Pfleglich bewirtschafteter Wald. © Jocelyne Yvonne on Unsplash
Wirtschaft
11.05.2021

Kernkompetenz bei den Waldbauern

Kärntens Waldbauern bewirtschaften ihren Wald nachhaltig, produzieren einen nachwachsenden Rohstoff, stellen den Erhalt der Waldfunktionen sicher. (Anzeige)

Kärntens Waldbauern stehen momentan großen Herausforderungen gegenüber. Zum einen ist es eine eher kritische Holzmarktsituation mit – innerhalb kurzer Zeit – stark schwankenden, wenig stabilen Holzpreisen, zum anderen sind es der Klimawandel und die damit einhergehenden Unwetter-, Sturm- und Dürrekatastrophen und die Käferkalamitäten. Eine weitere Herausforderung ist die zunehmende Infragestellung von Eigentum am Wald und die freie Verfügbarkeit darüber. Zu einer Flut von gesetzlichen Einschränkungen kommen Begehrlichkeiten des Naturschutzes und unserer neuen Freizeit­gesellschaft, die neue Ansprüche an den Wald stellen und diesen als Allgemeingut ansehen. Dem kann nur mit intensiver Überzeugungsarbeit begegnet werden, um einen Gesinnungswandel zu erreichen, denn der Wald darf nicht zum Selbstbedienungsladen verkommen. Für viele Betriebe stellen die Einnahmen aus der Waldwirtschaft eine wichtige Einkommensquelle dar, für viele ist es die Existenzgrundlage!

Trotz aller Schwierigkeiten bewirtschaften die Waldbauern ihren Wald verantwortungsvoll und pfleglich seit Generationen für Generationen. Damit wird auch sichergestellt, dass die Multifunktionalität des Waldes aufrechterhalten werden kann – unentgeltliche Leistungen zum Wohle der Gesellschaft.

Raimund Baumgartner: „Ich nutze mein Holz und leiste damit einen Beitrag zum Klimaschutz!“ Raimund Baumgartner, Waldbauer im Lavanttal, lebt – wie viele andere auch – von der Land- und Forstwirtschaft. Ein Teil des geernteten Holzes wird als Rundholz verkauft, ein weiterer Teil findet am Hof bei sämtlichen Bauwerken Verwendung, wie beispielsweise bei der Maschinenhalle in Rundholzbauweise mit Fichtenverschalung, beim Laufstall in Rundholzbauweise, beim zweistöckigen Wohnhauszubau aus Holz mit Lärchenverschalung sowie beim Bau des Carports mit Lärchenverschalung und Holzdachkonstruktion. Der jährliche Bedarf an Brettern und Pfosten wird hauptsächlich über das sehr fein gewachsene Fichten- und Lärchenblochholz aus den eigenen Beständen gedeckt.

Auch die Wärmegewinnung erfolgt ausschließlich aus eigenem Holz, so werden die Hackschnitzelheizung, die Herde und Kachel­öfen zur Gänze mit eigenem Brennholz bzw. Hackschnitzel befeuert. Raimund Baumgartner, ein Waldbauer, der sich nicht nur Gedanken über die Klima­änderung macht, sondern mit seiner Wirtschaftsweise gleich seinen positiven Beitrag dazu leistet, denn er setzt auf sein Holz als heimische, nachwachsende Ressource.

Günther Zeilinger: „Naturschutz wird bei uns Waldbauern gelebt!“ Günther Zeilinger legt bei der Bewirtschaftung seiner Wälder großes Augenmerk auf eine naturnah betriebene Forstwirtschaft, wo auch Spechtbäume und Ameisenhaufen Berücksichtigung finden und ein Hochmoor und ein Feuchtbiotop aktiv betreut werden. Wasser spielt in der gesamten Betriebsphilosophie eine große Rolle und wird auch den Gästen des Hauses nähergebracht. Aktiver Naturschutz wird auch bei der Nutzung erneuerbarer Energie betrieben –- es werden Haus und Nebenhäuser komplett ohne Öl mit Holz-Hackschnitzel beheizt. Darüber hinaus werden Kontrollfahrten im Wald seit Jahren nur mit einem elektrobetriebenen Motorrad vorgenommen.

Um den Wald „klimafit“ zu bekommen, wird vor allem mit Naturverjüngung ge­arbeitet und Mischbaumarten gezielt gefördert. Überalterte Bestände werden durch Einzelstammentnahmen neu strukturiert. Sie bilden dadurch ein Dach für die Naturverjüngung und somit entstehen verschiedenste Altersstrukturen im Bestand. Dies ist gelebter Naturschutz in allen Bereichen des Betriebes!

Walter Kollmann: „Eine entsprechende Waldpflege sichert stabile Bestände – auch zum Wohl der Gesellschaft!“ Walter Kollmann setzt auf die Dickungspflege und frühzeitige Durchforstung, um stabile Waldbestände heranzuziehen. Er arbeitet dabei immer wieder gerne mit dem Kärntner Waldpflegeverein zusammen. Gemeinsam mit dem Waldpflegetrainer setzt er das jeweilige Pflegekonzept in die Praxis um, denn je nach Betriebsziel und Waldbestand müssen im Zuge der Pflegemaßnahmen unzählige Entscheidungen getroffen werden. Entscheidende Potenziale des Waldbestandes werden erkannt und gezielt herausgearbeitet, dabei zählen eine standortsgerechte Baum­artenmischung, Stabilität, Vitalität und Qualitätserziehung zu den wesentlichsten Zielsetzungen. Richtige Waldpflege reduziert die Gefahr von Katastrophen und Elementarereignissen, steigert die Holzqualität nachhaltig und sichert nicht zuletzt die Existenzgrundlage.

Fö. Michael Drug, Geschäftsführer Kärntner Waldpflegeverein: „Es lohnt sich, in die Pflege des Bestandes zu investieren. Schon bald werden sich erste Erfolge wie eine höhere Bestandesstabilität, bessere Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge, mehr Resistenz bei Schneedruck und Sturm, bessere Sortimentsverteilung und höhere Zuwächse einstellen.“ Dies kommt vor allem auch der Gesellschaft zugute, denn stabile Bestände erfüllen nicht nur die Nutz-, sondern auch die Schutz-, die Wohlfahrts- und die Erholungsfunktion.

Drei Waldbesitzer, die stellvertretend für die rund 20.000 Familienforstbetriebe in Kärnten stehen, und zeigen: Wir kümmern uns um den Wald, wir sind kompetent und wir nehmen Verantwortung wahr!

Pfleglich bewirtschafteter Wald. © Jocelyne Yvonne on Unsplash
Schlagwörter