„Die beiden sind nicht nur Fachkräfte, sie sind Botschafter einer beruflichen Exzellenz, die Kärnten prägt und weit über unsere Landesgrenzen hinausstrahlt.“
Kärntner Mechatroniker im Rennen um EuroSkills-Titel
Rund 52.000 Menschen leben in der dänischen Stadt Herning im mittleren Jütland. In wenigen Wochen kommt allerdings ein neuer Besucherhöchststand auf den größten Messestandort Skandinaviens zu: Mehr als 100.000 Menschen werden von 9. bis 13. September 2025 zum europaweiten Berufswettbewerb EuroSkills erwartet, der als Europameisterschaft junger Fachkräfte gilt.
Mechatroniker mit Kurs auf Gold
Mittendrin im Rennen um den Europameistertitel sind Leon Korak und Noah Scheriau, zwei Kärntner, die es aufgrund ihrer herausragenden Fähigkeiten geschafft haben, sich für die EuroSkills zu qualifizieren. Sie arbeiten bei Flextronics International in Althofen und treten als Team im Bereich Mechatronik an. Dabei stehen neben fachlichen Skills, Stressresistenz und Konzentrationsfähigkeit vor allem die gemeinsame Arbeit im Team und eine gute Kommunikation im Vordergrund.
Als Vizestaatsmeister bei den AustrianSkills 2023, dem österreichischen Pendant der EuroSkills, bringt das erfolgreiche Duo bereits Einiges an Wettbewerbserfahrung mit. Nun vertreten die „Young Professionals“ – also unter 25-jährige Fachkräfte mit abgeschlossener Ausbildung – Österreich auf der größten Berufsbühne des Kontinents.
„Die beiden sind nicht nur Fachkräfte, sie sind Botschafter einer beruflichen Exzellenz, die Kärnten prägt und weit über unsere Landesgrenzen hinausstrahlt. Wer heute bei EuroSkills antritt, hat nicht nur Talent, sondern monatelang auf Weltklasseniveau trainiert. Genau dieses Mindset – Einsatz, Präzision und Teamgeist – macht den Unterschied. Und genau solche jungen Menschen brauchen wir in unserer Wirtschaft“, erklärt Jürgen Mandl, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten.
Drei Tage Ausnahmezustand
Die Euroskills finden an drei aufeinanderfolgenden Tagen statt, an denen die Teilnehmer:innen von früh bis spät verschiedene Aufgabenstellungen bewerkstelligen müssen. Dass ihnen dabei rund 100.000 Menschen über die Schulter schauen werden, sehen die beiden Kärntner gelassen: „Nervös bin ich eigentlich nicht“, meint Koriak, und Scheriau bekräftigt: „Es hilft, dass wir bei den Skills Austria und anderen Wettbewerben schon viel Erfahrung sammeln konnten.“ Korak und Scheriau sind nicht die einzigen Talente, die Österreich beim Wettbewerb vertreten. Insgesamt treten heuer 44 Teilnehmer:innen aus allen acht Bundesländern bei den EuroSkills an. Das gemeinsame Ziel: sich gegen rund 600 internationale Konkurrent:innen aus 32 Ländern zu behaupten.
„Wir reisen nach Dänemark, um ganz vorne mitzumischen.“
Die Vorbereitungen auf die Berufseuropameisterschaft sind bereits in vollem Gange – auch das Training des Kärntner Duos mit dem Experten Simon Aschmüller von den ÖBB hat bereits gestartet. „Außerdem hat uns die berufliche Ausbildung bei Flextronics perfekt auf den Wettbewerb vorbereitet“, wirft Korak ein. Die Zielsetzung ist für die beiden jedenfalls klar: „Wir reisen nach Dänemark, um ganz vorne mitzumischen“, so Scheriau, und auch Korak betont: „Natürlich muss es unser Ziel sein, auch eine Medaille für Kärnten und Österreich zu gewinnen.“ Dieses Ziel konnten frühere Mechatronik-Bewerber aus Österreich bisher nicht erreichen. Mit dem siebten Platz und einer Medallion for Excellence waren die Kärntner Florian Napetschnig und Dominik Ruhdorfer, die ebenfalls bei der Firma Flex in Althofen arbeiten, bei den WorldSkills im Vorjahr allerdings schon nahe am Ziel.
Industrieland Kärnten
Die meisten Kärntner:innen, die bislang Medaillen bei den Euro- und WorldSkills erzielen konnten, arbeiten in Tourismusberufen. Dass Kärnten ein Tourismusland sei, hält Michael Velmeden, Spartenobmann der Industrie in der WKO Kärnten, jedoch für ein Fehlurteil. Tourismusberufe seien sehr wichtig, doch Kärnten sei auch ein Industieland. „Es macht keinen Sinn, Berufsgruppen gegeneinander auszuspielen“, so der Spartenobmann – vielmehr gehe es um ein Ergänzen.
Er wünschte den beiden Teilnehmern viel Erfolg für den Wettbewerb: „Wenn junge Mechatroniker aus unserem Bundesland bei den Berufseuropameisterschaften in Dänemark antreten, dann ist das ein starkes Signal in mehrfacher Hinsicht: Es steht für die hohe Qualität der technischen Ausbildung in unserer Region, für das Engagement der Betriebe sowie der Ausbilder:innen – und nicht zuletzt für die außergewöhnliche Leistungsbereitschaft und das Können unserer jungen Fachkräfte.“
Mit viel Teamwork und Freude am Erlebnis
Im Vorfeld der EuroSkills gibt es ein umfangreiches Angebot aus Teambuilding, Workshops und Trainings, an denen die Bewerber:innen teilnehmen. Auch die Talenteakademie der WKO ist Teil des unterstützenden Netzwerks. Jürgen Kraft, Geschäftsführer von SkillsAustria, bereitet die heimischen Teilnehmer mit seinem Team auf die Berufseuropameisterschaft vor: „Dabei geht es nicht nur um technische Perfektion, sondern um die Entwicklung jener Kompetenzen, die moderne Wirtschaftsräume brauchen: internationale Erfahrung, Leistungsfähigkeit unter Druck und die Fähigkeit, Innovationen in der Praxis umzusetzen. Durch Teamtrainings, den Einsatz bei internationalen Wettbewerben und individuelles Mentalcoaching schaffen wir eine Grundlage, die unseren Fachkräften und damit auch unseren Unternehmen langfristig einen Vorsprung sichert.“
„Es geht nicht nur um technische Perfektion, sondern um die Entwicklung jener Kompetenzen, die moderne Wirtschaftsräume brauchen: internationale Erfahrung, Leistungsfähigkeit unter Druck und die Fähigkeit, Innovationen in der Praxis umzusetzen.“
Auch er wünschte den Teilnehmern alles Gute und motivierte sie, sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen, sondern vor allem die Bühne und das einzigartige Erlebnis zu genießen, das ein solches Megaevent bedeutet. Dass man die EuroSkills nicht so schnell vergisst, bestätigt auch Bettina Veratschnig, die 2023 eine Bronzemedaille im Bereich Restaurant-Service gewann: „Ich habe heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke – und das wird auch für den Rest meines Lebens so bleiben.“