"Eine wirtschaftliche Stabilisierung ist gut, aber noch lange kein Aufschwung. Diese leichte Erholung ist zu zerbrechlich, um sie durch zusätzliche Belastungen aufs Spiel zu setzen."
Konjunkturprognose: WKK drängt auf Reformen
Die Prognose wurde im Rahmen der 23. Kärntner Investitions- und Konjunkturkonferenz (KIKK) präsentiert. Im Beisein von Spitzenvertreter:innen der WKK und der Kärntner Landesregierung zeigten die Ergebnisse aus der jüngsten Umfrage zum Kärntner Konjunktur- und Investitionsbarometer, dass die Situation weiterhin herausfordernd bleibt.
Aufschwung bleibt aus
Nach über einem Jahr zeigen die zentralen Indikatoren erstmals wieder einen leichten Aufwärtstrend. Der Wirtschaftsklimaindex liegt zwar bei -50 Prozent, im Vergleich zum Frühjahr 2025 ist das aber eine deutliche Verbesserung. Beim Indikator "Geschäftstätigkeit" steigt der Saldo von –28 Prozent auf –14 Prozent.
Doch die Herausforderungen bleiben massiv. Vor allem hoher Kostendruck, bürokratische Hürden und eine niedrige Investitionsbereitschaft machen dem Standort Kärnten zu schaffen.
Die WKK fand auch klare Worte gegenüber der Landesregierung: Aktuell diskutierte Maßnahmen wie Zweitwohnsitzabgabe, Leerstandsabgabe oder Motorbootabgabe kommen zur Unzeit und sind laut WKK-Präsident Jürgen Mandl ein Standortrisiko."Wenn wir Zukunftsmut wollen, dürfen wir keine Belastungswut produzieren. Wir brauchen Entscheidungen, die den Standort stärken – nicht solche, die ihn schwächen", so Mandl. Laut ihm braucht es nun dringend Strukturreformen, die Planbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.
Infrastruktur und Reformen
Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig (ÖVP) bestätigte die angespannte Lage durch steigende Kosten, unklare wirtschaftliche Perspektiven und Druck auf Unternehmen wie öffentliche Budgets. Er verwies aber zeitgleich auf die folgenden Maßnahmen zur Stärkung der Exportwirtschaft, den Ausbau standortrelevanter Infrastruktur und die Reformbereitschaft des Landes:
- geplantes Veranstaltungszentrum
- Investitionen in den Flughafen Klagenfurt
- Chancen durch die Inbetriebnahme der Koralmbahn
- Verwaltungs- und Strukturreformen (Landesgesellschaften, Bezirkshauptmannschaften)
- geplante Tourismusreform
"Ziel ist es, durch eine moderne Verwaltung, durch Schwerpunktsetzungen und Aufgabenkonzentration zu wirtschaftsstärkenden Rahmenbedingungen und einer besseren Positionierung des Standorts beizutragen", sagt Schuschnig.
Gesundheitslandesrätin Beate Prettner (SPÖ) verweist zudem auf die Konjunkturwirkung öffentlicher Investitionen: 2026 fließen 94 Millionen Euro in die Kärntner Fondskrankenanstalten, was laut ihr einen Impuls für Versorgung, Wirtschaft und Arbeitsmarkt bedeutet.
Überblick zum aktuellen Kärntner Konjunktur- und Investitionsbarometer
Den größten Lichtblick stellt die Erwartung des Gesamtumsatzes dar: Dieser fällt sowohl im Rückblick mit plus vier Prozent als auch im Ausblick mit plus acht Prozent positiv aus.
Die Exporterwartungen für 2026 sind hingegen verhalten, rückblickend erleiden die Betriebe starke Einbußen von -32 Prozent. Zwar steigen die Erwartungen für das kommende Jahr, allerdings bleibt der Saldo mit -20 Prozent weiter klar negativ.
Düster sieht es auch bei der Auftragslage und der Kapazitätsauslastung aus. 22 Prozent der Betriebe rechnen mit weniger Aufträgen, nur sieben Prozent mit einer Steigerung. 73 Prozent der Betriebe erwarten eine gleichbleibende Auslastung, laut 20 Prozent der Befragten wird diese eher sinken.
Diese Prognosen schlagen sich auch bei Investitionen nieder: Nur sieben Prozent wollen 2026 mehr investieren, 42 Prozent hingegen planen Reduktionen. Bei der Beschäftigung sieht es ähnlich aus: Nur sechs Prozent der Unternehmen wollen aufstocken, 34 Prozent hingegen werden ihr Personal voraussichtlich reduzieren müssen.
49 Prozent der Kärntner Unternehmen erwarten 2026 stabile Umsätze, 30 Prozent nennen steigende Werte. 21 Prozent hingegen sehen die Kurve nach unten gehen.
Beinahe Dreiviertel der befragten Unternehmen nennen steigende Löhne und Gehälter als Hauptgrund für Preissteigerungen, gefolgt von hohen Materialkosten (56 Prozent der Befragten) und hohen Energiepreisen (50 Prozent).