© KI-generiert von Chat GPT
Bildung
11.11.2025

KI im Unterricht: Denkfabrik oder Denkfalle?

Künstliche Intelligenz (KI) ist in den Klassen­zimmern und Hörsälen ange­kommen. Zwei Exper­tinnen erklären die Aus­wir­kungen dieser Techno­logie in For­schung und Lehre.

Bei den Hausaufgaben hilft ChatGPT, Bücher werden mit KI auf wenige Absätze zusammengefasst und Vokabeln nicht im Wörterbuch, sondern in einer App nachgeschlagen. Aber welche konkreten Auswirkungen hat KI auf die Art und Weise, wie wir Inhalte erlernen oder unterrichten? Corinna Mößlacher, Mitarbeiterin im fachlichen Arbeitsbereich Informatik und digitale Bildung an der Pädagogischen Hochschule Kärnten (PHK), meint: „Die Frage, ob man sich als Lehrperson mit KI beschäftigen sollte, stellt sich nicht. Es führt kein Weg daran vorbei.“ Das zeigt sich auch bei den Weiterbildungen, welche die PHK anbietet – neben Datenschutz und dem KI-Einsatz im Unterricht ist den Lehrenden der gegenseitige Austausch ein wichtiges Anliegen. „Es gibt wenig Erfahrungswerte, der Umgang mit KI ist ein kontinuierlicher Lernprozess“, so Mößlacher.

Zudem ist Künstliche Intelligenz nicht Stoff für ein einziges Schulfach, sondern ein fächerübergreifendes Thema. Birgit Phillips, Leiterin des Bereichs „Learning, Innovation and Technology“ an der FH Joanneum Graz, sieht die Verantwortung auch bei den Institutionen: „Schulen und Hochschulen müssen klar kommunizieren: Was ist erlaubt? Wofür ist KI als Lernpartner gedacht – und wofür nicht? Erst wenn diese Leitplanken stehen, kann KI sinnvoll und fair in Bildungsprozesse integriert werden.“

Was ist KI-Kompetenz?

Beim Umgang mit KI geht es um mehr als „Prompt Engineering“, also um Anweisungen zur Erreichung bestimmter Ergebnisse. „KI-Kompetenz ist nicht nur die richtige Kommunikation mit einem Chatbot. Schüler:innen müssen erkennen, wie KI-generierte Informationen zustandekommen und welche Stärken sowie Schwächen diese Technologie hat“, sagt Mößlacher. Das generelle Verständnis von KI wird als „AI Literacy“ bezeichnet und von Phillips wie folgt erklärt: „KI-Systeme arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten, nicht mit Wahrheit. Das heißt, sie klingen oft überzeugend, auch wenn sie komplett daneben liegen. Deshalb ist Quellenkritik zentral. Wo sind die Fakten belegt, wo wird nur plausibel formuliert?“

Die kritische Auseinandersetzung mit KI-generierten Inhalten ist zentral und obliegt dem Menschen. Ein Merkmal von KI, dass sich erst mit der nötigen „AI Literacy“ erschließt, ist das sogenannte „Bias“. Dieses ergibt sich aus den Daten, welche KI-Anbieter in ihre Systeme einspeisen. Denn Daten sind oft nur verzerrte Darstellungen der Realität. „Wer verarbeitet welche Daten im Hintergrund? Wo entsteht Bias? Wer profitiert davon?“ sind laut Phillips Fragen, die man sich stellen muss, um KI-generierte Inhalte einordnen zu können.

„Lehrende sind der KI gegenüber offen. Datenschutz und Erfahrungsaustausch sind aktuell große Themen im Bildungsbereich.“

Corinna Mößlacher

© Lautischer/PHK

KI im Unterricht

Wie sieht die Vermittlung von „AI Literacy“ im Unterrichtsalltag aus? „Die Text- und Fehleranalyse im Sprachunterricht eignet sich gut dafür. Welche Teile eines KI-generierten Textes gefallen mir, welche nicht? Und warum? Welche Teile sind optimierbar oder schlichtweg falsch?“, nennt Mößlacher ein praktisches Beispiel. Die genaue Auseinandersetzung mit KI-Texten schärft das Bewusstsein für Künstliche Intelligenz. „Spannend wird es, wenn KI selbst Teil des Lernprozesses wird“, ist auch Phillips überzeugt. „In der Informatik können Schüler:innen und Studierende die KI-Codevorschläge prüfen und in den Wirtschaftswissenschaften Geschäftsmodelle bewerten, die eine KI entwirft“, so die Expertin. „Für meinen Sohn habe ich einen Sprachcoach für Spanisch entwickelt, der in Echtzeit Fehler korrigiert, Grammatik erklärt und die Aussprache trainiert. Aber: Kein System ersetzt kulturelle Nuancen, Humor oder das Gefühl für ein echtes Gespräch. Da bleibt der Mensch unverzichtbar.“

Ersetzt KI das Denken?

Pessimisten meinen, dass menschliche Denkprozesse durch KI an eine Maschine ausgelagert werden. Optimisten sprechen hingegen von KI-Assistenten, die uns unterstützen können. Die Expertinnen sind der Meinung, dass beide Ansichten die Welt zu sehr in Schwarz und Weiß unterteilen. „Zwischen beiden Sichtweisen, also Gamechanger und Dystopie, liegt die eigentliche Arbeit: Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass KI nützlich und verantwortungsvoll genutzt wird. Potenzial hat sie reichlich, die Richtung aber bestimmen wir“, betont Phillips. „Der Bewusstseinsaufbau bei Schüler:innen für die Tücken der KI ist mitunter schwierig, aber KI-Einsatz bedeutet nicht, das Denken zu verlernen. Die Diskussion ist so wie damals bei der Einführung von Taschenrechnern, als überlegt wurde, wie wir diesen sinnvoll im Unterricht einsetzen wollen“, sagt Mößlacher.

„KI kann helfen, Ideen zu entwickeln, Muster zu erkennen oder Texte zu strukturieren. Sie ersetzt aber kein Fachwissen.“

Birgit Phillips

© Matphoto

WISSENSWERT

Künstliche Intelligenz wird vom Bundesministerium für Bildung als „Chance für Österreichs Schulen“ bezeichnet und Pädagogische Hochschulen bieten Aus- und Weiterbildungen in diesem Bereich an. In Bildungseinrichtungen sind oft KI-Richtlinien für Lehrpersonal, Schüler:innen oder Studierende im Einsatz.

© KI-generiert von Chat GPT

Die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz gewinnt im Bildungsbereich immer mehr an Relevanz. © KI-generiert von Chat GPT

Schlagwörter