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Umwelt
02.05.2022

Kärntner Landtag: Klares Bekenntnis – Schutz der Almen für nächste Generationen

Enquete im Kärntner Landtag beschäftigt sich mit Almen und ihrer Zukunft – 16 % der Landesfläche – LR Fellner, LR Gruber und Präsident Rohr: Schutz vor Ausverkauf, Spekulationen und Raubbau – Almwirtschaft Grundlage für Existenzen und Naherholung.

Klagenfurt (LPD). Zahlreiche Bauprojekte, Erweiterungsambitionen, Ausbaupläne und Erschließungen haben die heute im Landtag stattgefundene Enquete zum „Schutz der Almen“ notwendig gemacht. LR Daniel Fellner und LR Martin Gruber sowie Landtagspräsident Reinhart Rohr deponierten klar die Absicht hinter der Enquete, an der zahlreiche Experten teilgenommen haben, die die Wichtigkeit, die Notwendigkeit, die Funktionen und die Bedrohung der Almflächen hervorhoben. „Die Almen sind zu schützen vor Ausverkauf, Spekulationen und Raubbau. Die Almwirtschaft selbst ist die Grundlage vieler Existenzen, der nachhaltigen Lebensmittelproduktion, einer Kreislaufwirtschaft sowie der vernünftigen Naherholung“, so Fellner, Gruber und Rohr.

Rohr wies in seinem Eingangsstatement hin, dass die Almen derzeit vor Expansion und Verbauung zu wenig geschützt seien, Schigebiete andererseits, um wirtschaftlich zu sein, Erweiterungen erwägen. „Die Erschließung neuer Gebiete kann kein Ziel sein, sie ist nicht enkelverantwortlich. Unser Signal ist klar, es richtet sich gegen Spekulanten und Raubbau“, sagte Rohr.

Klare Absage für „Photovoltaik auf die Berge“

Fellner berichtete als Gemeindeplanungs- und Raumordnungsreferent, dass es sich bei 99% aller Projekte, die auf Almen geplant seien und bei ihm als Referent am Tisch landen, um Zweitwohnsitze handelt. „Wir werden die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Diese Ergebnisse sehen wir an den Seeufern und an den EKZ-Flächen. Wir werden dem Bau-Druck auf die Berglandschaft nicht nachgeben. Es muss eine vernünftige Tourismuswirtschaft mit dem Blick auf Nachhaltigkeit möglich sein, ja, aber Kärntens Landschaft braucht keine kalten Betten mehr“, hielt Fellner fest und verwies auch in diesem Zusammenhang auf das neue Kärntner Raumordnungsgesetz (K-ROG 2021), das bereits erste Früchte trage. Denn seit Jahresbeginn wurden um 98 % weniger Zweitwohnsitzanmeldungen registriert als im Vergleichszeitraum im Vorjahr. Es sei weiters in einem Land, in dem ca 99 % der Energie aus erneuerbarer Energie stammt, nicht notwendig, unberührte Landschaften zu verbauen. „Es gibt genug versiegelte Flächen, es gibt genug Bauten, auf welchen beispielsweise Photovoltaik-Anlagen montiert werden können. Es besteht keine Notwendigkeit, freie Flächen für die Sonnenenergie aufzuwenden“, nannte Fellner ein Beispiel und erteilte der Forderung „Photovoltaik auf die Berge“ eine klare Absage.

"Ohne Bewirtschaftung würde es keine Almen geben"

Auch Gruber, als Landwirtschaftsreferent, betonte, dass er aus tiefster Überzeugung und Leidenschaft für den Schutz der Almen eintrete. „Sie sind Lebens-, Wirtschafts- und Kulturraum, sie stehen Quadratmeter für Quadratmeter in Eigentum und sind unentbehrlich als Futtergrundlage. Jede und jeder, die oder der seine Freizeit in der Natur, auf den Almen verbringt, hat daran zu denken. Ohne Bewirtschaftung würde es keine Almen geben“, ruft Gruber in Erinnerung. Der Referent fordert daher von allen, die in ihrer Freizeit, die Bergwelt nutzen, dies mit Respekt, Verantwortung und mit einer nachhaltigen Herangehensweise zu tun. „Leider sind unsere Almbauern immer wieder damit konfrontiert, dass Ausflügler, Wanderer sich in ihrer Freizeit nicht an die notwendigen Regeln auf der Alm halten, nicht an die Gegebenheiten, nicht an die Streckenführungen“, weist Gruber auf das Konfliktpotenzial hin. Doch sei die Bedrohung der Almen nicht nur durch die private Nutzung, sondern auch durch Investoren gegeben. „Wir werden unsere Almen vor dem Ausverkauf schützen, wir werden Investoren Grenzen aufzeigen, wir werden klare Regeln für eine nachhaltige touristische Erschließung aufstellen – alles in Hinblick auf nächste Generationen“, so Gruber.

16 % der Landesfläche Kärntens sind Almen, auf 1.800 Almen findet noch eine Bewirtschaftung statt mit 50.000 Hektar Weidefläche für 63.000 Stück Vieh. 4.000 Kärntner Landwirte sichern ihr Einkommen und die Lebensmittelproduktion durch die Almwirtschaft.

Präsident Rohr konnte auch Experten im Rahmen der Enquete im Landtag begrüßen, die die Almwirtschaft als solche, die Bedrohung der Almen, der Investitionsdruck auf Almflächen und das Freizeitverhalten beleuchteten:

Dipl.-Ing. Michael Angermann, Sachgebietsleiter - Amt der Kärntner Landesregierung Abteilung 3 - Gemeinden, Raumordnung und Katastrophenschutz, Vortragstitel "Der Schutz der Almen in der Raumordnung"

Obstlt. Gerald Malle, Mitglied des Naturschutzbeirates Kärnten, Projektmanager birdlife, Vortragstitel "Alpine Lebensräume in Bedrängnis"

Mag. Erwin Berger, Eigentümer und Geschäftsführer des Feuerberg Mountain Resort Gerlitze, Vortragstitel "Kärntens Berge: Investieren ja, spekulieren nein."

Franz Dorner, Energielandwirt, Vortragstitel "Ohne Windkraft auf den Bergen ist keine Energiewende möglich".

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