Harald Kainz, Vorstand ÖIAV Regionalverein Süd
© Lunghammer
Harald Kainz, Vorstand des OIAV Österreichischer Ingenieur- und Architekten-Vereins – Regionalverein Süd, spricht im Interview darüber, wie das Bauwesen künftig klimaschonender agieren kann und welche Chancen er in der Koralmbahn sieht.
advantage: Welche Bedeutung hat das Bauforum an der FH Villach für den ÖIAV?
Harald Kainz: Es soll eine Plattform bieten, wo wir der Bauwirtschaft einerseits die Möglichkeit geben zu zeigen, was sie alles kann. Wir haben in Österreich eine extrem innovative Bauwirtschaft. Viele Entwicklungen in den Bauweisen – ob im Bereich Tunnelbau oder Holzbau – gehen von Österreich aus und erobern die ganze Welt. Andererseits ist es wichtig, dass wir die Baufirmen mit den Industriepartnern und Banken, aber vor allem mit den Schüler:innen und Studierenden zusammenbringen, um die Begeisterung für das Thema zu entfachen! Wichtig ist uns, dass es interdisziplinär ist und wir keine Landesgrenzen aufziehen.
Das Bauwesen ist für 38 % des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Wie kann die Branche klimafreundlicher werden?
Wir müssen vieles umstellen technologisch, die entsprechenden Materialauswahlen tätigen – die Prozesse sind im Gang. Die Gebäude heute – sowohl in der Herstellung, als auch im Betrieb – sind vielfach schon klimaschonend. Es geht aber auch darum, dass wir eine komplette Kreislaufwirtschaft im Baubereich aufziehen. Es ist ein Prozess, der sich nicht in zehn oder 20 Jahren abschließen lässt. Letztendlich geht es nur mit einer gemeinsamen Aufgabe der Baufirmen, Planer und Nutzer. Das Ganze muss natürlich auch so sein, dass es am Markt konkurrenzfähig ist vom Preis her. Denn es nützt ja die Technologie nichts, wenn keiner dafür bezahlen will.
Harald Kainz, Vorstand ÖIAV Regionalverein Süd
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Wie steht es um die Fachkräfte in der Baubranche?
Der Wettbewerb um die besten Köpfe, das ist das Match, vor dem wir stehen. Zum Teil kann man durch Automatisierung und Technologie auf der Personalseite einsparen. Alle Gebäude sind unterschiedlich und somit Unikate. Bei diesen Hightech- und Innovationslösungen braucht es Menschen, die gut ausgebildet sind, die bereit sind, sich zu engagieren. Das wird die große Herausforderung der nächsten Jahrzehnte. Von der Lehre bis zum Hochschulstudium – wir brauchen alle Beteiligten. Wir müssen auf die jungen Leute setzen. Es ist ganz wichtig, ihnen den Freiraum und die Unterstützung zu geben, dass sie ihre Visionen entsprechend umsetzen können!
Welche Chancen bringt die Koralmbahn aus Ihrer Sicht?
Ich glaube, dass es für beide Seiten eine extrem befruchtende Geschichte ist. Das war für uns auch der Anlass, dass wir die beiden ÖIAV-Landesvereine Kärnten und Steiermark zusammengelegt haben zum Regionalverein Süd. Derzeit sind wir 250 Architekt:innen und Ingenieur:innen in Südösterreich. Wir machen viele Aktivitäten gemeinsam und hoffen, dass wir in den nächsten Jahren deutlich Mitglieder und Einfluss gewinnen können.
WISSENSWERT
Der Österreichische Ingenieur- und ArchitektenVerein (ÖIAV) wurde 1848 in Wien ins Leben gerufen. Gegründet mit der Vision, technisches Wissen zu bündeln und den Fortschritt aktiv mitzugestalten, entwickelte sich der ÖIAV zu einem der ältesten und einflussreichsten Ingenieurvereine Europas.