Udo Müller, Creative Process
© Creative Process
Die Digitalisierung war ein schleichender Prozess, im Vergleich dazu präsentiert sich die KI als Turboboost, der tief in die Organisationen eindringt, der die Kultur, die Art, wie Dinge gedacht werden, verändert. So beschreibt Udo Müller von Creative Process den Einfluss der nicht mehr ganz so neuen Technologie auf unser Leben. Müller berät und begleitet Unternehmen in Kärnten und der Steiermark vor allem im Energie- und Anlagenbereich bei der Wahl und der Installierung von KI-Programmen. „Egal, ob Einzelunternehmen oder großer Konzern, wer sein Unternehmen künftig weiterbringen will, wird sich damit beschäftigen müssen“, sagt Müller. Die Frage sei nicht, ob man im Unternehmen KI einsetze, sondern wie schnell man sie installiere.
„Es ist eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit“, formuliert es Martin Zandonella, Obmann der Fachgruppe UBIT in der Kärntner Wirtschaftskammer. Mit Förderungen und Qualifizierungsmaßnahmen will die Wirtschaftskammer Unternehmen begleiten, vernetzen und dabei unterstützen, aus Ideen konkrete Anwendungen zu machen – inklusive Fördermöglichkeiten, um den Einstieg in KI zu erleichtern. Für Unternehmen, die einen KI-Prototypen entwickeln und installieren, gibt es Landesförderungen.
Veränderung für Mitarbeiter:innen
„Mit der KI haben wir eine Technologie geschaffen, die so mächtig ist, dass sie uns auf jeden Fall erhalten bleibt. Sie verändert Dinge oft in ihren Grundfesten, sodass wir damit zu Recht vorsichtig und umsichtig umgehen müssen“, sagt Bernd Buchegger, der mit seinem Unternehmen AImpowering Sales Betriebe im industrienahen Umfeld bei der technischen und organisatorischen Umsetzung der Vertriebsdigitalisierung begleitet. KI werde Auswirkungen auf gewisse Jobprofile haben und es werde zu Umbauten kommen, vor allem im Bereich wiederkehrender Arbeiten sowie standardisierter und regelbetriebener Prozesse. „Denn das Heilsversprechen von KI ist die Effizienzsteigerung“, meint Buchegger. Zandonella hält eine Zeitersparnis bei den genannten Prozessen von bis zu 60 Prozent für realistisch. Auch bei der Kontrolle sei die KI dem Menschen überlegen und könne Fehlerquoten – etwa in der Produktion – um bis zu 70 Prozent reduzieren, so der UBIT-Obmann. Laut Report des World Economic Forums (WEF) sind die bis 2030 am schnellsten schrumpfenden Berufsgruppen Datenerfassung, Kassier:innen, Schalterbeamt:innen, Verwaltungsassistenz, Sekretär:innen der Geschäftsführung sowie Post- und Bankangestellte.
Udo Müller, Creative Process
© Creative Process
Alte und neue Berufsbilder
Auch für Texterstellung und Interaktionen mit den Kund:innen, das individuelle, gezielte Ansprechen mit maßgeschneiderten Themen, werden immer häufiger KI-Tools eingesetzt. Wer von einem Unternehmen ein persönliches, auf seine Interessen maßgeschneidertes E-Mail bekommt, braucht sich nicht geschmeichelt zu fühlen – alles Programm, meistens gleich mehrere. Auch dem Beruf des Dolmetschers gibt Buchegger wenig Zukunftschancen. „Hier ist die KI wahnsinnig gut geworden, es wurde bereits ein Programm gebaut, das mehr als 2.000 Sprachen versteht, da ist wahrscheinlich auch Kärntnerisch dabei“, lacht er. Beim klassischen Software-Entwickler wird ebenfalls kein Stein auf dem anderen bleiben, glaubt Müller. Die KI ist heute noch ein Werkzeug des Programmierers. „Aber vielleicht ist sie morgen so gut, dass sie uns gar nicht mehr braucht und sich selbst weiterentwickelt. Im Labor passiert das bereits – mit unterschiedlichen Ergebnissen“, weiß auch Buchegger.
Im Tele-Sale oder Telefonsupport setzt sich KI bereits durch. 70 bis 80 Prozent der Standardfragen kann die Maschine beantworten und man muss nicht warten, bis eine Leitung frei ist. In der Produktion punktet KI bei der Auswertung von Daten, bei der Produktionsüberwachung und bei der predictive maintenance, in der Maschinen den Servicebedarf oder den notwendigen Tausch von Ersatzteilen selbst melden. Aus den Unternehmen heraus werden neue Rollenbilder, neue Funktionen und neue Verantwortlichkeiten und daraus auch neue Berufsbilder entstehen, sagt Müller. Die Unternehmen stellen fest, was sie brauchen, darauf reagieren Arbeitsmarkt und Ausbildung. Er nennt als Beispiel die Prompt-Architekt:innen. Sie definieren – den Standards und Regeln der Firma entsprechend – die Prompts, Befehle und Aufgabenstellung an die KI, und legen dafür die entsprechende Prompt-Bibliothek an.
Laut WEF werden bis 2030 weltweit 92 Millionen Jobs, das sind rund acht Prozent der aktuellen Stellen, verschwinden, aber etwa 170 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen. 59 von 100 Beschäftigten werden eine Form der Weiterbildung oder Umschulung benötigen. Wachsenden Bedarf gibt es in den Bereichen Big Data, KI und maschinelles Lernen, Finanztechnologie, erneuerbare Energien, Bildung und Ausbildung sowie bei Fachkräften im Gesundheits- und Pflegesektor.
Bernd Buchegger, AImpowering Sales
© www.berndbuchegger.at
Genaue Vorbereitung
Grundvoraussetzung für eine funktionierende KI sind die Vorbereitungsarbeiten. Dem Programm muss mitgeteilt werden, welche Aufgaben es zu erfüllen hat und welche Ergebnisse erwartet werden. „Denn die KI ist eine Maschine und kann keine Gedanken lesen“, sagt Buchegger. Mit den Verantwortlichen im Unternehmen wird analysiert, welche Aufgaben das Programm übernehmen soll, was strategisch passt, was ein Unternehmen organisatorisch verdauen kann, wer es verantwortet und was für die Umsetzung benötigt wird. Fünf bis sechs Personen – aus den Bereichen Recht, Ethik, Datenanalytik, IT, Security – sollten in die Vorbereitung involviert sein, damit ein KI-Projekt gut umsetzt werde, erklärt Müller.
Datensicherheit beachten
In vielen Fällen reiche es, die bestehenden Möglichkeiten zu nutzen, sie aber für das jeweilige Unternehmen individuell anzupassen, meint Buchegger. Daher müssen die Berater:innen stets am neuesten Entwicklungsstand sein, was KI kann und wo sie einsetzbar ist. Ein wesentlicher Aspekt ist die Sicherheit. „Alle Mitarbeiter:innen müssen sich dessen bewusst sein, dass alles, was sie auf ein öffentlich zugängliches Programm wie ChatGPT hochladen, im Internet landet. Daher wird es in manchen Bereichen – bei sensiblen und vertraulichen Daten – geschlossener Kreisläufe bedürfen, vergleichbar mit dem Intranet“, so Müller. Denn bei jeder Technologie, egal welches Werkzeug verwendet wird, bleibt die Verantwortung beim Unternehmen.