Standortwettbewerb wieder aufholen", erklärt Springer.

Herausfordernde Rahmenbedingungen

Umso bedenklicher ist, dass Österreich im IMD World Competitiveness Ranking 2026 von Platz 26 auf Platz 29 (von 69 Volkswirtschaften) zurückgefallen ist und damit weiter an Wettbewerbsfähigkeit verliert. „Das unterstreicht den akuten Handlungsbedarf. Hohe Lohnnebenkosten, überbordende Bürokratie und unzureichende Investitionsanreize gefährden die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts massiv", so Springer. Zum Vergleich: 2007 lag Österreich im IMD-Ranking noch auf Platz elf.
„Die nominellen Lohnstückkosten sind in Österreich seit 2017 um 37,3 Prozent gestiegen und damit deutlich stärker als im Euroraum mit 27 Prozent, in Frankreich mit 18,2 Prozent und in der Schweiz mit 6,2 Prozent. Diese Entwicklung verschärft den Wettbewerbsdruck auf die heimische Industrie und unterstreicht die Notwendigkeit, Arbeit durch eine Senkung der Lohnnebenkosten spürbar zu entlasten", sagt Springer.

Forderungen der IV Kärnten

Die Industriellenvereinigung fordert deshalb fünf Maßnahmen zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts: Lohnstückkosten senken, Energiekosten dämpfen, den Staat verschlanken und Bürokratie abbauen, Investitionen steuerlich fördern und Europa wettbewerbsfähiger machen. „Gerade Kärnten lebt von einer starken, innovativen und exportorientierten Industrie. Wenn Unternehmen heute Investitionen verschieben oder ins Ausland verlagern, gefährdet das langfristig Arbeitsplätze und Wertschöpfung in unserem Bundesland. Deshalb braucht es jetzt spürbare Entlastungen bei den Lohnnebenkosten, echte Investitionsanreize und einen konsequenten Bürokratieabbau", betont Präsident Springer. Beim Thema Energie sei zudem die 380-kV-Leitung „ein Schlüsselprojekt für Kärntens Zukunft". Stabile und leistungsfähige Netze sind entscheidend für moderne Industrieprozesse. Ohne diese Netze drohen Investitionsrückgänge und Standortverluste – mit ihnen hingegen eröffnen sich neue Chancen für Innovation, Wachstum und eine nachhaltige industrielle Zukunft.

Forderungen der Industriellenvereinigung Kärnten

- Lohnstückkosten senken: Arbeit muss günstiger werden. Eine deutliche Senkung der Lohnnebenkosten – insbesondere des FLAF-Beitrags – stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und sichert Beschäftigung.

- Energiekosten dämpfen: Wettbewerbsfähige Industriestrompreise sowie niedrigere Netzkosten und Energieabgaben sind unverzichtbar, damit Kärntens Industriebetriebe im internationalen Wettbewerb bestehen können.

- Staat verschlanken und Bürokratie abbauen: Weniger Berichtspflichten, schnellere Verfahren und geringere Standortkosten schaffen Freiräume für Innovation und Investitionen.

- Investitionen steuerlich fördern: Die Befreiung nicht entnommener Gewinne von der Körperschaftsteuer, ein attraktiver Investitionsfreibetrag und eine stärkere degressive Abschreibung setzen wichtige Impulse für Unternehmensinvestitionen.

- Europa wettbewerbsfähiger machen: Weniger Regulierung, ein stärkerer Binnenmarkt und die Umsetzung der Draghi-Agenda sind notwendig, um Europas Industrie wieder an die Weltspitze zu führen.

Schlagwörter