©Helge Bauer
Wirtschaft
25.04.2025

Konjunktur­umfrage: Trend von schlecht in Richtung Durchschnitt

Die 53 befragten Kärntner Industrie­unternehmen gehen für die zweite Jahreshälfte von einer leichten Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung aus.

Kärntens Industrie befindet sich im vierten Jahr der Rezession. Die aktuelle Konjunkturumfrage zeigt erstmals einen leichten Trend von negativen Aussagen in Richtung Durchschnitt. Um als Standort wettbewerbsfähig zu bleiben, brauche es aber dringend Reformen. Die IV Kärnten hat dahingehend ein Strategiepapier erarbeitet.

Von Aufschwung weit entfernt

53 Unternehmen mit rund 19.000 Beschäftigten stellten sich der Konjunkturumfrage der IV Kärnten für das 1. Quartal 2025. Die aktuelle Geschäftslage wird zwar von 54 Prozent der befragten Betriebe mit schlecht beurteilt wird, in sechs Monaten rechnen jedoch nur noch sechs Prozent der Unternehmen mit einer schlechten Entwicklung, 84 Prozent sehen eine immerhin durchschnittliche. „Von einem Aufschwung sind wir aber noch immer weit entfernt, auch die Ertragssituation entwickelt sich in den Unternehmen weiterhin eher durchschnittlich“, so Claudia Mischensky, Geschäftsführerin IV Kärnten. Die Einschätzung der Unternehmen in Bezug auf die Beschäftigten verläuft etwas positiver. Im Jänner war noch mehr als die Hälfte aller Industriebetriebe in Kärnten davon ausgegangen, Mitarbeiter:innen abbauen zu müssen. In den kommenden drei Monaten rechnen noch 14 Prozent damit, 84 Prozent gehen aber davon aus, die bestehenden Mitarbeiter:innen halten zu können, und zwei Prozent geben an, Mitarbeiter:innen einstellen zu wollen.

„Die größte Herausforderung bleiben außerdem weiterhin die Lohnstückkosten. Das österreichische Steuer- und Abgabensystem belastet den Faktor Arbeit überdurchschnittlich hoch.“

Timo Springer, Präsident IV Kärnten

Industrie steht weiter vor Herausforderungen

„Die Lage der Industrie in Österreich bleibt weiterhin ernst. Hohe Kosten für Personal und Energie, strenge Regulierungen und überbordende Bürokratie sind immense Standortnachteile und setzen unsere Unternehmen stark unter Druck. Die Produktionen schrumpfen und immer mehr Betriebe verlagern Standorte ins Ausland. Wir verlieren weiterhin zunehmend industrielle Wertschöpfung“, warnt Timo Springer, Präsident der Industriellenvereinigung Kärnten. Auch wenn die konjunkturelle Talsohle in Sicht sei, und wir uns einem Wendepunkt nähern, gebe es jedenfalls viel zu tun. Und geopolitische Unsicherheiten dämpfen eine allfällige Erholungsperspektive erheblich. „Die größte Herausforderung bleiben außerdem weiterhin die Lohnstückkosten. Das österreichische Steuer- und Abgabensystem belastet den Faktor Arbeit überdurchschnittlich hoch und wirkt sich wachstumshemmend aus. Wir brauchen eine mutige österreichische Industriestrategie, die Kosten für Arbeit, Energie und Bürokratie senkt, Strukturreformen umsetzt, und es den Unternehmen mit entsprechenden Rahmenbedingungen ermöglicht, in Zukunftsstrategien zu investieren“, sagt Springer.

IV Kärnten-Strategiepapier mit Zukunftsthemen

„Kärnten steht vor bedeutenden wirtschaftlichen, technologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die eine klare strategische Ausrichtung mit Priorisierungen und Schwerpunktsetzungen erfordern“, sagt Springer. Aus diesem Grund wurde unter Beteiligung der Vorstandsmitglieder der IV Kärnten ein Strategiepapier erarbeitet, das die Bereiche Arbeitsmarkt, Bildung, Kompetenzen, Forschung, Innovation, Internationalisierung, Infrastruktur, Digitalisierung und Energie in den Fokus rückt. „Diese Themen sind entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung und die Attraktivität Kärntens als Arbeit-, Bildungs- und Lebensstandort. Mit diesem Strategiepapier der Industrie wollen wir die Weichen für eine dynamische und resiliente Wirtschaft stellen.“

„Wenn wir uns die Herausforderungen im Energiebereich ansehen, wird uns nicht nur der Ausbau der erneuerbaren Energie beschäftigen, sondern in Bezug auf die Netzinfrastruktur auch die geplante und für die stabile Stromversorgung in Kärnten unerlässliche 380 kV-Leitung.“

Claudia Mischensky, Geschäftsführerin IV Kärnten

Bildung und Kompetenzen

Die Industrie und die mit dem Industriesektor verbundenen Dienstleistungen tragen mit 59 Prozent der Wertschöpfung und 46 Prozent der unselbständig Erwerbstätigen wesentlich zu Beschäftigung und Wohlstand in Kärnten bei, so Mischensky. In der Strategiebroschüre wurden die Herausforderungen in den jeweiligen Bereichen herausgearbeitet, und darauf aufbauend Handlungsempfehlungen und Maßnahmen.

Der Fokus im Bildungsbereich liegt klar auf der Modernisierung der Bildungsangebote und dem Ausbau der MINT-Schwerpunkte. „Bei den Innovationen sehen wir eine zu geringe Breite und damit eine Bremse für die Innovationskultur. Auch die Zusammenarbeit von Hochschulen und Wirtschaft ist teilweise zu schwach“, sagt Mischensky. Durch die Bürokratie werde außerdem die Umsetzung neuer Ideen erschwert.

Innovations-Masterplan gefordert

Zur Verbesserung der Innovationsstrategie und -kultur fordert die IV Kärnten daher die Einführung eines umfassenden „Innovations-Masterplans Kärnten“. Er soll die Stärkung von Forschungseinrichtungen, Industrie und kleinen und mittleren Unternehmen vorantreiben. Für Innovationsförderungen wird außerdem ein zentraler One-Stop-Shop gefordert. „Und wenn wir uns die Herausforderungen im Energiebereich ansehen, wird uns nicht nur der Ausbau der erneuerbaren Energie beschäftigen, sondern in Bezug auf die Netzinfrastruktur auch die geplante und für die stabile Stromversorgung in Kärnten unerlässliche 380 kV-Leitung“, so Mischensky.

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